Versicherungen Seniorenunfallversicherung

Seniorenunfallversicherung: Welche Versicherung hilft wirklich?

Ein Unfall kann im Alter oft bleibende Schäden verursachen. Eine Seniorenunfallversicherung organisiert und finanziert dann Pflege oder Haushaltshilfe. Interessierte sollten genau auf die Leistungen achten – stimmen diese, kann die Versicherung vor allem für Alleinstehende sinnvoll sein.

Eine Seniorenunfallversicherung organisert und finanziert in Folge eines Unfalls die Pflege oder Haushaltshilfe ©EpicStockMedia | Fotolia.com


1. Für wen ist eine Seniorenunfallversicherung sinnvoll?

2. Was leistet eine private Seniorenunfallversicherung?

2.1. Mindestanforderungen

2.2. Konditionen für Senioren

3. Kapitalauszahlung oder Rentenleistung bei Invalidität – was lohnt sich?

4. Wie läuft die Organisation der Hilfsdienste bei einem Unfall ab?

5. Welche Zusatzleistungen bieten private Unfallversicherungen an?

6. Was kostet eine private Seniorenunfallversicherung?


Von einem Unfall, zum Beispiel nach einem Treppensturz, erholen sich viele in höherem Alter nicht mehr vollständig – die Folge: ein steifes Bein, ein steifer Arm oder andauernde Rückenschmerzen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Reha sind sie häufig weiterhin auf Unterstützung im Haushalt angewiesen, beispielsweise in Form eines ambulanten Pflegedienstes oder einer Haushalthilfe. Da die gesetzliche Pflegeversicherung nur dann Leistungen erbringt, wenn ein Pflegegrad besteht, kann eine Seniorenunfallversicherung entscheidend zur Finanzierung beitragen. Bei der Wahl der passenden Versicherung gilt es jedoch, den richtigen Tarif und die besten Konditionen für die individuelle Situation zu finden.

1. Für wen ist eine Seniorenunfallversicherung sinnvoll?

Seniorenunfallversicherungen eignen sich grundsätzlich für alle Senioren, die sich bei Unfällen absichern möchten. Da die gesetzliche Pflegeversicherung erst ab einer Pflegebedürftigkeit von sechs Monaten zahlt, kann die private Seniorenunfallversicherung hier eine finanzielle Lücke schließen. Noch erwerbstätige Senioren sollten vor Abschluss prüfen, ob sie im Ruhestand sparsam wirtschaften müssen. In diesem Fall macht eine Seniorenunfallversicherung nur dann Sinn, wenn bei Zahlung der Beiträge nicht am Existenzminimum gelebt werden muss. Denn wird die Versicherung aus finanziellen Gründen gekündigt, hat der Versicherungsnehmer vom jahrelang eingezahlten Geld nichts mehr. Insbesondere für alleinstehende Senioren, die keine Hilfe von Angehörigen erwarten können, kann eine Seniorenunfallversicherung hingegen sehr sinnvoll sein. Senioren sollten nach einem Unfall mit durchschnittlich sechs bis acht Wochen Unterstützung rechnen, diese kann schnell einige tausend Euro kosten. Generell gilt jedoch: Die private Seniorenunfallversicherung gewährt die festgelegten Leistungen nur im Falle eines Unfalls und nicht bei Hilfsbedürftigkeit aufgrund von Krankheit.

2. Was leistet eine private Seniorenunfallversicherung?

Versicherer bieten Senioren-Unfallpolicen in vielen verschiedenen Varianten an. Wirklich sinnvoll sind nur diejenigen, die in den ersten sechs Monaten nach dem Unfall umfassende Hilfeleistungen garantieren. Dabei sollte eine Reihe von Mindestanforderungen unbedingt gewährleistet sein.

2.1. Mindestanforderungen

Seniorenunfallversicherungen sind in der Regel klassische Unfallversicherungen, die mit Pflege- und Hilfsleistungen kombiniert werden. Der Versicherer sollte mindestens sechs Monate nach dem Unfall alle Hilfeleistungen gewähren und bezahlen sowie ggf. den finanziellen Aufwand für Leistungen übernehmen, die sich der Kunde selbst organisiert. Zudem sollte ein Menü- und ein Einkaufsservice Bestandteil der Versicherung sein. Das heißt, der Versicherungsnehmer erhält täglich ein von der Versicherung bezahltes Menü sowie einmal in der Woche einen Einkaufsservice (die Kosten für die Waren übernimmt der Versicherungsnehmer). Zudem sollte gewährleistet sein, dass der Verunglückte mindestens einmal wöchentlich zu Behörden- und Arztterminen in einem Umkreis von 25 Kilometern begleitet wird. Daneben bieten gute Seniorenunfallversicherungen einen Haushaltsreinigungs- und einen Wäscheservice. Dabei sollte mindestens einmal pro Woche jeweils für zwei Stunden der Haushalt geputzt und die Wäsche gewaschen, getrocknet und gebügelt werden. Grundsätzlich sollte die Versicherung außerdem Grundpflegeleistungen und die Finanzierung eines Hausnotrufs gewährleisten. Wünschenswert wäre auch die Beratung zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

2.2. Konditionen für Senioren

Eine gute Seniorenunfallversicherung sollte vertraglich festlegen, dass die Versicherung mindestens bis zu einem Alter von 75 Jahren abgeschlossen werden kann und auch nach Überschreiten des 75. Lebensjahres fortgeführt wird. Zudem sollten bis zum 65. Lebensjahr normale Abschlusskonditionen gelten, das heißt vor allem, dass die jährlichen Beiträge erst danach steigen sollten.

Nicht versicherbar sind in der Regel dauerhaft schwer- und schwerstpflegebedürftige Personen (meist ab Pflegegrad 3) und Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden. Außerdem versichern einige Versicherer keine Personen, die in einen geringeren Pflegegrad eingestuft sind.

Die Seniorenunfallversicherung wird meistens für ein Jahr oder als Drei-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Wenn nicht gekündigt wird, verlängert sich der Vertrag in der Regel automatisch um ein Jahr. Versicherungsnehmer und Versicherer können den Vertrag jeweils nach einem Schadensfall oder zum Ende des Versicherungsjahres mit einer Frist von drei Monaten kündigen.

HINWEIS DER REDAKTION:

Achten Sie unbedingt darauf, bis zu welchem Alter die Seniorenunfallversicherung gilt. Bei einigen Versicherungen enden die Verträge automatisch bei Eintreten des 65., 70. oder 75. Lebensjahres. Oft bemerken Versicherte dies erst, wenn bereits ein Unfall eingetreten ist. Gehen Sie beim Abschluss einer Versicherung zudem sicher, dass der Versicherer die vereinbarten Leistungen, z.B. Organisation von Pflegediensten, auch tatsächlich erbringt und nicht nur vermittelt. Sie können sich Ihre Leistungen zwar auch selbst organisieren - der Versicherer muss dafür aufkommen – aber nach einem Unfall ist es sicher vorteilhaft, wenn Sie sich bei der Organisation auf andere verlassen können.

3. Kapitalauszahlung oder Rentenleistung bei Invalidität – was lohnt sich?

Wer bereit ist, höhere monatliche Beiträge zu zahlen, der kann sich auch im Falle bleibender gesundheitlicher Schäden nach einem Unfall absichern. Dabei gibt es die Möglichkeit, zusätzlich zu den obligatorischen Hilfeleistungen eine Police mit Kapitalauszahlung oder mit Rentenleistung bei Invalidität zu wählen. Dabei sind Versicherungen mit Kapitalauszahlung meist vorteilhafter, denn im Falle bleibender Schäden kann sich der Versicherte die gesamte Summe auszahlen lassen und beispielsweise für den Wohnungsumbau nutzen, im Todesfall kann die Summe außerdem vererbt werden. Bei einer Rentenauszahlung ist beides nicht möglich. Außerdem muss für die Ausbezahlung von Rentenleistungen meist eine Invalidität von 50 Prozent gegeben sein, manchmal auch weniger. Eine Schädigung über 25 Prozent erreichen die meisten Versicherten aber nicht, weshalb sie oft gar kein Geld erhalten. Versicherungen mit Kapitalauszahlung zahlen hingegen oft schon ab einem Prozent Invalidität anteilig aus. Allerdings ziehen viele Versicherer bei Tarifen mit Geldleistung von der festgestellten Invalidität wieder etwas ab, wenn krankheitsbedingte Vorschäden beim Versicherungsnehmer vorliegen.

HINWEIS DER REDAKTION:

Eine Invalidität im Sinne der privaten Unfallversicherung liegt dann vor, wenn Sie durch körperliche oder psychische Leistungsfähigkeit durch einen Unfall dauerhaft beeinträchtigt sind. Eine Beeinträchtigung gilt als dauerhaft, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre andauern wird und eine Verbesserung des Zustandes nicht erwartet werden kann.

4. Wie läuft die Organisation von Hilfsdiensten bei einem Unfall ab?

Die Organisation der Hilfsdienste läuft bei allen Versicherern ähnlich ab. Im Bedarfsfall informiert der Versicherte den Versicherer, der dann die Organisation der Hilfsleistungen übernimmt und dabei mit Hilfs- oder Caritasdiensten zusammenarbeitet. Die Hilfsdienstleister wiederum kümmern sich um die Organisation von Pflegediensten, Anbietern von Essen auf Rädern sowie Haushaltshilfen, diese werden nach festen Qualitätskriterien sorgfältig geprüft. Die Organisation der Hilfeleistungen geschieht meist sehr schnell, in der Regel noch am selben Tag.

5. Welche Zusatzleistungen bieten private Hilfsdienstleiter an?

Neben den erwähnten Hilfsleistungen und der Möglichkeit der Kapital- oder Rentenauszahlung bieten manche Versicherer weitere Zusatzleistungen an. Dazu gehören zum Beispiel Hilfeleistungen in einem gewissen Umfang auch bei einigen Erkrankungen, allerdings für einen höheren Betrag. Einige Versicherer bieten auch Leistungen für eine weitere Person, etwa, wenn der Versicherte selbst eine pflegebedürftige Person versorgt und dazu nach einem Unfall nicht mehr in der Lage ist. In diesem Fall wird die Betreuung einer weiteren pflegebedürftigen Person auch nach dem Unfall der pflegenden Person gewährleistet.

TIPP DER REDAKTION:

Lassen Sie sich vor Abschluss eines Vertrages bei Ihrem Versicherer über Zusatzleistungen beraten. Erkundigen Sie sich insbesondere, ob Sie bei bestimmten Krankheiten Hilfeleistungen in Anspruch nehmen können und informieren Sie sich auch, für welche Erkrankungen gezahlt wird. Manchmal werden zum Beispiel bei Schlaganfall oder Krebs oder auch bei einem Unfall infolge eines Herzinfarktes Hilfeleistungen angeboten. Auch Oberschenkelhalsbrüche infolge einer Osteoporose werden mitunter als anerkannter Schadensfall akzeptiert.

6. Was kostet eine private Seniorenunfallversicherung?

Preis und Leistung schwanken bei privaten Seniorenunfallversicherungen enorm, aus diesem Grund sollten sich Interessierte vor Abschluss einer Versicherung verschiedene Angebote einholen. Dabei müssen günstigere Angebote nicht unbedingt weniger Leistungen und teurere Versicherungen nicht automatisch ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bieten. Eine Untersuchung von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 zeigt beispielsweise, dass ein 65-jähriger Kunde einen exklusiven Tarif bei einem großen bekannten Versicherer bereits ab 78 Euro im Jahr bekommt und Leistungen im Wert von bis zu 12.500 Euro erhalten kann. Weil keine neueren Untersuchungen vorliegen und je nach Alter bei Vertragsabschluss die eine oder die andere Versicherung vorteilhafter sein kann, lohnt es sich, die verschiedenen Tarife der Versicherer genau zu überprüfen.


 

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