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Lachen ist gesund: Das Pflegeclown-Projekt

Lachen ist ein echter Gesundbrunnen. Lachen schafft Platz für positive Gedanken und neue Energien. Es befreit aufgestaute Emotionen, setzt Glückshormone frei und ist gerade für Demenzbetroffene ein wichtiges „Ventil".

Drei Damen als Pflegeclowns verkleidet warten freudig auf Ihren Einsatz.
© AWO Bezirksverband Rheinland e.V.

Aber darf man dem Thema Demenz mit Humor begegnen? Kann man eigentlich noch lachen, wenn man als Betroffener an Demenz erkrankt ist? Eindeutig ja, sagen die Experten des AWO Bezirksverband Rheinland.

Das Pflegeclown-Projekt

Seit 2014 sind in den AWO-Seniorenzentren in Mayen, Bendorf, Koblenz, Höhr-Grenzhausen, Bad Kreuznach, Idar-Oberstein und Trier 14 ehrenamtliche Pflege-Clowns im Einsatz. Ein bis zweimal im Monat besuchen sie in Zweier-Teams die Bewohner in den Wohngruppen und am Pflegebett. Mit Handpuppen, Tüchern, Düften und Seifenblasen bringen sie Leichtigkeit und Freude in deren Alltag. Die spielerischen Begegnungen sollen gleichzeitig die Erinnerungs- und Kommunikationsfähigkeit trainieren oder auch motorische Fähigkeiten fördern.

Die Gründe, das Thema Humor in das Pflegeprogramm aufzunehmen, liegen auf der Hand: Lachen ist gesund! Lachen baut Stress ab, stärkt das Immun- und das Herzkreislaufsystem. Und nicht zuletzt hilft Lachen, im seelischen Gleichgewicht zu bleiben. Wissenschaftliche Entlastungs- und Befreiungstheorien stützen die Annahme, dass Humor sich positiv auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirkt. Schon Sigmund Freud hat das Lachen als gesunde Form gewertet, mit Problemen umzugehen.

Praxisbeispiele

Die positive Wirkung des feinfühligen Humors erleben die ehrenamtlichen Pflegeclowns im Einsatz hautnah. In ihrer Rolle als Clown sind sie exzellente Versager. Sie sind unvollkommen und tollpatschig und machen Sachen, die keiner versteht. So sind sie gerade den Demenzbetroffenen oft sehr ähnlich und das Einander-Begegnen gelingt leicht. So berichten sie, dass demente Bewohner plötzlich vergessen geglaubte Liederzeilen oder ganze Gedichtstrophen zum Besten gaben. Oder in sich gekehrte Menschen aus ihrer Introvertiertheit ausgebrochen seien und sich aktiv am Geschehen beteiligt hätten, dass manchmal sogar getanzt, gesungen oder bewegende Gespräche geführt würden.

Tulpen aus Amsterdam

Klingelinge-dong-dong – fröhlich schallt das Vibrato einer Kuhglocke durch das Koblenzer AWO Seniorenzentrum Laubach. Schon recken sich die ersten neugierigen Gesichter aus den Türen. Die Pflegeclowns sind im Einmarsch. Mit Gitarre, roter Nase, einem Koffer voller Inspiration betreten Klarabella alias Sylvia Siener und Koky alias Bärbel Rosner die Wohnküche. Fröhlichen Schrittes wippt Klarabella auf eine alte Dame zu. „Guten Tag! Ich mach total gern Quatsch, was machen Sie denn gern?" Die Dame schmunzelt zurückhaltend. „Früher habe ich sehr gerne getanzt", kommt es zögerlich. Die Pflegeclownin macht ihre Augen ganz groß und rund vor Neugierde: „Ach, das hätte ich so gerne gesehen." Schon munterer schiebt die Dame hinterher: „Walzer." „WOW", Klarabellas Blick ist aufrichtig bewundernd und wird dann plötzlich ganz schwermütig. „Aber – ach – das kann ich nicht." Fast kann man es leise klirren hören, als das Eis bricht. Lachend erklärt die Seniorin der tollpatschigen Clownin die Walzerschritte. Ehe man sich's versieht, tanzen Pflegeclowns und Bewohner beschwingt zum Vierteltakt und singen den Refrain von „Tulpen aus Amsterdam". „Hätte ich DAS geahnt, hätte ich meine Tanzschuhe mitgebracht", kichert die Dame zum Abschied.

Das spuckende Lama

Auf dem AWO-Fachtag berichtete Vera Apel-Jösch, Gründerin der Westerwälder Clown Doktoren und Ausbilderin der AWO-Pflegeclowns, von einem persönlichen Erlebnis: In einem Pflegeheim habe sie einem dementen Herren Gesellschaft geleistet und mit ihm gemeinsam eine Tiershow im Fernsehen angeschaut. Leider sei der Mann sehr verschlossen gewesen und habe kein Wort mit ihr sprechen wollen. Als auf dem Bildschirm ein Lama zu sehen war, sei die Clownin in Frau Apel-Jösch durchgekommen und sie habe gerufen: „So eins hat mir mal direkt auf die Zwölf gespuckt." Da sei das Eis gebrochen – und das auf äußerst humorvolle Art.

Solche Berichte aus der Praxis bestätigen den Kurs der AWO. Der Clown erreicht alte und pflegebedürftige Menschen mit viel Empathie und Kreativität, gibt Impulse für neues intensives Erleben. Das Leben und Arbeiten mit pflegebedürftigen Menschen wird in vielen Bereichen leichter – für Betroffene, Angehörige und Mitarbeiter. Vor allem bei demenzbetroffenen Menschen kann man Erstaunliches bewirken. „Von den positiven Effekten sind wir so überzeugt, dass wir die Zahl unserer Pflegeclowns erhöhen möchten und uns viele Nachahmer für dieses Projekt wünschen", sagt Andreas Zels, Geschäftsführer des AWO Bezirksverband Rheinland e.V. In einem überregulierten Pflegemarkt ist gerade Humor ein wichtiges Mittel, um den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen.

 

Quelle: Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Rheinland e.V.


 


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