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Freilichtmuseum Groß Raden

In Groß Raden wird Geschichte lebendig: durch die Kombination aus Ausstellung, Rekonstruktion und Archäologie zum Anfassen wird auf wissenschaftlicher Grundlage ein nachhaltiges und prägendes Bild vom Leben in der Slawenzeit vermittelt.

Luftaufnahmen des Freilichtmuseums Groß Raden.
© Dr. Fred Ruchhöft | Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern | Landesarchäologie

Klare Flüsse, fischreiche Seen, ausgedehnte Wälder und eine abwechslungsreiche hügelige Landschaft bilden die optimalen Bedingungen für das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden – ein altslawische Tempelort der Entspannung, Erholung und Bildung in Mecklenburg-Vorpommern. Gelegen mitten im Naturpark Sternberger Seenland zieht es jedes Jahr mehrere zehntausend Besucher aller Altersgruppe an. Dabei gehört Groß Raden zu den Archäologischen Freilichtmuseen, die ihre Entstehung dem Leiter einer an Ort und Stelle durchgeführten Ausgrabung verdanken.

Wertvolle und besonders schöne Funde wurden oftmals den Wikingern und nicht den Wenden, den slawischen Bewohnern Mecklenburgs, zugeteilt, da über die Kultur der slawischen Stämme in Mecklenburg bis zum Ende des zweiten Weltkriegs nur wenig bekannt war. Im Kern besteht das Freigelände aus der authentischen Nachbildung einer befestigten slawischen Siedlung mit Heiligtum des 9. Und 10. Jahrhunderts, weshalb die Rekonstruktion auf den Ergebnissen umfangreicher Ausgrabungen, die in den 70-er und 80er Jahren vom Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin durchgeführt wurden, basiert.

Ewald Schuldt, damaliger Direktor des Museums, führte alle Schritte von der Ausgrabung über die wissenschaftliche Auswertung bis hin zur Detailplanung des Freigeländes, so dass 1987 das Ausstellungsgebäude und 1989 schließlich das Freigelände eröffnet werden konnten. Erste Ergebnisse all seiner Ausgrabungen legte er umgehend in von ihm herausgegebenen Jahrbüchern für Bodendenkmalpflege vor.

Eine Siedlung von Früher im Freilichtmuseum Gross Raden.
© Michael Wagner | Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern | Landesarchäologie

Eindrucksvolle Einblicke in die Kultur der slawischen Stämme in Mecklenburg vermittelt das Archäologische Freilichtmuseum und zeigt wertvolle und schöne Funde wie die slawische Keramik aus der Wendezeit, wie die slawischen Bewohner Mecklenburgs genannt werden. Zu den auffallenden Ausstellungsstücken gehören Lanzenspitzen, Äxte, Sicheln, Messer, Perlen, Kämme, Schleifsteine und Spinnwirtel auch zerhackter Silberschmuck und Münzen, die von den weitreichenden Handelsbeziehungen der Wenden zeugen.

Historischer Hintergrund der Siedlung

Die Befunde der Ausgrabungen wurden von Schuldt in zwei Bauphasen eingeteilt: eine ältere Siedlung, die in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts angelegt und wenig später zerstört wurde sowie eine kurz darauf neu errichtete Siedlung. Mit einer Fläche von 7000 m² wurde nahezu die Hälfte des besiedelten Geländes ausgegraben und infolge des extrem hohen Grundwasserspiegels blieben organische Materialien sehr gut erhalten, sodass sogar ein großer Teil der hölzernen Bauelemente gefunden wurde.

Der ehemalige Burgwall lag auf einer vorgelagerten Insel, die nur durch eine Brücke mit der Siedlung auf der damals viel kleineren Halbinsel verbunden war. Die Hauptsiedlung bestand dabei in den ersten Jahrzehnten vermutlich aus etwa 40 eng nebeneinander stehenden Häusern mit einer Grundfläche von 20 Quadratmetern.

Im östlichen Teil der Insel liegt ein großes Gebäude aus breiten Eichenbohlen, welches sich nach den Opferspuren, den sogenannten Kopfbohlen und der besonderen Lage zufolge um einen Umgangstempel oder ein Heiligtum der damaligen dort ansässigen slawischen Bevölkerung handelt. Zwischen der Palisade und den Gebäuden fanden vermutlich auch auf den freien Flächen regelmäßig Versammlungen und Märkte statt.

Das Torhaus im Freilichtmuseum Gross Raden.
© Michael Wagner | Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern | Landesarchäologie

Deutliche Brandspuren vor allem im Bereich der Palisade und des Eingangstores weisen darauf hin, dass die Siedlung um 900 vollständig zerstört wurde. Die Siedlung wurde danach schnell wieder aufgebaut, allerdings errichtete man die Häuser diesmal in Blockbauweise. Der alte Standort des Tempel blieb unberührt, aber das Heiligtum selbst in einer völlig anderen Konstruktion auf die Insel verlegt und zu dessen Schutz ein 10 Meter hoher Burgwall errichtet.

Als zusätzlicher Schutz diente ein auf der Brücke auf halbem Weg zur Tempelburg errichteter Kontrollposten in Form eines Torgebäudes. Am Ende des 10. Jahrhunderts wurde die Siedlung endgültig aufgegeben, nachdem es vermutlich erneut zu Zerstörungen gekommen war.

Der Anspruch des Museums besteht deshalb heute darin, im Freigelände eine weitgehend authentische Visualisierung der Bauwerke zu bieten, die das Gelände während der Slawenzeit prägten, wobei der Schwerpunkt auf dem Gesamtbild liegt, das den Rahmen für museumspädagogische Aktivitäten und Sonderveranstaltungen bietet.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen und Eintrittspreisen erhalten Sie der Homepage vom Freilichtmuseum Groß Raden.


 


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