„Pflegende Angehörige dürfen nicht zu Opfern werden!" – Interview mit Brigitte Bührlen

Für die laufende Legislaturperiode hat die Bundesregierung mehr Unterstützung nicht nur für Pflegebedürftige, sondern auch für deren Angehörige versprochen. Doch greifen das seit Januar 2015 gültige Pflegestärkungsgesetz I und das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf schon weit genug? Darüber sprach das PflegeBox Magazin mit Brigitte Bührlen von der „WIR! Stiftung pflegender Angehöriger".

Frau Bührlen, liest man bei Politikern zwischen den Zeilen, entsteht oft der Eindruck, dass Angehörige eher als „Notnagel" für den Fachkräftemangel herhalten sollen – oder ist das eine Fehl-Interpretation?

Brigitte Bührlen
©WIR! Stiftung

Ja und nein. Politiker denken nicht selten vor allem ökonomisch. Einerseits werden Angehörige als diejenigen gesehen, die weitgehend ehrenamtlich alle die Arbeiten ausführen, die von professionellen Pflegekräften aus verschiedenen personellen und finanziellen, aber auch aus formalen Gründen nicht geleistet werden können. Andererseits ist es nur natürlich, dass wir uns als Angehörige um unsere Nächsten kümmern und professionelle Pflege nur ergänzend in Anspruch nehmen. Wir kümmern uns ja in der Regel gerne umeinander und setzen uns gerne füreinander ein.

Was muss für pflegende Angehörige verbessert werden?

Pflegende Angehörige müssen selbst für sich sprechen können. Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse müssen bei allen inhaltlichen und politischen Entscheidungen mit einbezogen werden. Pflegende Angehörige dürfen nicht weiterhin automatisch Ressource von Politik- und Sozialsystemen sein. Sie dürfen wirtschaftlich nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wer Angehörige über Jahre gepflegt hat, darf selbst kein Opfer von Altersarmut werden. Beruf und Pflege muss gendergerecht vereinbart werden können.

Ihre Stiftung hat zuletzt das Buch „Wie wollen wir pflegen und gepflegt werden?" herausgegeben. Wie lautet die Quintessenz zu beiden Punkten?

Das deutsche Pflegesystem ist so komplex und undurchschaubar, dass Menschen, die mit einer Pflegesituation konfrontiert werden, oft hilflos und ohnmächtig vor dieser Herausforderung stehen. Es sind strukturelle, prozessuale und finanzielle Veränderungen bzw. Verbesserungen notwendig, um eine unseren Vorstellungen und Erwartungen entsprechende gute Pflege leisten und erhalten zu können. Im Mittelpunkt der Pflege müssen wieder wir Menschen stehen, es geht um uns!

Woran es bei den Gesetzen hapert, wie pflegende Angehörige sich selbst helfen können – lesen Sie das komplette Interview, das Carolina Heske für das PflegeBox Magazin führte, hier.


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