Die Pflegereform 2017 – Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Zum 01.01.2017 wurde die größte Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung umgesetzt: das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II). Die bisher bekannten Pflegestufen (0), 1, 2 und 3 wurden durch die Pflegegrade 1 bis 5 abgelöst. Besonders Demenzkranke und Menschen, die in den eigenen vier Wänden gepflegt werden, erhalten deutlich mehr Geld.

Von der neuen Pflegereform profitieren insbesondere Demenzkranke und Menschen, die in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. © Robert Kneschke | Fotolia.com

Warum eine Pflegereform?

Ziel des Pflegestärkungsgesetzes II ist eine leistungsrechtliche Gleichstellung aller pflegebedürftigen Menschen, unabhängig davon, ob sie körperlich oder geistig erkrankt sind. Aus diesem Grund wurde ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff definiert:

 „Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigung der Selbständigkeit aufweisen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen nicht selbstständig bewältigen können." 

Ausschlaggebend ist seit 2017 der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen. Vor allem körperlich meist fitte aber demenzkranke ältere Menschen erhalten durch die Pflegereform die notwendige Gleichstellung.

 

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Einstufung in die Pfleggrade – so funktioniert es

Früher erfolgte die Einstufung durch „Minuten zählen" – es war entscheidend, wie viel Zeit eine nicht ausgebildete Pflegekraft für die Pflege des Angehörigen benötigt. Seit 2017 ist der Grad der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person ausschlaggebend – es kommt also darauf an, inwiefern Menschen noch ohne fremde Hilfe ihr eigenes Leben meistern können. Darunter zählen jetzt auch Alltagssituationen wie bspw. der Demenzkranke, der vergessen hat, wie man sich die Zähne putzt. Oder der Rentner, der Hilfe dabei benötigt, seine sozialen Kontakte zu pflegen und seinen Alltag zu organisieren. Das Begutachtungsverfahren zur Einstufung in die Pflegegrade leiten Sie mit einem Antrag auf Pflegeleistung bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse ein.

Unser Tipp: Sie benötigen Hilfe im Alltag? Suchen Sie sich eine Pflegeberatung in Ihrer Nähe. Stellen Sie einen Antrag auf Pflegeleistung bei Ihrer Krankenkasse. Überprüfen Sie vorab die Möglichkeit einer Zusatzversicherung.

Wie findet das neue Begutachtungsverfahren (NBA) statt?

Die Gutachten zur Einstufung in den Pflegegrad müssen von unabhängigen Pflegesachverständigen ausgeführt werden. In der Regel wird Ihre gesetzliche Krankenkasse einen Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) mit der Begutachtung beauftragen. Bei privaten Pflegeversicherten sind es oft private Pflegesachverständige.

 

Das neue Begutachtungsverfahren zur Einstufung in einen Pflegegrad

Der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen errechnet sich im neuen Begutachtungsverfahren aus seinen Einschränkungen in sechs verschiedenen Lebensbereichen (Module). Dabei überprüft der Gutachter insgesamt 64 Kriterien und vergibt für die einzelnen Kriterien Punkte. Die 64 Kriterien sind dabei jeweils einem der sechs Module (siehe Grafik) zugeordnet. Je höher die Punktzahl ausfällt, desto höher ist die Selbstständigkeit der Person eingeschränkt. Bspw. werden in der Kategorie ‚Körperhygiene (waschen)' neun Punkte vergeben, wenn sich eine Person nicht mehr selbstständig und nur mit Hilfe waschen kann.

Die Einzelunkte jeder Kategorie und jedes Moduls werden anhand bestimmter Formeln umgerechnet. Die verschiedenen Lebensbereiche sind zudem prozentual unterschiedlich gewichtet Auf dieser Grundlage ergibt sich dann ein Gesamtpunktwert für die Einstufung in den Pflegegrad.

Persönliche Beratung

Daniel Seeger und sein Service-Team freuen sich auf Ihre Fragen und beraten Sie gerne!
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Telefon 06201 - 84 62 555

Die sechs Lebensbereiche bei der Einstufung in die neuen Pflegegrade

Die Lebensbereiche 2 und 3 sind mit insgesamt 15 Prozent bewertet. Dabei fließt entweder Bereich 2 ODER 3 in die Beurteilung ein. Je nachdem, wo ein höherer Wert festgestellt wird. 

  1. Mobilität (10 Prozent): bspw. Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen oder Positionswechsel im Bett.
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeit: bspw. örtliche und zeitliche Orientierung, Handlungen im Alltag wie Führen des Haushaltes oder Mitteilen notwendiger Bedürfnisse.
  3. Verhaltensweise und psychische Problemlage: bspw. aggressives Verhalten, Depressionen, sozial unpassendes Verhalten oder Auffälligkeiten im Verhalten.
  4. Selbstversorgung (40 Prozent): bspw. selbstständige Nahrungsaufnahme, Körperpflege, An- und Auskleiden oder Ausscheiden.
  5. Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Belastungen (20 Prozent): bspw. Wechseln von Verbänden, Besuch bei Ärzten und therapeutischen Einrichtungen oder Therapie zuhause.
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent): bspw. Gestaltung und Veränderung des Tagesablaufs, selbstständige Beschäftigung oder Pflege der Kontakte außerhalb des unmittelbaren Umfelds.

Durch dieses neue Begutachtungsverfahren wird eine Gesamtpunktzahl zwischen 0 und 100 Punkten ermittelt. Je höher die Punktzahl desto höher der Pflegegrad. Darauf basierend erfolgt eine Zuordnung zu einem der fünf Pflegegrade.

Die fünf Pflegegrade in der Übersicht

Nach Feststellung des Grads der Selbstständigkeit durch den Gutachter wird die pflegebedürftige Person anhand der Punkte aus dem Begutachtungsverfahrens in diese fünf Pflegegrade eingestuft.

Pflegegrade in der Übersicht

Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)

Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)

Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)

Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)

Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Pflege (90 bis 100 Punkte)

Durch die Reform des Pflegestärkegesetzes II werden künftig pflegebedürftige Menschen früher als solche anerkannt und eingestuft. Pflegeleistungen fließen seit 2017 früher als bisher.

 

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Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ab 2017

Seit 2017 ist der Pflegegrad ausschlaggebend. Im Vergleich zu früher hat sich die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung erhöht. 2,6 Millionen Pflegebedürftige erhalten teilweise höhere Leistungen. Allerdings wird sie auch weiterhin nur einen Teil der anfallenden Kosten decken. Für die übrigen Kosten muss weiterhin der Pflegebedürftige selbst oder seine Familie aufkommen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Pflegebedürftige zuhause oder im Pflegeheim versorgt wird.

Die Leistungen der Pflegeversicherung

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 können monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen beantragen. Ansonsten stehen Ihnen für die ambulante Pflege keine Pflegesachleistungen zur Verfügung. In den Pflegegraden 2 bis 5 können Pflegebedürftige zwischen Pflegegeld für häusliche Pflege und Pflegesachleistungen für einen häuslichen Pflegedienst bzw. ambulanter Pflege wählen (bspw. teilstationäre Nachtpflege).

Für die vollstationäre Pflege im Alten- oder Pflegeheim übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung die in der Tabelle dargestellten Kosten.

Pflegegrad 1 – neue Leistung seit 2017

In diesen Pflegegrad können Menschen, die bisher nicht als pflegebedürftig eingestuft wurden. Grundsätzlich ist im Pflegegrad 1 die Selbstständigkeit im Alltag nur wenig eingeschränkt. Sie meistern Ihr Leben noch überwiegend selbst und haben lediglich leichte Einschränkungen bspw. beim Gehen oder Stehen. Bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst ist eine Mindestanzahl von 12,5 Punkten notwendig, um in den Pflegegrad 1 eingestuft zu werden.

Die Leistungen in Pflegegrad 1

  • Zuschuss für Wohnungsanpassung 4.000,- Euro

Bereits in Pflegegrad 1 gibt es den Zuschuss, der früher nur bei einer stärkeren Pflegebedürftigkeit gezahlt wurde. Die Wohnungsanpassung kann bspw. in Form eines Treppenlifts oder anderen Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren erfolgen. Wichtig ist: Die Maßnahme dient dazu, dass eine selbstständige Lebensführung wieder ermöglicht oder gefördert wird.

  • Zuschuss / Förderung für Pflege WG 2.500 Euro

Bei Gründung einer Wohngemeinschaft mit anderen Pflegebedürftigen erhalten Menschen mit Pflegegrad 1 einen Zuschuss von 2.500 Euro. Diesen Zuschuss erhalten alle Personen der Wohngruppe bis maximal vier Personen pro Pflege WG. Zusätzlich erhalten die Bewohner einer solchen WG einen Zuschuss von 214 Euro monatlich.

  • Entlastungsbetrag von 125 Euro
  • Kostenlose Pflegeberatung
  • Kostenlose Kurse für Angehörige von Pflegebedürftigen in Pflegegrad 1
  • Pflegehilfsmittel bis 40 Euro / Monat
Unser Tipp: Falls Sie vor 2017 bereits einen Antrag auf Pflegeleistung gestellt haben und dieser abgelehnt wurde, dann stellen Sie nun erneut einen Antrag. Schätzungsweise 500.000 Menschen in Deutschland erfüllen die Voraussetzungen für Pflegegrad 1.

Persönliche Beratung

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Der Entlastungsbetrag

Mit der Pflegereform wurde der neue Entlastungsbetrag eingeführt. Er beträgt 125 Euro pro Monat und ist für alle Pflegegrade von 1 bis 5 gültig, wenn die Pflege im häuslichen Umfeld stattfindet. Dazu zählen die Wohnung der pflegebedürftigen Person, die Wohnung der pflegenden Person oder ein betreutes Wohnen/Altenheim.

Der Entlastungsbetrag ist grundsätzlich zweckgebunden und kann für Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes, für teilstationäre Tages- oder Nachtpflege oder für Hilfeleistungen im Alltag wie bspw. Einkaufshilfen eingesetzt werden. Wird in einem Monat nicht der gesamte Betrag ausgeschöpft, kann der Entlastungsbetrag in den Folgemonat übertragen werden.

 

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Wie teuer ist die Pflege seit 2017?

Eines steht fest: sie wird nicht günstiger. Durch die Pflegereform wurde die gesetzliche Pflegeversicherung keinesfalls eine Vollkaskoversicherung. Seit 2017 wird der pflegebendingte Eigenanteil im Alten- oder Pflegeheim laut einer Schätzung des Bundesgesundheitsministeriums monatlich 580 Euro betragen. Dieser Betrag beinhaltet noch keinen Eigenanteil für Unterkunft oder Verpflegung.

Ihr Eigenanteil bleibt also immens. Das Vermögen bzw. das Vermögen der Kinder wird hierfür herangezogen. Das Sozialamt übernimmt erst die Kosten, wenn das Privatvermögen aufgebraucht ist und die Kinder keine Mittel mehr zusteuern können. Die Pflegelücke beschreibt die Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten der Pflege und den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Folgendes Beispiel für eine stationäre Pflege verdeutlicht die Pflegelücke:

Beispiel einer Pflegelücke

Überleitung der Pflegestufen in Pflegegrade

Das wichtigste zuerst: Durch das Pflegestärkungsgesetz II wird Niemand schlechter gestellt - Sie genießen Bestandsschutz. Das bedeutet, dass Sie bei bereits anerkannter Pflegebedürftigkeit bzw. Demenzerkrankung unter keinen Umständen ab 2017 weniger Leistungen bekommen als 2016. Für die Überleitung in die neuen Pflegegrade gibt es folgende Regeln:

  • Sie müssen nicht erneut begutachtet werden
  • Es wird automatisch der nächsthöhere Pflegegrad zugewiesen (siehe Tabelle)
  • Bei Demenz erfolgt die Eingruppierung in den zwei Stufen höheren Pflegegrad (siehe Tabelle)

Von der Pflegestufe zum Pflegegrad

Auch die privaten Versicherer sind dazu verpflichtet, ihre bestehenden Verträge (Pflegezusatzversicherung) an die neuen Regelungen anzugleichen. Betroffen sind hiervon die Tarifbedingungen aller Altverträge. Aufgrund der Umstellung kann es zu Anpassungen der Beiträge kommen. Beziehen Sie bereits tarifliche Leistungen, so greift hier ebenso der Bestandsschutz und Sie dürfen NICHT schlechter gestellt werden.

 

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