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PAVK: „Schaufensterkrankheit“ nicht verharmlosen

Eine Periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK oder auch „Schaufensterkrankheit“ genannt, ist eine ernsthafte Gefäßerkrankung, die unbehandelt zu Amputationen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen kann.

Dr. Fahrig berät eine Patientin
©Dr. med. Clemens Fahrig

Die ersten Symptome sind wie so häufig nicht genau zuzuordnen: Beim Gehen schmerzen plötzlich die Waden, die Oberschenkel oder das Gesäß. Und zwar so heftig, dass die Betroffenen stehen bleiben müssen, bis der Schmerz wieder abflaut. Die meisten Menschen halten dort an, wo ihre Pause nicht auffällt: sie betrachten Gebäude, Tiere, kleine Kinder oder sehen sich die Auslagen in einem Schaufenster an – daher stammt im Volksmund die Bezeichnung „Schaufensterkrankheit“. Dr. med. Clemens Fahrig ist Leiter des Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Angiologie im Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. Er nennt die Krankheit lieber beim Namen „PAVK“, den Begriff „Schaufensterkrankheit“ mag er nicht: „Bei einer Peripheren arteriellen Verschlusskrankheit handelt es sich um eine Durchblutungsstörung der Beine in Folge einer Arterienverkalkung. Der Fachbegriff lautet Arteriosklerose. Häufig tritt diese Gefäßerkrankung gleichzeitig am Herzen oder an der Halsschlagader auf. Das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden ist stark erhöht. Die Sterblichkeit gleicht der von Darmkrebs. Unbehandelt verkürzt eine PAVK die Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen“. Auch ein extrem verlangsamtes Wachstum der Fußnägel ist ein Warnsignal, das Betroffene möglichst frühzeitig zum Arzt führen sollte.

PAVK wird einfach und schmerzlos diagnostiziert

Erste Anlaufstelle für Patienten, die ein oder mehrere Symptome an sich bemerken, ist der Hausarzt. „Die erste Diagnose erfolgt unkompliziert per Ultraschall“, erklärt Dr. Fahrig. In weiteren Schritten können die Mikrozirkulation, der Sauerstoffgehalt und die Blutmenge in den Beinen überprüft werden“. Betroffen sind häufig Menschen, die unter Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Auch erhöhte Blutfettwerte und Rauchen steigern das Risiko, an einer PAVK zu erkranken. Schmerzen beim Gehen können vielfältige Ursachen haben, daher werden häufig auch Orthopäden und Neurologen zu Rate gezogen, ehe Patienten an Gefäßspezialisten verwiesen werden. „Wichtig ist, dass man nicht aufgibt, bis die Ursache der Schmerzen geklärt ist“, so Dr. Fahrig.

Moderne Behandlungsmethoden bei PAVK

Für die Periphere arterielle Verschlusskrankheit gibt es eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, die von konservativen Maßnahmen wie Gehtraining, Einstellung der auslösenden Erkrankungen über Infusionen bis hin zu Bypass-Operationen reicht. „In den vergangenen Jahren hat es in der PAVK-Behandlung fantastische Entwicklungen gegeben“, betont Angiologiespezialist Fahrig. „Es sind eine Vielzahl von gerinnungshemmenden Medikamenten neu auf den Markt gekommen, sogenannte „neue orale Antikoagulantien“, NOAK abgekürzt. Diese sind viel sicherer als z.B. der bekannte Blutverdünner Marcumar“. Sofern es notwendig ist, die verkalkten Arterien von innen zu behandeln, geschieht dies in der Regel minimalinvasiv per Katheter, der durch eine Punktion in der Leiste eingeführt wird. „Hier stehen uns mittlerweile neue Stents (Implantate zur Stützung der Blutgefäße) zur Verfügung, die z.T. beweglich sind und sich besonders gut in die Arterie einpassen lassen. Oder aber wir können mit Hilfe des Katheters auf die betroffenen Stellen Medikamente applizieren, die die Arterie dehnen und so die Durchblutung wieder herstellen“, erklärt Dr. Fahrig. Wichtig sei, dass die Entscheidung über die bestmögliche Therapie einer PAVK interdisziplinär gefällt werde: also unter Einbeziehung von Radiologen, Angiologen, und Gefäßchirurgen.

Gute Behandlungsaussichten für PAVK-Patienten

Wird eine PAVK frühzeitig diagnostiziert und therapiert, bestehen gute Heilungschancen. Patienten, bei denen ein minimalinvasiver Eingriff notwendig ist, freuen sich in der Regel über eine sofort eintretende Besserung der Beschwerden. „Häufig müssen wir unsere Patienten am Anfang bremsen und bitten, nicht zu viel zu laufen, sondern die Strecken langsam zu steigern“, sagt Dr. Fahrig lächelnd. „Wenn sie nach Jahren mit PAVK plötzlich zu schnell loslegen, schaffen das die untrainierten Muskeln nicht. Aber grundsätzlich ist Bewegung gut – ohne Bewegung entwickelt unser Körper Herz- und Kreislauferkrankungen, die wir ja mit unserer Behandlung gerade verhindern wollen“. Nach einem chirurgischen Eingriff werden die PAVK Patienten im Halbjahresrhythmus per Ultraschall kontrolliert, um auszuschließen, dass sich neue Engstellen in den Blutgefäßen entwickelt haben. 4,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer PAVK. Dank der schmerzfreien Untersuchungsmethoden und neuer Behandlungsverfahren hofft Dr. Fahrig, vielen von Ihnen das Schicksal von Amputationen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen ersparen zu können.

 


 

Quelle: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

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