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Schloss Linderhof: Rückzugsort des Märchenkönigs

Richard Wagner trifft auf "Tischleindeckdich" und die Venus. Schloss Linderhof in der Nähe von Oberammergau in Südbayern ist wie ein wahr gewordener Traum. Denn was König Ludwig II. sich dort erbauen ließ, scheint nicht real zu sein.

Schloss Linderhof
© Bayerische Schlösserverwaltung

König Ludwig liebte es extravagant, denn er ließ sich gleich drei Schlösser erbauen: Schloss Herrenchiemse, Schloss Neuschwanstein und Schloss Linderhof. Linderhof ist das einzige, das zu seinen Lebzeiten vollendet wurde und besonders hier wird seine Liebe zu Richard Wagner deutlich. Da gibt es zum Beispiel die "Hundinghütte" nach dem Vorbild der Wagneroper "Die Walküre" aus dem Nibelungenring oder die Venusgrotte, die nach einem Vorbild aus Wagners "Tannhäuser" gestaltet ist.

Von Wellenmaschinen und Lichteffekten

Was hier Ende 1870 geleistet wurde, ist unglaublich. Die Baumeister Ludwigs II. errichteten für seine Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof eine unterirdische Tropfsteinhöhle mit See. Wie das gelingen kann? Eine riesige Eisenkonstruktion wurde mit imprägnierter Leinwand bespannt und mit einem Zementgemisch bespritzt. Daraus entstanden die Tropfsteine.

Doch das war dem bayerischen Märchenkönig noch nicht genug. Mithilfe von 24 Dynamomaschinen ließ er seine Venusgrotte beleuchten – natürlich mit verschieden-farbigem Licht. Durch eine kleine Maschine gab es in dem künstlichen See sogar Wellen und das Wasser sowie die Grotte wurden durch sieben Öfen beheizt. Nicht dass sich ein König noch einen Schnupfen holt. Wer noch nicht beeindruckt ist, wird es jetzt sein. Ein Projektionsapparat konnte die Grotte unter einem Regenbogen erstrahlen lassen. Heute wird jedoch weniger geprotzt und mehr gespart als damals: Regenbogen-Maschine, Öfen und Wellenapparat bleiben für die Besucher ausgeschaltet.

Der Märchenkönig liebte die Einsamkeit

Wer Linderhof besucht, lernt Ludwig besser kennen. Denn er liebte nicht nur die Extravaganz, sondern auch die Einsamkeit. Dies wird ganz besonders im kleinen Speisesaal im Schloss deutlich. Der Märchenkönig mochte es, alleine und ohne die Anwesenheit seiner Bediensteten zu speisen. Der kleine Esstisch war daher gleichzeitig ein Speisenaufzug. Er konnte direkt in der Küche gedeckt werden und mittels Muskelkraft durch eine Lücke im Boden zurück in den Speisesaal befördert werden. Wie ein „Tischleindeckdich" deckte sich der Tisch für Ludwig (scheinbar) unsichtbar und er konnte ganz alleine essen.

Allein an der geringen Größe des Schlosses Linderhof wird deutlich: Ludwig wollte hier nicht in großer Gesellschaft sein. Es sollte ein Rückzugsort für ihn sein. Ein Rückzug aus der Welt mit ihren Sorgen und Verpflichtungen und ein Rückzug in die eigene Welt der Träume. Diese Flucht aus der Realität gelang Ludwig auf Schloss Linderhof und es wurde zu seinem persönlichen Kleinod. Die Sorgen des Alltags kann man bei einem Besuch von Linderhof heute noch immer vergessen. Kein Wun-der also, dass jedes Jahr circa 440.000 Besucher kommen und Park und Schloss er-kunden. "Tischleindeckdich", Richard Wagners Sagenwelt und Venusgrotte: Das alles scheint mehr einem Märchen entsprungen zu sein als der Realität. Linderhof ist ein Kleinod. Für Ludwig. Für die Besucher. Für uns.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen und Eintrittspreisen finden Sie auf der Homepage von Schloss Linderhof.


 


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