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Impotenz - Wenn bei Männern die Sexualität gestört ist

Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie von "Männerproblemen"

Große Bedeutung haben das erfüllte Sexualleben und die zufriedene Partnerin für das männliche Selbstwertgefühl. Entscheidend dafür ist naturgemäß die Erektion. Doch oft klappt es im Bett nicht so, wie es soll. Fragen zum Thema männliche Sexualstörungen beantwortet Dr. Thomas Seydrich. Er ist leitender Oberarzt für Andrologie und Urologie im Bad Bockleter Rehabilitations- und Präventionszentrum.

Nahezu jeder Mann kennt Erektionsstörungen. Ab wann gelten diese als echte Potenzstörung, in der Fachsprache erektile Dysfunktion genannt?

Sexualstörungen zeigen sich bei Männern auf sehr vielfältige Weise. Die Bandbreite der Sexualstörungen reicht von Überaktivität bis hin zur Aversion gegen Sex. Aber auch gestörte Empfindungen, Probleme beim Höhepunkt oder ein allgemeines Schmerzempfinden beim Sex sind verbreitet. Erektionsstörungen lassen sich ebenfalls unterteilen. Etwa in die Bereiche einer zu langen Erektion, einer Penisverkrümmung oder einer eigentlichen Potenzstörung. Diese ist dann gegeben, wenn die Erektion über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten nicht ausreicht oder so lange aufrechterhalten bleibt, um befriedigenden Geschlechtsverkehr zu haben.

Wie hoch ist die Zahl der betroffenen Männer und gibt es Unterschiede bezüglich des Alters?

Mit zunehmendem Alter steigt nach der "Kölner Studie" das Risiko einer erektilen Dysfunktion. Etwa zwei Prozent der Männer zwischen 30 und 39 Jahren sind davon betroffen, während es bei den 70- bis 80-jährigen Männern 53 Prozent sind. Insgesamt betrifft das Problem der erektilen Dysfunktion 19,2 Prozent der Männer. Bei 40 bis 49-Jährigen sind es zehn Prozent, zwischen 50 und 59 Jahren 20 Prozent und zwischen 60 und 69 Jahren etwa ein Drittel.

Welche Ursachen kommen für eine Erektionsstörung in Frage?

Erektionsstörungen können sich auf organische, aber auch hormonelle und psychische Gründe zurückführen lassen. Nach der Schule von Sigmund Freud nahm man früher an, dass hauptsächlich psychische Gründe dahinter stecken. Nach heutigen Erkenntnissen sind diese Ursachen etwa zu gleichen Anteilen verantwortlich. Bei manchen Patienten spielen aber auch mehrere Ursachen eine Rolle.

Kann eine Operation der Prostata die Fähigkeit zur Erektion und zum Orgasmus beeinflussen?

Bei einer radikalen Krebsoperation wird die komplette Prostata samt Kapsel entfernt. Weil die für die Erektion verantwortlichen Nerven sehr nah an der Prostatakapsel liegen, können diese durch die Operation geschädigt werden. Eine mögliche Folge sind Erektionsstörungen. Das für die Ejakulation und den Orgasmus verantwortliche Nervenzentrum befindet sich dagegen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Mit nerven-schonenden Operationsmethoden („nerv-sparing"), diese werden üblicherweise minimal-invasiv durchgeführt, lassen sich die postoperativen Erektionsstörungen reduzieren und die Zeit verkürzen, bis die Erektionsfähigkeit komplett wiederhergestellt ist.

Wie lässt sich nach der Operation die Erektionsfähigkeit wiederherstellen und erhalten?

Nach radikalen Prostataoperationen setzen wir auf die sogenannte "penile Frührehabilitation". Dadurch, dass der Penisschwellkörper frühzeitig durchblutet wird, lässt sich durch die damit verbundene Sauerstoffzufuhr Erektions- und Potenzstörungen entgegenwirken. Wie wissenschaftlichen Daten belegen, etwa von U. Wetterauer 2012 im Rahmen eines Vortrags benannt, zeigt sich ohne eine frühzeitige Therapie innerhalb der Struktur der Schwellkörper eindeutig eine negative Veränderung.
Wir setzen dafür Medikamente ein, welche die Durchblutung fördern. Dazu gehören etwa PDE-5-Hemmer wie Viagra-Tabletten. Auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten setzen wir außerdem Spritzen direkt in den Penis, diese sind bekannt als SKAT. Zusätzlich kann der Patient lernen, mit einer Vakuum-Erektions-Penispumpe fachgerecht umzugehen.

Wie gestaltet sich die Therapie für Männer mit Sexualstörungen in Bad Bocklet?

Die ganzheitliche Diagnostik sowie Therapie steht im Rehazentrum Bad Bocklet im Vordergrund. Zunächst werden die Patienten ausführlich untersucht und beraten. Dadurch können wir die Ausgangssituation, aber auch den Wunsch des Patienten zu seiner persönlichen, sexuellen Situation dokumentieren. Dafür werden neben speziellen Fragebögen auch Ultraschall und modernste Labordiagnostik genutzt. Im persönlichen Gespräch nehmen wir dem Patienten die Angst vor der Therapie und können eventuelle Unklarheiten beseitigen. Anschließend werden die geeigneten therapeutischen Maßnahmen ergriffen. Abschließend dokumentieren wir den aktuellen Stand und sprechen eine Empfehlung aus, wie der Patient an seinem Heimatort weiter ambulant vorgehen soll.

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Behandlung von Erektionsstörungen?

Psychologische Aspekte haben einen sehr großen Einfluss. Um den Therapieerfolg zu gewährleisten, sollten die Patienten zusätzlich eine sexualmedizinische und psychologische Beratung in Anspruch nehmen.

Warum sollte auch die Partnerin miteinbezogen werden?

Sofern es möglich ist, die Partnerin miteinzubeziehen, kann das für die Darstellung der sexuellen Situation des Paares helfen. Sofern die Partnerin im Zeitraum der Behandlung anwesend sein kann, hat sie jederzeit die Möglichkeit, ihre Meinung sowie eine Stellungnahme abzugeben. Falls gewünscht, kann im Anschluss auch unsere "sexualmedizinische Sprechstunde" in Anspruch genommen werden.

Wie viel kostet die Therapie und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kostenträger übernehmen im Rahmen der Tagespflegesätze die Kosten für eine Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitationsmaßnahmen in Bad Bocklet.

Für ambulante Beratungen nach der Reha, die Diagnostik und die Begleitung der Therapie rechnen wir in der Spezialsprechstunde nach der GOÄ, der gültigen Gebührenordnung für Ärzte, ab.

Die Therapie mit Medikamenten ist inzwischen deutlich günstiger geworden, nachdem inzwischen Viagra-Nachahmerpräparate zugelassen sind. Diese sogenannten Generika kosten pro Tablette etwa zwei Euro, während die Kosten vorher etwa bei zehn Euro pro Tablette lagen.

Die Spritzen für die Spritzentherapie kosten, abhängig von Dosierung und Packungsgröße, zehn bis 20 Euro. Die beiden medikamentösen Therapien gelten für gesetzliche und privat Versicherte als reine Selbstzahlerleistungen.

Die Vakuum-Erektions-Pumpentherapie, die Kosten belaufen sich je nach Hersteller auf 400 bis 500 Euro, bezahlen abzüglich eines Eigenanteils von zehn Euro die Krankenkassen. Allerdings muss zuvor eine sogenannte fachurologische Indikationsstellung erfolgt sein.

Quelle: RatGeberZentrale
Bildquelle: djd/Parksanatorium Bad Bocklet/Uwe Grötzner/fotolia.com

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