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Sprunggelenksarthrose: So wenig wie möglich versteifen

Bei einer schweren Arthrose des Sprunggelenks werden in Deutschland jedes Jahr etwa 25.000 Versteifungen durchgeführt, aber nur 1.500 Prothesen implantiert.

Dr. Preis
©Dr. Preis

Das obere Sprunggelenk muss bei jedem Schritt das Fünffache unseres Körpergewichts aushalten. Besonders beansprucht wird es beim Hinabsteigen von Treppen, bei jeglichen Stoßbewegungen und beim Sport. Dementsprechend häufig entstehen in diesem Gelenk Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen. Eine Arthrose äußert sich durch Schmerzen beim Gehen und einer eingeschränkten Beweglichkeit. Besonders häufig sind Patienten betroffen, die unter entzündlichen Erkrankungen, wie z.B. Rheuma, oder einer Hämophilie („Bluterkrankheit“) leiden. Rund 70 Prozent entwickeln eine Arthrose. Auch vorangegangene Bandverletzungen oder Umknicktraumen begünstigen das Entstehen einer Arthrose. Dr. med. Markus Preis ist Spezialist für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie und Inhaber der HELIOS Aukamm-Klinik in Wiesbaden. Er rät Betroffenen, bei Sprunggelenksproblemen frühzeitig eine Therapie zu beginnen: „Erste Beschwerden oder auch Bandverletzungen werden häufig auf die leichte Schulter genommen. Dabei ist eine erfolgreiche Therapie unbedingt notwendig, um weitere Schäden in diesem wichtigen Gelenk zu verhindern“.

Ein Drei-Stufen-Plan zum Gelenkerhalt bei einer Sprunggelenksarthrose

Auch bei einer schweren Arthrose versucht Dr. Preis zunächst immer, das Gelenk zu erhalten. Wenn alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, gibt es verschiedene operative Verfahren, mit der die natürliche Bewegungsfähigkeit des oberen Sprunggelenks wieder hergestellt werden kann. „In einem ersten Schritt muss sicher gestellt werden, dass die Bandstrukturen des Gelenks stabil sind und dass Fehlstellungen korrigiert werden. In einem zweiten Schritt haben wir durch eine sogenannte ‚Umstellungsoperation’ die Möglichkeit, die Belastung innerhalb des Gelenks von der geschädigten Stelle auf eine gesunde Knorpelstelle zu verlagern“. Erst als letzte Option werden eine Arthrodese (Versteifung) des oberen Sprunggelenks oder eine Prothese in Betracht gezogen. Beide Eingriffe sollen ein schmerzfreies Gehen ermöglichen, jedoch mit unterschiedlichen Einschränkungen und Nebeneffekten.

Was spricht für oder gegen eine Versteifung (Arthrodese)?

Bei einer schweren Arthrose des oberen Sprunggelenks ist eine Versteifung am weitesten verbreitet. Dabei wird das Ruhigstellen des Gelenks durch implantierte Schrauben, Platten oder Drähte erreicht. Diese Methode ermöglicht den Betroffenen meist zwar Schmerzfreiheit, verhindert aber den natürlichen Abrollvorgang des Fußes, erklärt Dr. Preis: „Leider hat eine Arthrodese gravierende Nachteile: Zunächst muss der operierte Fuß bis zu drei Monate durch einen Gips ruhig gestellt und entlastet werden. Dennoch bleibt ein Ausheilen der Versteifung in bis zu 30 Prozent aller Fälle aus. Und wir wissen mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent, dass in den zehn Jahren nach einer Arthrodese schmerzhafte Verschleißerscheinungen in den Nachbargelenken auftreten, weil diese die mangelnde Beweglichkeit des versteiften Sprunggelenks ausgleichen müssen“. Eine Arthrodese empfiehlt Dr. Preis daher nur für Patienten, die lediglich Stabilität und eine gute Achse des Sprunggelenks benötigen und bei denen z.B. Körpergröße und Gewicht oder andere Belastungen gegen eine Prothese sprechen. Ansonsten versuchen er und sein Team, so wenig wie möglich zu versteifen.

Welche Möglichkeiten bietet eine OSG-Prothese?

Prothesen haben sich in anderen Gelenken des Körpers lange bewährt, wie z.B. dem Knie oder der Hüfte. Auch in Bezug auf Prothesen des oberen Sprunggelenks seien in den vergangenen 15 Jahren maßgebliche Fortschritte in Hinblick auf Technik und Design erzielt worden, betont Fußspezialist Preis: „Ich bin ich ein klarer Befürworter der Prothesen. Jeder Grad an Beweglichkeit, den wir erreichen, ist ein Gewinn für den Patienten. Wir haben eine Analyse von mehr als 600 Patienten durchgeführt, die wir mit einer OSG-Prothese versorgt haben und mehr als 85 Prozent waren zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Ergebnis“. Mit einer Prothese sind die normalen Alltagsbewegungen zu bewältigen. Zum Schonen des Gelenks sollte man aber zusätzliche Gewichte, wie z.B. das Tragen schwerer Getränkekisten, meiden. Dr. Preis hat Rückmeldungen von Patienten erhalten, die mit ihrer Prothese sogar Bergwandern und Skifahren: „Moderat geht alles, auch Sport. Beim Bergwandern würde ich empfehlen, hoch zu wandern und statt belastendem Abstieg dann lieber die Gondel zu wählen. Beim Skifahren sollten normale Pisten und eine gemäßigte Geschwindigkeit keine Probleme bereiten – von Buckelpisten oder vereisten Hängen sollte man aber lieber Abstand nehmen“. Als Nachteil der Prothesen wird ihre geringe Haltbarkeit angeführt. Revisionen werden gehäuft nach 10 bis 15 Jahren notwendig. Der Fuß entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter und Belastungen können zu einer Lockerung der Prothese führen, so Dr. Preis: „Allerdings haben wir festgestellt, dass bei 90 Prozent der Patienten die Prothese auch nach 10 Jahren noch gut sitzt und funktioniert“.

Für welche Patienten eignet sich eine OSG-Prothese?

Prinzipiell könne er jedem Patienten eine Prothese in das obere Sprunggelenk implantieren, erklärt Dr. Preis. „Allerdings muss ich betonen, dass die Prothese ja nur die Gelenkflächen ersetzt. Häufig müssen in einem weiteren Schritt die Rückfußachse, bzw. Knochen und Sehnen korrigiert werden“. Prinzipiell gilt: Auch bei Patienten, die bereits eine Prothese erhalten haben, kann in einer späteren Operation eine Versteifung durchgeführt werden. Umgekehrt sei dies deutlich schwieriger, so Dr. Preis. Generell sollten diese Eingriffe nur von erfahrenen Rückfußchirurgen durchgeführt werden. Denn für ein möglichst natürliches Gehen sei nicht nur die Prothese verantwortlich, sondern auch die Belastungsebene und die Kraftüberleitung in den Knochen müssen passen.

 

Quelle: Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO

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