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Was Sie über Pflegegrade wissen müssen: Pflegegrad 1

Menschen, die geringfügig Hilfe im Alltag benötigen, können seit der Umstellung auf das System der Pflegegrade in den Pflegegrad 1 eingestuft werden. Somit haben auch Pflegebedürftige, die noch weitgehend selbständig sind, einen Anspruch auf die Leistungen der Pflegekasse.

©highwaystarz| Fotolia.com


1. Was bedeutet Pflegegrad 1?

2. Welche Leistungen können mit Pflegegrad 1 bezogen werden?

2.1. Betreuungs- und Entlastungsleistungen

2.2. Zuschuss für Wohnraumanpassung

2.3. Medizinische Hilfsmittel und Pflegemittel

2.4. Kostenlose Beratung und Pflegekurse für Angehörige

2.5. Förderung von Bewohnern in Wohngemeinschaften

3. Kann Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden?

4. Wie kann ein Pflegegrad beantragt werden?

5. Wie läuft das Prüfverfahren ab?

6. Wie kann Widerspruch eingelegt werden?


Viele Ältere sind körperlich und geistig noch recht beweglich, lediglich in einigen Situationen im Alltag sind sie manchmal auf Hilfe angewiesen. Geringfügig Pflegebedürftige, die ihren Alltag noch weitgehend selbständig bewältigen können, haben die Möglichkeit, Leistungen durch die Einstufung in den Pflegegrad 1 zu beziehen. Der Pflegegrad 1 ist die erste Stufe der fünf Pflegegrade, die zum Jahresbeginn 2017 eingeführt wurden. Welche Voraussetzungen bestehen für die Einstufung und welche Leistungen können Menschen in Anspruch nehmen, die in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden? Diese und weitere Informationen rund um den Pflegegrad 1 werden hier bereitgestellt.

1. Was bedeutet Pflegegrad 1?

Die grundsätzliche Voraussetzung für die Einstufung in einen Pflegegrad ist das Vorliegen der Pflegebedürftigkeit. Pflegebedürftig nach Sozialgesetzbuch SGB XI sind Menschen, die körperlich, kognitiv oder psychisch beeinträchtigt sind oder gesundheitlich bedingte Belastungen und Anforderungen nicht selbständig bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss dabei dauerhaft sein, mindestens aber 6 Monate bestehen.

In den Pflegegrad 1 wird eingestuft, bei wem der Gutachter eine „geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit" feststellt. Im Prüfverfahren NBA (Neues Begutachtungsassessment) wird die Einstufung nach einem Punktesystem anhand von sechs Aktivitätsbereichen berechnet. Hierbei liegt der Pflegegrad 1 vor, wenn der Gutachter dem Antragssteller eine Punktzahl zwischen 12,5 und 27 Punkten bestätigt.

2. Welche Leistungen könen mit Pflegegrad 1 bezogen werden?

Generell steht Personen mit Pflegegrad kein Pflegegeld für die häusliche Pflege zu, denn dieses wird erst ab Pflegegrad 2 gezahlt. Ebenso muss mindestens der Pflegegrad 2 vorliegen, um Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen zu können. Dies liegt daran, dass Personen mit Pflegegrad 1 pflegerische Leistungen von Angehörigen oder Pflegekräften i. d .R. (noch) nicht benötigen, da sie den Alltag noch weitgehend eigenständig meistern können. Trotzdem können Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 von einigen Leistungen der Pflegekasse profitieren.

2.1. Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Personen, die in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden, können Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro pro Monat in Anspruch nehmen. Mit diesem Entlastungsbeitrag der Pflegekasse können zum Beispiel die Kosten für eine Haushaltshilfe, die bei Reinigungs- oder Gartenarbeiten unterstützt, reduziert werden. Auch die Kosten für Alltagsbegleiter,  Einkaufshilfen oder die Teilnahme an einer Betreuungsgruppe können verringert werden. Die Kosten für Tages- und Nachtpflege sowie vollstationäre Pflege müssen Personen mit Pflegegrad 1 fast komplett selbst bezahlen, lediglich der Entlastungsbeitrag kann hierfür genutzt werden. Ein Anspruch auf teilstationäre Pflege besteht nicht.

TIPP DER REDAKTION:

Den Entlastungsbeitrag müssen Sie nicht jeden Monat aufbrauchen. Sie haben die Möglichkeit, die Beträge anzusparen, um zum Beispiel die Kosten für eine Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt zu reduzieren. Beachten Sie jedoch, dass die Beträge bis spätestens im darauffolgenden Halbjahr verbraucht werden müssen, sonst verfallen sie. Übrigens: Nicht verbrauchte Betreuungs- und Entlastungsleistungen aus den Jahren 2015 und 2016 können ausnahmsweise noch bis zum 31.12.2018 per Sonderregelung abgerechnet werden.

2.2. Zuschuss für Wohnraumanpassung

Für barrierefreie, altersgerechte Umbauten in Wohnung oder Haus können Personen mit Pflegegrad 1 eine Bezuschussung in Höhe von bis zu 4.000 Euro von der Pflegekasse bekommen. Zu diesen „Maßnahmen der Barrierereduzierung" zählen zum Beispiel die Anbringung eines Treppenliftes oder der Umbau einer Badewanne zu einer Dusche. Der Zuschuss wird den Pflegebedürftigen einmalig gewährt. Sollte sich der Pflegebedarf erhöhen, können weitere Maßnahmen nach Prüfung erneut bezuschusst werden.

2.3. Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Menschen mit Pflegegrad 1 erhalten eine pauschale Förderung von 40 Euro pro Monat für medizinische Hilfsmittel sowie zum Verbrauch bestimmter Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Die Voraussetzung dafür ist, dass diese Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis bzw. -katalog der zuständigen Krankenkasse aufgelistet sind. Daneben werden Zuschüsse für die Installation eines Hausnotrufes gewährt. Pflegebedürftige können dabei für die Anbringung einmalig einen Betrag von 10,49 Euro und für die Betriebskosten monatlich 18,36 Euro erhalten.

2.4. Kostenlose Beratung und Pflegekurse für Angehörige

Personen mit Pflegegrad 1 können sich kostenlos zur pflegerischen Versorgung oder zur altersgerechten Wohnraumanpassung beraten lassen. Zudem bezahlt die Pflegekasse regelmäßige Beratungsbesuche durch professionelle Pflegekräfte. Des Weiteren haben pflegende Angehörige die Möglichkeit, kostenlos Pflegekurse der Pflegekasse zu besuchen.

2.5. Förderung für Bewohner von Wohngemeinschaften

Versicherte mit mindestens Pflegegrad 1, die in Senioren-WGs oder in ambulant betreuten Wohngruppen leben, können ebenfalls die Förderung zur Wohnraumanpassung beanspruchen. Allerdings gilt dies nur für maximal vier pflegebedürftige Personen pro Haushalt. Ergänzend können höchstens vier Bewohner einen einmaligen Einrichtungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro und einen monatlichen Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 Euro bekommen.

3. Kann Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden?

Generell haben Personen mit Pflegegrad 1 keinen grundsätzlichen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn sie beispielsweise nach der Entlassung aus dem Krankenhaus noch vorübergehend auf professionelle Hilfe angewiesen sind, bevor sie nach Hause können. Lediglich der Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro pro Monat kann auf die Kosten der Kurzzeitpflege angerechnet werden. Ein Anspruch auf Verhinderungspflege, etwa wenn pflegende Angehörige im Urlaub oder krank sind, steht Personen mit Pflegegrad 1 grundsätzlich nicht zu.

HINWEIS DER REDAKTION:

Ein Tag in Kurzzeitpflege kostet durchschnittlich etwa 100 Euro. Diese hohen Kosten können problematisch für Menschen mit Pflegegrad 1 sein, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden, noch nicht „rehafähig" sind und zugleich nicht zuhause von Angehörigen gepflegt werden können. Insbesondere, wenn keine Entlastungsbeiträge angespart werden konnten, kann dies zu einer finanziellen Herausforderung werden. Ist dies bei Ihnen der Fall, können Sie im Rahmen des „Krankenhausstrukturgesetzes" die sogenannte Überleitungspflege oder auch konkret die Kurzzeitpflege beanspruchen. Während der Überleitungspflege, in der Sie zuhause versorgt werden, haben Sie Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Während der Kurzzeitpflege werden Sie hingegen vorübergehend in einer Einrichtung vollstationär gepflegt. Beide Leistungen werden analog den Regelungen der Pflegekasse bezuschusst. Sie können sich daher Kosten in Höhe von maximal 1.612 Euro pro Jahr für höchstens vier Wochen erstatten lassen. Wollen Sie diese Leistungen in Anspruch nehmen, weisen Sie ihre Krankenkasse am besten explizit darauf hin.

4. Wie kann ein Pflegegrad beantragt werden?

Grundsätzlich wird nicht der Pflegegrad 1 beantragt, sondern ein allgemeiner Antrag zur Einstufung in einen Pflegegrad gestellt („Antrag auf Pflegeleistungen"). Die bei Pflegebedürftigkeit zuständige Pflegekasse gehört zur Krankenkasse und ist ab dem Zeitpunkt für die Kosten zuständig, sobald ein Pflegegrad vorliegt. Da zum Zeitpunkt der Antragstellung noch kein Pflegegrad vorliegt, muss der Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Dieser kann entweder formlos schriftlich, telefonisch oder persönlich eingereicht werden. Dabei sollte unbedingt die Versicherungsnummer der pflegebedürftigen Person mitangegeben werden, um Verzögerungen zu vermeiden. Falls der Antrag von einer Vertretungsperson gestellt wird, ist die entsprechende Vollmacht beizulegen. Es besteht auch die Möglichkeit, den Pflegegrad über einen Sozialdienst zu beantragen, zum Beispiel, wenn sich der Pflegebedürftige im Krankenhaus oder in der Reha befindet. Der Vorteil dabei ist, dass gleich alle wichtigen Arztberichte beigelegt werden können. Anschließend führt ein Gutachter anhand verschiedener Fragen das Prüfverfahren durch, das meist in der häuslichen Umgebung des Antragstellers stattfindet.

5. Wie läuft das Prüfverfahren ab?

Nach der Antragstellung prüft ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Pflegekasse (bei gesetzlich Versicherten) oder der Firma MEDICPROOF (bei Privatversicherten), ob und in welchem Umfang ein Pflegegrad vorliegt. Dabei wird mit einem Punktesystem zwischen einem und 100 Punkten gearbeitet: je höher die Punktzahl, desto höher der Pflegegrad. Bei der Begutachtung kommen sechs Module zur Anwendung, die unterschiedliche Bereiche der Einschränkung von Selbständigkeit abdecken. Das Gutachten NBA (Neues Begutachtungsassessment) wird meist beim Antragssteller zuhause durchgeführt. Der Gutachter stellt dabei Fragen aus einem Katalog und hat dafür etwa eine Stunde Zeit. Für die hohe Anzahl der Fragen ist die Dauer der Befragung knapp bemessen, daher ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Da sich die Krankenkasse in der Regel an die Empfehlung des Gutachters hält, ist die Begutachtung entscheidend für die Einstufung. Zur Berechnung des Pflegegrades werden bei der Begutachtung Fragen aus sechs Modulen zu verschiedenen Aktivitätsbereichen herangezogen, die Auskunft über die Einschränkung im Alltag geben. An der Gesamtpunktzahl haben sie unterschiedliche Anteile. Nach dem Prüfverfahren schickt die Krankenkasse einen Bescheid mit dem Gutachten.

6. Wie kann Widerspruche eingelegt werden?

Betroffene können Widerspruch einlegen, wenn der Antrag auf Pflegeleistungen abgelehnt oder der Pflegebedürftige nach eigener Meinung zu niedrig eingestuft wurde. Der Widerspruch muss innerhalb von vier Wochen nach Ablehnung bzw. Einstufungsbescheid des Pflegegrades geschehen. Eine rasche Reaktion ist daher wichtig. Zunächst sollte das beiliegende Gutachten daraufhin überprüft werden, ob eventuell ein Sachverhalt nicht richtig erfasst wurde. Ein ambulanter Pflegedienst kann hierbei ein guter Ansprechpartner sein. Möchte der Antragssteller Widerspruch einlegen, sollte der Antrag von ihm oder einer vertretenden Person schriftlich bei der Pflegekasse eingereicht werden. Vorab ist es zudem sinnvoll, zum Zeitpunkt der ersten Begutachtung eventuell noch nicht vorliegende Arztberichte, Atteste oder Entlassungsberichte anzufordern. Somit erhöhen sich die Chancen, dass die Einstufung bei einer zweiten Begutachtung durchgesetzt werden kann. 

 

Quelle: Redaktion seniorenportal.de

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