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Unternehmensnachfolge – Was geschieht mit meiner Firma?

Rund 500.000 Unternehmer in Deutschland müssen in den kommenden fünf Jahren ihre Nachfolgefrage klären. Dieser Trend wird durch die demographische Entwicklung noch verstärkt.

Dass die Unternehmensnachfolge ein zunehmend wachsendes Problem in Deutschland ist, stellte kürzlich auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fest. Aktuell stehen 25 Prozent der deutschen Familienunternehmen vor der Übergabe ihres Lebenswerks an den Nachfolger. Dabei haben nicht einmal die Hälfte der Unternehmer zwischen 45 und 55 Jahren generelle Maßnahmen für die Nachfolgeregelung auf der Agenda. Sicher ist, der Generationswechsel ist für den einzelnen Unternehmer alles andere als leicht. Rückzugspläne forcieren, sich von seinem Lebenswerk zu lösen und anderen Platz machen. Hinzu kommt, dass nicht immer der geeignete Kandidat innerhalb der eigenen Familie zu finden ist. In diesem Fall muss das Unternehmen an Fremde verkauft werden. Dies führt zu berechtigten Bedenken, dass der Fortbestand des Unternehmens bedroht sein könnte.

Eine individuelle Nachfolgelösung ist erforderlich

Generell gilt, dass für die Nachfolgeregelung keine Patentrezepte herangezogen werden können, keine Standardlösungen existieren. Für jeden Unternehmer muss die Nachfolgefrage individuell geordnet werden. Sicher ist ebenso, dass der Generationswechsel auch mit wirtschaftlichen Problemen verbunden sein kann, denn Arbeitsplätze und die gesamte wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit werden auf den Prüfstand gestellt. Ungefähr 2.000 Familienbetriebe sind jährlich von Schließungen betroffen, weil die Nachfolge nicht zuverlässig organisiert werden konnte. Auch erfolgreiche Unternehmen mit guter Kapitalausstattung und ausreichender Liquidität sind nicht per se davor gefeit.

Authentisch bei der Nachfolgesuche bleiben

Unternehmer, die sich entschlossen haben dieser Problematik entgegenzuwirken müssen bedenken, dass sensible Unternehmensdaten offengelegt werden müssen. Dies kann einem Offenbarungseid gleichen. Es werden nicht wenige Fragen auf den Tisch kommen, sicherlich auch sehr unbequeme. Denn es geht darum zu wissen, wo das Unternehmen augenblicklich steht. Dies ist relevant für den Unternehmer und seine Berater sowie für den Nachfolger. Denn in einem Gesamtkonzept zur Nachfolgesuche müssen aussagefähige und nachvollziehbare Informationen einfließen, die den Status quo präsentieren und auf Tatsachen beruhen. Schönfärbereien und unkorrekte Angaben haben früher oder später negative Auswirkungen.

Gefahren beim Unternehmensverkauf begegnen

Im Durchschnitt dauert der Prozess mehr als drei Jahre, bis ein passender Unternehmensnachfolger gefunden ist, er birgt zahlreiche, auch latente Gefahren. Das macht plausibel, dass mit der Suche frühzeitig begonnen werden muss. Gefahren gilt es, durch gute und sorgfältige Planung zu minimieren. Grundsätzlich beginnen wohl die Sondierungen in der eigenen Familie und im unternehmensnahen Umfeld. Insbesondere jedoch, wenn der Nachfolger nicht in der Familie gefunden werden kann, vergrößert die externe Suche tendenziell die Risiken. Potentielle Kandidaten für die Nachfolge gibt es anscheinend genug, dies sagen zumindest Statistiken die eine rege Unternehmensgründungskultur in Deutschland belegen. Hier jedoch die richtige Auswahl zu treffen ist wohl wie die Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen, professionelle Unterstützung ist gefragt. Wird ein Kauf- oder Übernahmevertrag abgeschlossen und der Kaufpreis nicht bar beglichen, verbleibt ein enormes Risiko beim Überträger des Unternehmens. Insbesondere wenn sich nachträglich und unter neuer Führung, die Geschäftslage drastisch verschlechtert. Daher sind dedizierte Sicherheiten bereits im Vorfeld unerlässlich.

Kompetenz und Vertrauen als Eckpfeiler

Der Unternehmer sollte rechtzeitig Überlegungen anstellen welchen Personenkreis er in dieses Projekt mit einbezieht respektive einweiht. Grundsätzlich dürfen nur Vertrauenspersonen Zugriff zu sensiblen Informationen und Daten erhalten. Der innere Zirkel dieses Projekts muss darum möglichst klein gehalten werden. In der frühen Phase könnten der Steuerberater und Rechtsberater diese Vertrauenspersonen sein. Vorausgesetzt allerdings, dass eine umfassende fachliche Kompetenz des vorgegebenen Kontexts besteht. Gemeinsam, mit den ausgewählten „kompetenten Vertrauten", sollten die Ausgangspositionen und Ziele definiert werden. In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob geeignete Aspiranten innerhalb der Familie oder des Betriebs vorhanden sind, wie die gegenwärtige und künftige Rechtsform auszugestalten ist und inwieweit die Aufnahme neuer Gesellschafter förderlich wäre. Diese Ansätze der Nachfolgelösung könnten den zeitlichen Ablauf des Nachfolgeprozesses deutlich verkürzen, den potenziellen Kreis der Nachfolger sowohl begrenzen als auch erweitern.

Rahmenbedingungen der Nachfolgeregelung

Sehr wahrscheinlich ist, dass vorliegende Bedingungen und Nachfolgevarianten nicht von beiden Seiten gleichermaßen, sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer, als vorteilhaft angenommen werden. Sie sind aber oft entscheidend. Vor diesem Hintergrund ist es angeraten, genauestens und frühzeitig zu überprüfen, inwieweit Vorgaben erfüllt werden müssen oder können. Denn Bedingungen können sich schnell verändern, wie etwa durch Abschreibungen, Einkommens- oder Kapitalsteuern, Fristen, öffentliche Fördergelder, Steuervorteile und Freibeträge, stille Reserven und die Höhe des Verkaufserlöses. Allesamt können positive oder negative Wirkungen besitzen. Nicht zuletzt auch die persönliche finanzielle Situation und Rentenperspektive des aktuellen Unternehmers. Insbesondere die Art und Weise der Nachfolgeregelung, beispielsweise die schrittweise Übertragung durch Gründung einer Personen- oder Kapitalgesellschaft, die Aufnahme eines neuen Gesellschafters in ein Einzelunternehmen, Management-Buy-out oder Buy-in, Verkauf gegen Ratenzahlung, Rente oder bar, werden von gesetzlichen Vorgaben determiniert. Bisherige und zu erwartende Umsätze sowie der Wirkungsradius des Unternehmens sind ebenfalls von großer Relevanz, denn international tätige Unternehmen könnten Ihre Nachfolgelösung auch über nationale Grenzen hinweg suchen. Es liegt allerdings auf der Hand, dass der gesamte Prozess damit noch komplexer wird. Egal, welche Rahmenbedingungen bestehen, stets müssen diese individuell mit den Zielen des Unternehmens abgestimmt werden und mit Gesetzen und Verordnungen konsistent sein.

Daten und Fakten

Nachdem ein potentieller Verkäufer seine Ziele und die des Unternehmens definiert hat, sollten Sondierungsgespräche über bereits angestoßene Unternehmenspläne, Finanzen, Kostenrechnung und Bilanzen, die Mitarbeiterorganisation, Kernkompetenzen, bereits bekannte Marktchancen und -schwächen, mögliche Rechtsform und Wunschprofil des Nachfolgers führen. Mit den vorliegenden Daten und Fakten ist nun eine konzeptionelle Planung möglich.

Unternehmensdarstellung und Preis

Der Zielpreis wird zunächst durch das vorhandene beziehungsweise verwertbare Vermögen sowie durch die gewählte Nachfolgevariante beeinflusst. Hinzu kommt jedoch eine entscheidende Variable: nämlich der Marktpreis. Der Marktpreis ist der Preis, der tatsächlich bezahlt wird. Ob dieser letztendlich dem Wunsch- oder dem Zielpreis des Veräußerers entspricht, beeinflusst entscheidend die Qualität der Ansprache und damit die Darstellung des Unternehmens nach außen. Hierfür müssen relevante Daten und Fakten in einem Konzept aufbereitet werden. Das hierbei entstehende Exposé dient im weiteren Verlauf als Kommunikationsinstrument und beinhaltet damit das gesamte Chancenpotenzial einen kompatiblen Nachfolger zu finden. Fakt ist, je exakter die Vorarbeit und Planung desto positiver und kurzfristiger sind die Aussichten. Nichts wäre schädlicher für den gesamten Prozess, wenn durch „fundiertes Halbwissen" oder kursierende Gerüchte die Reputation des Unternehmens gefährdet wird. Es ist daher angeraten, lediglich eine einzige externe Projektleitung zur Umsetzung des ausgewählten Konzepts zu implementieren.

Quelle: Dipl.-Kfm. Manfred Bindl


 


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