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Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige

In Kursen der Pflegekassen können Pflegende kostenfrei Pflegewissen erwerben. Darüber hinaus werden spezielle Demenzschulungen und Online-Kurse angeboten.

Pflegekassen bieten für pflegende Angehörige kostenfreie Kurse an, um Pflegewissen zu erwerben.
©Free-Photos | Pixabay.com


1. Wer bietet Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige an?

2. Welche Vorteile haben Kurse und Schulungen der Pflegekasse?

3. Welche Themen werden in den Kursen der Pflegekasse behandelt?

3.1. Praktische Pflege

3.2. Selbstpflege

3.3. Recht und Soziales

3.4. Hygiene

4. Welche Online-Kurse können pflegende Angehörige besuchen?

5. Wer übernimmt die Kosten für Kurse und Schulungen der Pflegekasse?

6. Wo können pflegende Angehörige psychologische Beratung erhalten?


Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger benötigt nicht nur viel Zeit und Kraft, sondern auch umfangreiches Wissen über Grundpflege und den Umgang bei Krankheiten wie Demenz oder Parkinson. Da die meisten pflegenden Angehörigen keine ausgebildeten Pflegekräfte sind, aber ihren Angehörigen so gut wie möglich umsorgen möchten, können sie kostenlose Kurse und Schulungen der Pflegeversicherung besuchen. Während bei Kursen vor allem die Information über Pflege und Krankheiten im Vordergrund steht, erlernen die Teilnehmer von Schulungen auch den praktischen Umgang mit dem Pflegebedürftigen im Alltag.

1. Wer bietet Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige an?

Gesetzliche und private Pflegekassen sind nach § 45 SGB XI dazu verpflichtet, Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen anzubieten. Hierzu heißt es:

„Die Pflegekassen haben für Angehörige und sonstige an einer ehrenamtlichen Pflegetätigkeit interessierte Personen unentgeltlich Schulungskurse durchzuführen, um soziales Engagement im Bereich der Pflege zu fördern und zu stärken." Das bedeutet, dass nicht nur pflegende Angehörige, sondern auch Interessenten solche Kurse kostenfrei besuchen können. In diesem Rahmen ist es das Ziel, die das Verständnis von Pflege und Betreuung zu verbessern. Darüber hinaus sollen pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen gemindert und ihre Entstehung vorgebeugt werden.

Möchten pflegende Angehörige oder Interessierte einen solchen Kurs wahrnehmen, so können sie entweder einen öffentlichen Pflegekurs oder individuelle „Pflegeschulungen in der Häuslichkeit" nutzen. Beide Kursoptionen laufen nach § 45 SGB XI unter „Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen".

Öffentliche Kurse werden entweder von den Pflegekassen selbst oder von Volkshochschulen oder Sozialstationen angeboten. Zentral ist bei diesen Kursen nicht nur die Wissensvermittlung, sondern vor allem auch der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen. Bei häuslichen Pflegeschulungen können Pflegende eine individuelle Schulung, zum Beispiel im Umgang mit medizinischen Hilfsmitteln, direkt in der gewohnten Umgebung zuhause erhalten.

2. Welche Vorteile haben Kurse und Schulungen der Pflegekasse?

Für pflegende Angehörige bringen die freiwilligen Schulungen der Pflegekasse einige Vorteile mit sich. Die Kosten für Pflegekurse und -schulungen sie nicht selbst tragen, sondern werden von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen übernommen. Pflegeexperten der Pflegeversicherung helfen dabei, Wissen zu erlernen und umzusetzen. Die Betreuung und Versorgung von Angehörigen kann somit gezielt und individuell verbessert werden. Neben der Vermittlung von Pflegewissen und der praktischen Umsetzung stehen auch Formalitäten und Grundlagen der Pflegeversicherung, wie beispielsweise die Leistungen der einzelnen Pflegegrade, auf dem Programm. Weiterhin informieren die Mitarbeiter der Pflegeversicherung über Hilfsmittel, die im Pflegealltag zumve Einsatz kommen können. Zudem können pflegende Angehörige über eine Auszeit vom Pflegealltag beraten werden, zum Beispiel in Form von Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege. Nicht zuletzt wegen des Austausches mit anderen Pflegenden kann sich ein Besuch eines Kurses oder einer Schulung lohnen.

TIPP DER REDAKTION:

Möchten Sie einen Pflegekurs oder eine -schulung besuchen, informiert Sie Ihre eigene oder die zuständige Pflegekasse Ihres pflegebedürftigen Angehörigen über die nächsten Termine in Ihrer Nähe. Meist werden diese regelmäßig in Volkshochschulen oder in Einrichtungen von Sozialstationen angeboten. Möchten Sie eine individuelle Schulung im Zuhause des Pflegebedürftigen in Anspruch nehmen, vermittelt Ihnen die Pflegekasse eine anerkannte Einrichtung, die Ihnen eine Schulungskraft zur Verfügung stellt.

3. Welche Themen werden in den Kursen behandelt?

In Kursen der Grundpflege werden von den Mitarbeitern der Pflegekasse bzw. der kooperierenden Einrichtung stets die Themen Praktische Pflege, Selbstpflege, Recht und Soziales sowie Hygiene behandelt. Darüber hinaus werden spezielle Demenz-, Parkinson-oder Schlaganfall-Kurse angeboten, die den Verlauf der jeweiligen Erkrankung und Therapiemöglichkeiten in den Mittelpunkt stellen.

3.1. Praktische Pflege

Unter praktische Pflege fallen die Bereiche Ernährung im Alter, Mobilisation und Beweglichkeitsförderung des Pflegebedürftigen, Hinweise zum richtigen Heben und Tragen des Pflegebedürftigen oder Anleitungen zu Pflegehandgriffen, wie zum Beispiel dem Waschen im Bett. Ergänzend dazu wird auch im Umgang mit Medikamenten, Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln geschult. Daneben sind auch Möglichkeiten der Alltagsgestaltung Bestandteil dieses Kursbereiches.

3.2. Selbstpflege

Die Pflege von Angehörigen ist für Pflegende oft eine enorme psychische und körperliche Belastung. Bei der Selbstpflege bekommen pflegende Angehörige Möglichkeiten der eigenen (seelischen) Entlastung aufgezeigt. Im Vordergrund stehen dabei Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, die Pflegende nutzen können, wenn sie sich erholen oder verreisen möchten oder wenn sie selbst einen Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt benötigen. Hierbei können Pflegende auch beratende Hilfe erhalten, die auf ihre persönliche Situation zugeschnitten ist. Weiterhin gehen die Schulungskräfte im Zusammenhang mit der praktischen Pflege auch auf rücken- und gelenkschonendes Heben und Tragen des Pflegebedürftigen ein.

3.3. Recht und Soziales

Im Bereich Recht & Soziales erhalten pflegende Angehörige Informationen über die Grundlagen der Pflegeversicherung. Unter anderem wird erklärt, wie der Antrag auf Pflegeleistungen gestellt wird, welche Leistungen je nach Pflegegrad bezogen und welche weiteren finanziellen Hilfen in Anspruch genommen werden können (z. B. Leistungen der Krankenkasse oder des Sozialamts).

3.4. Hygiene

Unter dem Aspekt der Hygiene steht die geeignete Körper- und Intimpflege des pflegebedürftigen Angehörigen auf dem Programm. Dabei wird auch aufgezeigt, welche Hygienemaßnahmen der Häuslichkeit beachtet werden sollten, um den Pflegebedürftigen bestmöglich zu versorgen.

4. Welche Online-Kurse können pflegende Angehörige besuchen?

Wenn der nächste Anbieter eines Pflegekurses zu weit entfernt ist oder Angehörige aufgrund von Krankheit oder anderen Gründen keinen Kurs vor Ort wahrnehmen können, besteht die Möglichkeit, einen Online-Pflegekurs eines privaten Anbieters oder einer Gesellschaft zu besuchen. Diese häufig in Zusammenarbeit mit Hochschulen entwickelten Kurse werden von anschaulichen Videos, Bildern und Grafiken unterstützt und vermitteln dieselben Inhalte wie ein Präsenzkurs. Solche Online-Kurse eignen sich auch, um im Präsenzkurs erworbenes Wissen zu vertiefen und zu ergänzen. Pflegende Angehörige benötigen in der Regel lediglich einen Computer oder ein Tablet sowie Internetanschluss, um die Kursinhalte durchzugehen.

Angehörige vom Demenzkranken können darüber hinaus spezielle E-Learning-Angebote wahrnehmen. Bei diesen Kursen stehen der Verlauf der Demenzerkrankung, Therapiemöglichkeiten, Kommunikation und den Umgang mit herausforderndem Verhalten, mögliche Hilfsangebote und deren Finanzierung und Strategien zur Selbstsorge im Vordergrund.

5. Wer übernimmt die Kosten für Pflegekurse und -schulungen?

Die Kurse und Schulungen der Pflegekassen sind für pflegende Angehörige und Interessierte grundsätzlich kostenfrei, da die Versicherungen rechtlich dazu verpflichtet sind, kostenlose Kurse anzubieten. Manchmal kann es jedoch sein, dass Teilnehmer beim zuständigen Anbieter in Vorkasse gehen müssen. Die Kosten können dann anschließend mit der zuständigen Pflegekasse abgerechnet werden.

Online-Kurse von privaten Anbietern und Gesellschaften sind in der Regel ebenfalls kostenlos. Als Kooperationspartner der Pflegekassen stellen solche E-Learning-Angebote ein ortsunabhängiges Pendant der Präsenzkurse dar.

6. Wo können pflegende Angehörige psychologische Beratung erhalten?

Die Pflege eines Angehörigen ist für die meisten Pflegenden eine starke seelische Belastung. In den letzten Jahren wurden deshalb spezielle Online-Foren für pflegende Angehörige eingerichtet, in denen Pflegende anonym Hilfe suchen und sich beraten lassen können. Ausgebildete Psychologinnen und Psychologen stehen Pflegenden meist für einen gewissen Zeitraum beratend und unterstützend entweder per Mail oder via Video-Chat zur Verfügung. Im Vordergrund der psychologischen Beratung für pflegende Angehörige stehen Selbstpflege und der Umgang mit belastenden Situationen im Pflegealltag.


 

Quelle: Redaktion seniorenportal.de

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