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Herzklappentherapie: So wenig invasiv wie möglich

Ein katheterbasierter Herzklappenersatz bietet eine valide Alternative zum chirurgischen Ersatz.

Ein Paar steht lächelnd am Strand
© Monkey Business | Fotolia.com

Eine Aortenklappenstenose zählt zu den häufigsten und schweren Herzerkrankungen, von denen besonders ältere Menschen betroffen sind. Dabei ist die Aortenklappe, die den Blutstrom vom Herzen in den Körper lenkt, verkalkt und verengt. Die Klappe kann sich nicht mehr vollständig öffnen und behindert den Blutfluss von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader. Dadurch wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Betroffenen ermüden schnell, klagen über Kurzatmigkeit oder Atemnot, Schwindel, Brust- oder Herzschmerzen. Prof. Dr. med. Roberto Corti ist Spezialist für Kardiologie und Leiter der HerzKlinik Hirslanden in Zürich, Schweiz. Der Facharzt hat sich besonders auf die katheterbasierte Herzklappentherapie spezialisiert: „Dies ist eine neuartige Technik, bei der wir die Herzklappe mit Hilfe eines Katheters ersetzen: am schlagenden Herzen, ohne beim Patienten eine Herz-Lungen-Maschine anzuschließen. Da der Brustkorb intakt bleibt, kann der Patient bereits am Tag des Eingriffs voll mobilisiert werden und nach wenigen Tagen das Spital verlassen“.

Ablauf einer katheterbasierte Aortenklappenintervention (TAVI)

Bei einem katheterbasierten Klappenersatz, kurz TAVI genannt (Transcatheter Aortic Valve Implantation), erhält der Patient lediglich eine Lokalnarkose, wie bei anderen Katheteruntersuchungen. Der Eingriff selbst dauert nur ca. eine Stunde, erklärt Prof. Corti: „Durch präzise Voruntersuchungen, bei denen die Aortenklappe und auch das Gefäßsystem in 3D dargestellt werden, bestimmen wir den geeignetsten Zugangsweg zur Aortenklappe. In den meisten Fällen erfolgt der Zugang über die Leiste, ist aber auch über die Brustwand oder sogar die Aorta möglich. Unter Röntgenkontrolle schieben wir die neue Klappe dann mit Hilfe des Katheters präzise auf die Höhe des erkrankten Aortenklappenrings. Im Unterschied zur offenen Operation wird die körpereigene Klappe nicht entfernt, sondern durch die neue Klappe an die Herzwand gedrückt“. Bei diesem Eingriff sind weder das Öffnen des Brustkorbs noch der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine notwendig. Die Belastung für den Patienten ist daher deutlich geringer als bei einer offenen Herzklappenoperation.

Deutlich geringeres Risiko für schwerstkranke Patienten

Aktuelle Studien belegten, dass die Sterblichkeit bei sehr kranken Patienten im Vergleich zur offenen Operation niedriger sei, erklärt Prof. Corti: „Lag die Mortalität vor etwa 9 Jahren noch bei 10-12 Prozent, so ist sie heute bei 1-2 Prozent angekommen. Ich bin mir sicher, dass der katheterbasierte Klappenersatz demnächst Standardtherapie wird“. Dr. Corti und sein Team setzen darauf, dass bald eine solide wissenschaftliche Grundlage für eine Ausweitung auf Patienten mit tieferem Risikoprofil vorliegen wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Eingriff ist deutlich schonender und weniger belastend für die Betroffenen. Noch am Tag der Operation können Sie das Bett verlassen. Nach fünf bis sechs Tagen erfolgt die Entlassung aus dem Krankenhaus. Ein anschließender Reha-Aufenthalt ist grundsätzlich nicht notwendig. Ausnahme sind lediglich ältere Patienten mit besonderen Bedürfnissen.

Für wen kommt eine katheterbasierte Herzklappentherapie in Frage?

Derzeit kommt das TAVI-Verfahren vorwiegend bei Patienten mit erhöhtem operativen Risiko zum Einsatz, für die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, weiterer Erkrankungen oder nach Voroperationen ein Eingriff am offenen Herzen nicht in Frage käme. „Allerdings wenden wir diese Methode auch jetzt schon immer häufiger bei Patienten mit tieferem Risiko an“, erklärt Prof. Corti. „Grundlage ist immer eine genaue Diagnose und ein Abwägen der Risiken. Unser Motto lautet: So wenig invasiv wie möglich. Und wenn das TAVI-Verfahren für den Patienten die größte Sicherheit bietet, dann sollte es auch das Verfahren erster Wahl sein“. Der Kardiologe ist sicher: Sobald verlässliche Langzeitdaten über die Haltbarkeit dieses Klappenersatzes vorliegen, kommt das schonende TAVI-Verfahren noch vielen weiteren und auch jüngeren Patienten zugute.


 

Quelle: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

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