Anzeige


Verständnis für Demenz – Die Kunst der Kommunikation

Wir alle verlegen hin und wieder alltägliche Dinge. In der Regel erinnern wir uns und finden diese schnell wieder. Aber was, wenn nicht?

Alte Frau mit Pfelgerin
© deanm1974 | Fotolia.com

Wann ist man einfach nur schusselig und wann ist es vielleicht doch der Beginn einer Demenz? Stress, Alkohol, Medikamente, ein unzureichender Flüssigkeitshaushalt - die Gründe, warum der Kopf manchmal nicht so funktioniert wie er soll, sind vielschichtig. Gerade bei älteren Menschen stehen dann schnell Begriffe wie „Demenz" oder „Alzheimer" im Raum. Demenz macht Angst, denn das Vergessen kommt schleichend aber es kommt. Eine Diagnose gehört aber immer in ärztliche Hand, denn nur ein Arzt kann eine neurologische Diagnostik erstellen.

Formen der Demenz

Fast 70% aller Demenzbetroffenen leiden an der so genannten Alzheimer Krankheit, bei der die Nervenzellen absterben. Eine genaue Ursache ist bislang nicht bekannt. Es gibt frühe und späte Formen dieser Krankheit, die leider immer tödlich endet. 15% der Erkrankten leiden an vaskulärer Demenz. Ursachensind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Weitere 10 % aller Demenzbetroffenen leiden an der Parkinson-Krankheit oder auch Lewy-Body-Demenz genannt beziehungsweise an Frontotemporaler Demenz wie beispielsweise der Pick'schen Krankheit. Eines haben aber alle Krankheitsformen gemeinsam: Das Vergessen.

Demenz im Anfangsstadium

Die frühe Phase der Vergesslichkeit zeichnet sich oft durch eine Störung der kognitiven Denkprozesse aus. Aufmerksamkeit, Konzentration, Motivation und Interesse lassen nach. Gegenstände werden verlegt und gesucht. Das Zurechtfinden in fremder Umgebung wird immer schwieriger. Erkrankten fällt es schwer Entscheidungen zu treffen und Kontakte zum Umfeld lassen nach. Gerade jetzt beginnen Betroffene vermeintliche Fehler zu verschleiern und fallen oftmals in eine depressive Stimmung. Was nun? Zeigen Sie Verständnis für die Einschränkungen und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Nehmen Sie vor allem Beschuldigungen nicht persönlich.

Eine Patentlösung in Sachen Kommunikation gibt es nicht, denn jede Situation ist anders und jeder Demenzbetroffene reagiert anders - von Wut über sich selbst, Mutlosigkeit, Resignation bis hin zu Aggressionen gegen sein Umfeld. Ein liebevoller Umgang sind das A und O. Versprechen Sie, gemeinsam auf die Suche nach dem „gestohlenen" Portemonnaie zu gehen und vermeiden Sie Diskussionen. Schaffen Sie Orientierungshilfen, die es dem Betroffenen erleichtern, sich zurecht zu finden. Ist das Portemonnaie dann gefunden, ist der Ärger schnell verflogen.

Vollmacheten und Verfügungen

Treffen Sie schon in dieser Phase Vorsorgemaßnahmen (z.B. Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung). Denn jetzt kann der Betroffene noch gut selber entscheiden, wer in einer späteren Phase für ihn sorgen soll. Auch sollten in dieser frühen Phase erste Therapiemaßnahmen eingeleitet werden. Das kann den Abbau im Verlauf der Erkrankung verzögern.

Mittendrin in der Demenz

Alte Frau mit Demenz
© AWO Bezirksverband Rheinland e.V.

In der mittleren Krankheitsphase verliert der Mensch das „Selbst". Schon einfache Handlungsabläufe wie Zähneputzen oder ankleiden können häufig nicht mehr nachvollzogen werden. Die Bedeutung von Dingen wird nicht mehr erkannt und die Verständigung wird zunehmend schwieriger. Verstehen und auch ausdrücken fällt schwer. Die zeitliche, örtliche und persönliche Orientierung geht verloren. Um den Rest ihrer Identität nicht zu verlieren, klammern sich Betroffene oft an das noch funktionierende Altgedächtnis. Sie sind subjektiv wieder jung und erleben Situationen aus der Vergangenheit so, als wäre es die Gegenwart. Die Reaktionen auf den Verlust der Fähigkeiten sind Angst, Unruhe und mitunter auch Aggressivität, weil sich Demenzbetroffene schon in einfachsten Situationen überfordert fühlen können.

Logisches Argumentieren macht keinen Sinn. Versuchen Sie Handlungen vorzumachen oder tun Sie es gemeinsam. Zeigen Sie dem Betroffenen, dass er wichtig ist und stärken Sie seine Identität. Handlungen sollten unterstützt mit Gestik langsam erklärt werden. Versuchen Sie, gemeinsam etwas Schönes zu erleben. Wichtig ist, den Betroffenen in seiner Gedankenwelt zu akzeptieren und nicht von der Realität zu überzeugen. Das erzeugt häufig Frustration und Angst beim Gegenüber. Als Angehöriger sollte Sie jetzt Unterstützungsangebote wie Beratung, Angehörigengruppen, Tagespflege, Kuren usw. vermehrt nutzen.

Die letzte Phase der Demenz

Es droht die Pflegebedürftigkeit und oft auch die Bettlägerigkeit. Demenzerkranke können im letzten Stadium der Demenz oftmals Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren. Sie stürzen und werden bettlägerig. Schluckstörungen, Inkontinenz oder Lungenentzündungen sind die Folgen der Krankheit.

Mit den Schluckbeschwerden tritt auch häufig eine Unterernährung auf, denn das Hungergefühl der Menschen verändert sich. Es ist immer einen Versuch wert, den Erkrankten Essen anzubieten, dassie selbst zu sich nehmen können. Körperkontakte wie Streicheln, die Hand halten oder die Person in den Arm nehmen ersetzen jetzt das Gespräch, denn die Betroffenen können Gefühle noch gut wahrnehmen. Körperhaltung und Mimik werden beobachtet. Das Gefühl des „nicht allein seins" steht jetzt im Vordergrund. Seien Sie jetzt einfach nur da und begleiten Sie den Erkrankten durch die letzte Phase seines Lebens.

Jürgen Gerz, Einrichtungsleiter des AWO Seniorenzentrums Laubachin Koblenz rät betroffenen Angehörigen: „Holen Sie sich Hilfe und Unterstützung. Sprechen Sie mit anderen Betroffenen über ihre Ängste und Sorgen. Eine gute Anlaufstelle sind die Demenzberatungsstellen der gemeinnützigen Wohlfahrtsverbände. Allein die AWO Rheinland hat fünf solcher Beratungsstellen, jeweils in Idar-Oberstein, Koblenz und drei in Mainz. Hier erhalten Angehörige Antworten auf viele Fragen. Und dies persönlich, vertraulich und unentgeltlich."

 


Anzeige


Suchmodule


Anzeige