Arzneimitteltherapiesicherheit bei Senioren

Mit zunehmenden Alter spielt die medikamentöse Therapie von Krankheiten eine steigende Rolle. Bei über 70-jährigen liegt die Wahrscheinlichkeit, mindestens 5 Krankheiten zu haben, bei 88 %. Wesentliche Krankheiten sind beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall oder chronische Schmerzen. Die über 60-jährigen stellen bisher etwa ein Drittel der Bevölkerung, ihnen werden aber zwei Drittel aller Arzneimittel verschrieben. Damit steigen auch die Anzahl der Nebenwirkungen und die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Medikamenten. Von Erwin Rüddel MdB

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Die stetig älter werdende Bevölkerung mit zunehmender Polymedikation (mehr als fünf verschiedene Medikamente) ist eine Herausforderung für die behandelnden Ärzte, da die aktuelle Medikation anhand der bekannten und neuen Diagnosen überprüft und bestehende Nebenwirkungen erfragt werden muss und mögliche Wechselwirkungen beurteilt werden müssen. Experten gehen davon aus, dass mehr als zwei Drittel der Arzneimittelnebenwirkungen, die zu einer Krankenhausaufnahme führen, Menschen betreffen, die älter als 70 Jahre sind.

Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist ein Thema, das zwar schon lange diskutiert wird, das aber immer noch nicht ausreichend umgesetzt wird. Dabei sollte es selbstverständlich sein, in der Therapie auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu achten.

Ein erster wichtiger Schritt ist deshalb der Medikationsplan. Dieser wird ab Oktober 2016 für Menschen eingeführt, die 3 oder mehr Arzneimittel anwenden. Mit dem Medikationsplan, der dem Patienten ausgehändigt wird, sieht der behandelnde Arzt, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt. So können gefährliche Wechselwirkungen vermieden werden. Erstellt wird der Medikationsplan vom Arzt, der den Versicherten über seinen Anspruch aufklären muss. Apotheker sind von Anfang an einbezogen und bei Änderungen der Medikation auf Wunsch des Versicherten zur Aktualisierung verpflichtet.

Darüber hinaus gibt es immer wieder gute Pilotprojekte, die aber leider noch nicht in der Regelversorgung angekommen sind. Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz erhielt deshalb der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sind, mithilfe eines Innovationsfonds zu fördern. Übergeordnetes Ziel des Innovationsfonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland

Um die Patientensicherheit zu verbessern, wird der Innovationsfonds sich in seinem ersten Jahr auch mit der Förderung von Projekten befassen, die eine Verbesserung der AMTS im Fokus haben. Der Innovationsfonds bietet die Chance, das Thema voran zu bringen.

Wichtig ist ein gezielter Einsatz: Nicht jeder über 65 mit mehr als drei Medikamenten muss überprüft werden. Deshalb ist ein Ansatz vielversprechend, bei dem zunächst eine Strategie entwickelt wird, um die richtigen Patienten für eine Medikationsanalyse zur Förderung der AMTS zu finden. Dabei können in Zukunft auch beispielsweise die Daten der Krankenkassen dafür sorgen, dass die Ärzte zielgerichtet jene Patienten ansprechen, für die eine besondere Überprüfung der Arzneimitteltherapie notwendig ist.

Ziel ist es, dass Patienten eine bessere, genau auf sie abgestimmte Medikation bekommen und dadurch unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden können.

Tipps, wie Sie zu einer sicheren Arzneimitteltherapie beitragen können, finden Sie unter: www.ap-amts.de


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