Demenz:
Emotionale Belastung für Angehörige & Selbstfürsorge
Wenn ein geliebter Mensch an Demenz erkrankt, stehen Angehörige oft vor einer überwältigenden Aufgabe. Die Pflege und Unterstützung eines demenzkranken Menschen erfordert nicht nur körperliche Anstrengung, sondern auch große emotionale Stärke. Zu sehen, wie sich die Persönlichkeit eines nahestehenden Menschen verändert und dessen Fähigkeiten nachlassen, ist für viele schwer zu verkraften.

Warum Selbstfürsorge so wichtig ist
Die Pflege eines Menschen mit Demenz ist oft ein Vollzeitjob, der kaum Raum für Erholung lässt. Doch wer sich selbst vernachlässigt, riskiert, langfristig auszubrennen. Selbstfürsorge bedeutet, bewusst Freiräume zu schaffen und diese Zeit für die eigene körperliche und geistige Gesundheit zu nutzen. Nur wer selbst Kraft tankt, kann auch für andere stark bleiben.
Selbstfürsorge umfasst dabei verschiedene Ebenen: ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und soziale Kontakte. Ebenso wichtig sind mentale Auszeiten und die Fähigkeit, den Stress des Pflegealltags für kurze Momente loszulassen.
Freiräume schaffen: warum Hilfe annehmen so wichtig ist
Viele Angehörige scheuen sich, Hilfe von außen anzunehmen. Doch Unterstützung zuzulassen, ist kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern eine kluge Strategie, um die eigene Gesundheit zu bewahren. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Freunde, Familie oder professionelle Hilfsangebote entlasten können. Auch kleine Unterstützungen, wie das Erledigen von Einkäufen oder die Übernahme von Gartenarbeiten, können eine große Erleichterung sein.
Konkrete Tipps zur Entlastung durch Hilfe
- Bitten Sie Freunde oder Nachbarn, kleinere Aufgaben wie Einkäufe, Besorgungen oder Gartenarbeiten zu übernehmen.
- Sprechen Sie gezielt Menschen in Ihrem Umfeld an und formulieren Sie konkrete Wünsche, wie z. B.: „Könntest du mir hin und wieder Obst und Gemüse vom Markt mitbringen?“
- Nutzen Sie professionelle Angebote wie ambulante Pflegedienste, Tagespflege oder Kurzzeitpflege, um regelmäßig Zeit für sich selbst zu gewinnen.
- Planen Sie diese Freiräume fest in Ihren Alltag ein und nutzen Sie sie, um sich bewusst zu entspannen oder etwas zu tun, das Ihnen Freude bereitet.
Hinweis der Redaktion
Andere Menschen helfen oft gerne, wissen aber nicht, wie. Eine klare, konkrete Bitte erleichtert es Ihrem Umfeld, aktiv zu werden.
Achtsamkeit als Schlüssel zur inneren Ruhe
Achtsamkeit kann ein wertvolles Werkzeug sein, um im stressigen Pflegealltag Momente der Ruhe und Zentrierung zu finden. Es geht darum, im Hier und Jetzt präsent zu sein, ohne sich von den vielen Anforderungen überwältigen zu lassen. Schon kleine Übungen können helfen, Stress abzubauen und neue Energie zu tanken.
Drei Achtsamkeitsübungen für den Pflegealltag
Übung 1: Achtsames Atmen
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um bewusst Ihren Atem zu beobachten. Spüren Sie, wie die Luft in Ihren Körper einströmt und ihn wieder verlässt. Konzentrieren Sie sich auf das Ein- und Ausatmen, um innerlich zur Ruhe zu kommen.
Übung 2: Body Scan
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Körperteile, vom Kopf bis zu den Füßen. Nehmen Sie wahr, wie sich jede Körperregion anfühlt, ohne etwas verändern zu wollen. Diese Übung kann Verspannungen lösen und ein besseres Körperbewusstsein fördern.
Übung 3: Bewusstes Gehen
Nutzen Sie alltägliche Wege, um achtsam zu sein. Gehen Sie bewusst, spüren Sie jeden Schritt und nehmen Sie die Umgebung wahr – den Boden unter Ihren Füßen, die Geräusche der Natur oder die Wärme der Sonne.
Tipp der Redaktion
Achtsamkeitsübungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren, auch während scheinbar banaler Tätigkeiten wie dem Abwaschen oder Kochen.
Die STOP-Methode – in 3 Minuten zur Ruhe kommen
Die STOP-Methode ist eine einfache Übung, um in stressigen Situationen kurz innezuhalten und aus dem „Autopiloten“ auszusteigen. Sie hilft, sich wieder zu zentrieren und bewusster mit herausfordernden Momenten umzugehen. Sie dauert nur wenige Minuten und Sie können sie mehrmals täglich anwenden, um Stress abzubauen und den Fokus zurückzugewinnen.
So funktioniert die STOP-Methode
S – Stop: Unterbrechen Sie kurz, was Sie gerade tun, und halten Sie inne.
T – Take a breath (dt.: tief durchatmen): Atmen Sie tief ein und aus. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Empfindungen, die der Atem in Ihrem Körper auslöst.
O – Observe (dt.: beobachten): Beobachten Sie, was in Ihnen vorgeht. Welche Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen sind da? Benennen Sie sie, ohne sie zu bewerten.
P – Proceed (dt.: weitermachen): Entscheiden Sie, wie Sie weitermachen möchten – ruhig und mit Klarheit.
Kleine Rituale für den Alltag – Energie tanken im Kleinen
Selbst kleine Momente der Entspannung können im Pflegealltag Wunder wirken. Es ist wichtig, diese bewusst zu schaffen und zu genießen, um die eigenen Energiereserven wieder aufzufüllen.
Ideen für kleine Auszeiten
- Gönnen Sie sich ein Entspannungsbad oder eine Massage mit duftenden Ölen.
- Lauschen Sie Ihrer Lieblingsmusik, während Sie eine Tasse Tee genießen.
- Pflegen Sie private Kontakte, z. B. durch ein kurzes Telefonat mit Freunden oder einem Spaziergang mit der Familie.
- Planen Sie feste Termine für freie Abende oder kleine Unternehmungen, die nichts mit der Pflege zu tun haben.
Übrigens: Schon 15 bis 30 Minuten bewusste Auszeit am Tag können helfen, Stresshormone abzubauen und sich innerlich zu stärken.
Selbstfürsorge als Basis für eine nachhaltige Pflege
Die Pflege von demenzkranken Angehörigen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Kraft erfordert. Ohne bewusste Selbstfürsorge können Angehörige an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Doch wer lernt, achtsam mit sich selbst umzugehen, regelmäßige Pausen einzulegen und Hilfe anzunehmen, stärkt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern schafft auch die Basis für eine nachhaltige und liebevolle Pflege.
Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine Notwendigkeit, um langfristig für andere da sein zu können. Achtsamkeitsübungen, kleine Rituale und das Vertrauen in Unterstützungsangebote sind wertvolle Werkzeuge, um den Alltag zu meistern und wieder neue Energie zu gewinnen.
Mit Mitgefühl statt Mitleid und einer bewussten Haltung lässt sich auch in schwierigen Phasen Balance finden. So gelingt es, die Beziehung zu den erkrankten Angehörigen positiv zu gestalten und trotz der Herausforderungen wertvolle Momente miteinander zu teilen.


