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Konzepte und Therapien für Demenzkranke in der stationären Pflege

Demenzkranke haben spezielle Bedürfnisse, auf die Pflegeeinrichtungen mit unterschiedlichen Konzepten und Ansätzen reagieren. Neben verschiedenen Versorgungsvarianten werden diverse Therapiemöglichkeiten angeboten, mit denen noch vorhandene Fähigkeiten gefördert werden können. Im Mittelpunkt steht die liebevolle Integration von dementiell Erkrankten in die Gemeinschaft, die idealerweise von Toleranz und Wertschätzung geprägt ist.

Demenzkranke haben spezielle Bedürfnisse, auf die Pflegeeinrichtungen mit unterschiedlichen Konzepten und Ansätzen reagieren.
©tillburmann | Pixabay.com


1. Demenz: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Umzug ins Pflegeheim?

2. Wie läuft die Pflege Demenzkranker in stationären Einrichtungen ab?

2.1. Personenzentriertes Pflegeverständnis

2.2. Bezugspflege und Aufbau von Beziehungen

2.3. Zusammenarbeit mit Angehörigen

3. Welche Versorgungsvarianten für Demente gibt es in der stationären Pflege?

4. Welche Therapieformen können in Pflegeheimen angeboten werden?

4.1. Biografieorientiertes Arbeiten

4.2. Realitätsorientierungstraining (ROT)

4.3. Anregung der Sinne und Musiktherapie

5. Wie finde ich heraus, ob ein Pflegeheim für Demenzkranke geeignet ist?

6. Wie kann die stationäre Versorgung von Demenzkranken finanziert werden?


1. Demenz: Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Umzug ins Pflegeheim?

Den richtigen Zeitpunkt für einen Umzug ins Pflegeheim zu finden, ist für viele Angehörige eine schwierige Entscheidung. Häufig sprechen Demenzerkrankte nicht über einen eventuell anstehenden Pflegeheimaufenthalt, da sie sich selbst als kompetent und gesund empfinden. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, lehnt der Betroffene oft jede Veränderung seiner Lebenssituation ab. Er kann dann nicht mehr reflektieren, welche Auswirkungen seine Entscheidungen und sein Handeln haben. Spätestens jetzt liegt die Verantwortung bei den Angehörigen, die oft die eigene Überforderung mit der häuslichen Pflege in Kauf nehmen, um dem Erkrankten den Umzug ins Pflegeheim zu ersparen. Ob ein Umzug sinnvoll oder notwendig wird, ist tatsächlich oft schwer einzuschätzen. Neben der Überforderung von Angehörigen tritt der Umstand hinzu, dass Stimmung und noch bestehende Fähigkeiten des Betroffenen bei einem Umzug einbrechen können. Umso wichtiger ist es, die gewohnte Alltagsstruktur so lange wie möglich beizubehalten. Der Umzug in eine stationäre Einrichtung kann jedoch auch eine Chance sein, vorhandene Fähigkeiten aufrecht zu erhalten, Kontakte und Beziehungen aufzubauen und sich in der Heimgruppe zu integrieren. Bei einer Entscheidung zum Umzug sollte daher die Frage im Vordergrund stehen, inwieweit der Betroffene solche Chancen noch für sich selbst nutzen kann.

2. Wie läuft die Pflege Demenzkranker in stationären Einrichtungen ab?

Bei der Pflege von dementiell erkrankten Menschen werden verschiedene Konzepte verfolgt, um eine bestmögliche Betreuung unter Berücksichtigung von krankheitstypischen Verhaltensweisen zu gewährleisten.

2.1. Personenzentriertes Pflegeverständnis

Beim personenzentrierten Ansatz tritt die Unterscheidung zwischen gesund und krank (dement) in den Hintergrund. Als Gegenkonzept zum inzwischen in Frage gestellten bio-medizinischen Ansatz, bei dem die Demenz als „unnormale" fortschreitende Hirnerkrankung betrachtet wird, werden Demenzkranke beim personenzentrierten Pflegeverständnis als „normale" Personen in den Pflegealltag einbezogen. Im Zentrum steht der Gedanke, dass jede Person in ihrer eigenen Welt lebt. Die Welt eines Demenzkranken ist demnach nicht weniger wert als die von anderen Personen. Diese Sichtweise entspricht dem heute gewünschten pflegerischen Selbstverständnis. Die Pflege Demenzbetroffener erfordert daher vor allem Empathie, geduldige Kommunikation, Wertschätzung und Bestätigung.

2.2. Bezugspflege und Aufbau von Beziehungen

Unter der Bezugspflege als Teil des Pflegeprozesses werden Aufbau und Gestaltung von verlässlichen Beziehungen verstanden. Dazu gehört, dass jede demenziell erkrankte Person über den gesamten Zeitraum des Pflegeverhältnisses eine Pflegefachkraft als festen Ansprechpartner hat. Diese steuert den Pflegeprozess und -bedarf, plant und führt pflegerische Maßnahmen durch und ist Bindeglied zwischen dem Demenzerkrankten und seinen Angehörigen. Meist ist sie zudem bei ärztlichen Besuchen und Fallbesprechungen miteingebunden.

TIPP DER REDAKTION:

Immer mehr Pflegeeinrichtungen setzen mittlerweile auf die Bezugspflege. Bei der Wahl der Einrichtung sollten Sie als Angehörige darauf achten, dass das Konzept der Bezugspflege im Heimvertrag garantiert wird. Idealerweise wird hier auch die Bezugspflegekraft namentlich erwähnt. Eine gute Umsetzung erkennen Sie unter anderem daran, dass auch andere Mitarbeiter bei Fragen auf die zuständige Bezugspflegekraft verweisen.

2.3. Zusammenarbeit mit Angehörigen

Angehörigenarbeit wird ein immer wichtigerer Baustein der Pflege demenziell erkrankter Menschen. Leider ist diese in viele Pflegeeinrichtungen noch unzureichend und beschränkt sich auf einzelne Sprechstunden oder Angehörigen-Abende. Um das oft angespannte Verhältnis zwischen Pflegekräften und Angehörigen zu lockern, ist der Einbezug Angehöriger jedoch von hoher Bedeutung. Zum Beispiel erfordert die Biografiearbeit als Therapieform meist das Wissen der Angehörigen, wenn der Betroffene nicht mehr selbst berichten kann. Angehörige wiederum müssen darauf vertrauen können, dass der Erkrankte fachlich und menschlich gut versorgt wird. Gute Pflegeeinrichtungen setzen auf das Konzept der Transparenz und gemeinsamen Sorge. Das bedeutet, dass die Angehörigen einerseits in die Dokumentation der Erkrankung und bei Änderungen des Pflegebedarfs umfassend informiert und miteinbezogen werden. Anderseits wird hierbei die Kooperation zwischen Pflegekräften und Angehörigen in den Mittelpunkt gestellt. Hierbei wird gemeinsam darüber entschieden, wer welche Aufgaben übernimmt. Wichtig: Entscheidungen der Angehörigen müssen aus eigenem Antrieb erfolgen. Es geht nicht darum, Pflegekräfte zu entlasten, sondern die Verantwortung über den Demenzerkrankten gemeinsam zu tragen.

3. Welche Wohnformen für Demente gibt es in der stationären Pflege?

Im stationären Bereich bestehen zwei unterschiedliche Modelle für dementiell erkrankte Personen. Beim integrativen Modell wohnen Betroffene gemeinsam mit anderen Menschen zusammen, die nicht an Demenz erkrankt sind. Beim segregativen Modell hingegen wohnen ausschließlich an Demenz erkrankte Personen miteinander. Hierbei stehen die Strukturierung des Alltags, die Integration in häusliche Tätigkeiten und eine strukturgebende Freizeitbeschäftigung im Mittelpunkt, vor allem dann, wenn die Erkrankten körperlich noch weitgehend unabhängig sind. Je nach Schweregrad und/oder Verhaltensstörung wird eventuell weiter differenziert.

Im Bereich des segregativen Versorgungsmodells werden folgende Wohnformen unterschieden:
Bei der Hausgemeinschaft bilden etwa sechs bis acht Bewohner eine kleine soziale Einheit. Dabei ist die Hausgemeinschaft dezentral organisiert. In der Wohngruppe als Erweiterung der Hausgemeinschaft leben bis zu zwölf Personen zusammen. Die meisten Pflegeeinrichtungen verfügen jedoch über einen speziellen Pflegebereich für an Demenz erkrankte Menschen, sogenannte Demenzstationen. Hierbei bilden bis zu 20 Bewohner eine größere soziale Einheit. Diese Wohnform ist eher zentral organisiert und kann in offener oder geschlossener Form angeboten werden. Eine Unterbringung in einer geschlossenen Demenzstation ist vor allem dann notwendig, wenn eine demenztypische akute Gefahr des Weglaufens besteht. Manche Pflegeheime haben für Bewohner mit fortgeschrittener Demenzerkrankung sogenannte Pflegeoasen eingerichtet. Hier werden drei bis acht Personen in einem Raum betreut. Dieses Angebot eignet sich für Menschen, die einsam und ängstlich sind und nach Geborgenheit und Zuwendung suchen.

4. Welche Therapieformen können in Pflegeheimen angeboten werden?

Mit biografieorientiertem Arbeiten, dem sogenannten Realitätsorientierungstraining und Aktivierungsübungen, die die Sinne anregen, können noch vorhandene Fähigkeiten von Demenzkranken angeregt und stabilisiert werden.

4.1. Biografieorientiertes Arbeiten

Für Demenzpatienten ist das Wissen über ihren eigenen biografischen Hintergrund enorm wichtig. Biografieorientierte Arbeit kann gesprächs- oder aktivitätsorientiert sein und in Form von Einzel- und Gruppengesprächen oder vertrauten Alltagshandlungen stattfinden. Bedeutende private Gegenstände können dabei als Auslöser (Trigger) eingesetzt werden und eine Brücke in die Vergangenheit schlagen. Besonders hierbei ist auch die Zusammenarbeit mit Angehörigen von Bedeutung, da sich diese zur Biografie des Angehörigen äußern können, wenn dieser nicht mehr selbst Informationen beisteuern kann. Biografiearbeit aktiviert nicht nur das Langzeitgedächtnis der Betroffenen, sondern hilft auch dabei, Lebensäußerungen von Menschen mit Demenz besser zu verstehen.

4.2. Realitätsorientierungstraining (ROT)

Das sogenannte Realitätsorientierungstraining (ROT) wird eingesetzt, um die Orientierung und Sicherheit von Demenzkranken zu erhöhen, da diese mit dem Fortschreiten ihrer Erkrankung häufig den Bezug zur äußeren Realität verlieren. In der Praxis wird das Training tagesbegleitend eingesetzt. Dabei verweisen die Pflegekräfte immer wieder auf Tageszeit, Datum und Jahreszeit sowie Feste und Feiertage, um die zeitliche Orientierung der Betroffenen zu stabilisieren. Im Anfangsstadium der Erkrankung kann das Training in Gespräche miteingebunden werden, später werden Karten und Bilder passend zur Jahreszeit eingesetzt. So können Pflegekräfte auch Fotos von Angehörigen zu Hilfe nehmen, um Besuch anzukündigen („Heute ist Donnerstag. Um 16 Uhr kommt Ihre Tochter Petra zu Besuch"). Die Stabilisierung der zeitlichen und räumlichen Orientierung kann durch die Kennzeichnung von Räumen oder Gegenständen erfolgen, zum Beispiel durch große, einfache Kalender, Bildern auf Türen und Schränken und einer gut lesbaren Uhr mit großem Zifferblatt.

4.3. Anregung der Sinne

Auch die Sinne von demenziell erkrankten Menschen können mit speziellen Aktivierungsübungen gezielt angeregt werden. Hierbei werden vor allem die sogenannte basale Stimulation und das „Snoezelen", aber auch Musiktherapie eingesetzt.

Mit der basalen Stimulation sollen Menschen mit Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Kommunikationsstörungen gefördert werden. Die Anregung der fünf Sinne kann dabei in pflegerische Maßnahmen integriert werden, zum Beispiel durch Massagen, Bewegungstherapie, einem Rhythmus im Tagesablauf, Erzählungen oder farbige Lichtquellen im Zimmer der Bewohner. Das so bezeichnete „Snoezelen" (sprich snuseln) ist ein weiteres Aktivierungskonzept, bei dem vor allem Lichtimpulse, Musik, Gerüche und Berührungen zum Einsatz kommen. Dabei stehen in erster Linie Entspannung und Wohlbefinden im Vordergrund. In der Praxis werden bereits in vielen Pflegeeinrichtungen mobile Snoezelen-Wägen eingesetzt, die die Pflegekräfte in die Zimmer der Bewohner bringen können. Inzwischen werden auch Erkenntnisse der Musiktherapie in das Pflegekonzept miteingebracht, zum Beispiel in Form von gemeinsamem Singen oder Musizieren mit einfachen Instrumenten wie Klangstäben oder Trommeln.

5. Wie finde ich heraus, ob ein Pflegeheim für Demenzkranke geeignet ist?

Ob eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke geeignet ist, lässt sich anhand von einigen Kriterien feststellen:

  • Wie ist der Umgang mit Demenzkranken in der Einrichtung? Werden sie häufig zurechtgewiesen oder wird ihnen Beachtung, Wertschätzung und Akzeptanz in ihrem veränderten Verhalten entgegengebracht? Werden sie geduldig und liebevoll in die Gemeinschaft integriert?
  • Wird Toleranz in Bezug auf krankheitstypisches Verhalten gezeigt (zum Beispiel Umräumen und Verrücken von Möbeln und Gegenständen)? Sind die Pflegekräfte bemüht, die Selbständigkeit der Bewohner zu erhalten und zu fördern?
  • Verfügt die Einrichtung über eine eigene Demenzstation, in der auch Mitbewohner tolerant mit demenztypischem Verhalten umgehen?
  • Können die Bewohner ihre eigenen Möbel in die Einrichtung mitbringen, damit sie sich schneller mit der neuen Umgebung vertraut machen können?
  • Wirkt das Pflegeheim in seiner Einrichtung aktivierend und familiär? Sind zum Beispiel die Wände und Böden zur besseren Orientierung farblich gekennzeichnet oder stehen aktivierende Gegenstände wie Bücher, Zeitschriften, Puppen, Bilder oder auch Gebrauchsgegenstände zur Verfügung, mit denen sich die Bewohner beschäftigen können?

HINWEIS DER REDAKTION:

Machen Sie sich am besten direkt vor Ort ein Bild über die Einrichtung und den Umgang der Pflegekräfte mit den Bewohnern und suchen Sie auch das Gespräch mit der Heimleitung. Lassen Sie sich dabei umfassend über das Demenzkonzept der Einrichtung informieren. Fragen Sie zum Beispiel auch, ob einige Mitarbeiter speziell gerontopsychiatrisch geschult sind, welche Ärzte mit der Einrichtung zusammenarbeiten und wie mit Angehörigen kommuniziert wird.

6. Wie kann die stationäre Versorgung von Demenzkranken finanziert werden?

Je nach Einstufung zahlt die Pflegeversicherung Personen mit anerkanntem Pflegegrad einen monatlichen Zuschuss zur vollstationären Pflege in Höhe von 770 Euro (Pflegegrad 2), 1.262 Euro (Pflegegrad 3) oder 1.775 Euro (Pflegegrad 4 und 5). Dieser Betrag versteht sich als Zuschuss zu den Betreuungs- und Pflegekosten. Daneben ergibt sich ein Eigenanteil, der Unterkunfts- und Verpflegungskosten abdecken soll und durchschnittlich zwischen 1.500 und 1.800 Euro pro Monat beträgt. Zur Finanzierung des Eigenanteils wird zunächst das Einkommen (vor allem Rente, aber auch Mieteinnahmen) und Vermögen (auch Immobilien) des Bewohners herangezogen. Reicht dieses nicht aus, müssen unterhaltspflichtige Personen (vorrangig Ehegatten, nachrangig Kinder) einen Teil der Kosten übernehmen. Den genauen Betrag, für den Kinder von Bewohnern aufkommen müssen, berechnet das Sozialamt nach Prüfung von Pflegebedarf sowie Einkommens- und Vermögensverhältnissen des Bewohners und seiner Kinder (Elternunterhalt). Erst wenn auch diese Kostenübernahme nicht zur Deckung des Eigenanteils ausreicht oder wenn Kinder aus verschiedenen Gründen keine Kosten übernehmen können, besteht Anspruch auf Sozialhilfe. Dabei kommen zum einen die „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung" und zum anderen die „Hilfe zur Pflege" in Frage.


 

Quelle: Redaktion seniorenportal.de

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