Verbraucherzentrale: Pflegefall – was tun? Schritt für Schritt zur guten Pflege

Rezension – von Jasmin Weiß

„Ein Mensch kann von heute auf morgen pflegebedürftig werden" – im Zuge dessen stehen sowohl Betroffene als auch Angehörige häufig vor zahlreichen Fragen: Wie stellt man den Antrag bei der Pflegekasse? Unter welchen Bedingungen zahlt die Kranken- bzw. Pflegekasse? Wie finde ich einen guten Pflegedienst oder ein gutes Pflegeheim? Diese und noch viele weitere Fragen werden im Ratgeber der Verbraucherzentrale NRW beantwortet.

Cover: Pflegefall – was tun?
© Verbraucherzentrale

Schritt für Schritt zu einer guten Pflege

Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet: Insgesamt sind es zehn Schritte, die auf dem Weg zu einer guten Pflege zu beachten und je nach individuellem Umstand umzusetzen sind. Zunächst geben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Pflege und Pflegebedürftigkeit einen Überblick und den Verweis zu den jeweiligen relevanten Kapiteln. Im Folgenden werden die verschiedenen Schritte ausführlich erklärt, an denen sich Betroffene orientieren und entlang arbeiten können, um eine gute Pflege zu organisieren.

Der erste wichtige Schritt ist die Antragstellung auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse. Hier erklärt der Ratgeber genau, was bei einem derartigen Antrag zu beachten ist – inklusive Tipps, einem Musteranschreiben und wichtigen Fakten.

Unterstützungen und Hilfen im Pflegefall

Im zweiten Schritt dreht sich alles um Rat und Hilfe bei einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit. In diesem Kapitel wird geklärt, inwiefern das Krankenhaus hilft, was Pflegestützpunkte sind und wo Pflegebedürftige und deren Angehörige weitere Beratung erhalten.

Der Ratgeber weist darauf hin, dass es neben verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten ebenfalls wichtig ist, alles Nötige in der Familie zu besprechen. Bei diesem dritten Schritt geht es insbesondere um die Pflege durch Angehörige und was in diesem Fall zu beachten ist. Drei Checklisten greifen die wichtigsten Fragen auf, mit denen sich die Angehörigen des Pflegebedürftigen auseinandersetzen sollten.

Im vierten Schritt setzt sich der Ratgeber mit dem Thema Pflegeversicherung und den dazugehörigen wichtigsten Fragen auseinander: Wann zahlt die Pflegekasse und welche Leistungen gibt es? Hierbei werden entsprechend der neu eingeführten Pflegegrade Beispiele zur Orientierung aufgeführt. Wie verläuft die Begutachtung des Pflegebedürftigen? Wie kann ich Widerspruch einlegen, wenn die Pflegekasse nicht den gewünschten Pflegegrad erkennt?

Im Anschluss geht es um weitere Hilfen für Pflegebedürftige und die Rolle der Krankenkasse sowie des Sozialamtes bei einem Pflegefall. Im fünften Schritt wird somit geklärt, welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, wie und wann das Sozialamt hilft und wie die Antragstellung auf einen Schwerbehindertenausweis erfolgt.

Der sechste Schritt beschäftigt sich mit der Rehabilitation als Anschlussheilbehandlung und dessen Mehrwert. In diesem Schritt werden ebenso die medizinische Rehabilitation sowie die geriatrische Rehabilitation angesprochen und jeweils dazu passende Verweise als auch wichtige Hintergrundinformationen aufgeführt.

Pflege und Beruf vereinbaren

Beim siebten Schritt gilt es, sich mit der Frage zu beschäftigen, inwiefern das Berufsleben mit einem plötzlichen Pflegefall in der Familie vereinbart werden kann. Im akuten Pflegefall können Arbeitnehmer beispielsweise zehn Tage von der Arbeit fernbleiben, um die Pflege eines Angehörigen in Ruhe organisieren zu können. In diesem Zusammenhang wird unter anderem geklärt, was es mit der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung auf sich hat, wie diese mit dem Arbeitgeber vereinbart werden kann und welche Möglichkeiten es gibt, wenn mehr Zeit als zehn Tage benötigt werden. Außerdem stellt sich die Frage, wie Job und Pflege in Form einer Familienpflegezeit miteinander kombiniert werden können.

Entscheidet man sich für die Pflege zu Hause, ist es wichtig zu wissen, welche Hilfen in diesem Fall in Anspruch genommen werden können. Daher wird im achten Schritt geklärt, wie man einen guten ambulanten Pflegedienst findet, was man unter Ersatz-, Tages- und Nachtpflege versteht und welche weiteren Hilfsangebote zur Auswahl stehen. Dazu zählen auch Hilfskräfte aus dem Ausland, die bei der Pflege zu Hause unterstützend mitwirken können. Darüber informiert der Ratgeber, was in Notfällen zu tun ist, welche Notrufsystem sinnvoll sein können und welche Hilfsmittel den Pflegealltag erleichtern. „Pflegen ist eine anspruchsvolle Tätigkeit" – deshalb liefert das Buch Antworten auf die Frage, wer Pflegende schult und berät.

Alternativen zur häuslichen Pflege

Falls die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist, stehen Angehörige vor der schweren Entscheidung, ihre Liebsten einer Pflegeeinrichtung anzuvertrauen. Im neunten Punkt des Ratgebers werden Tipps bereitgestellt, die dabei helfen sollen, herauszufinden, welche Wohnform sich im jeweiligen Fall eignet. Um ein gutes Pflegeheim zu finden, spielen neben Entscheidungshilfen auch die Rechte als Heimbewohner eine Rolle. Ergänzend steht eine Checkliste für den anstehenden Umzug zur Verfügung.

Im letzten Schritt spricht der Ratgeber ein weiteres wichtiges Thema an: Vollmachten und vorsorgliche Verfügungen. Durch diese kann ein Pflegebedürftiger sichergehen, dass eine Person seines Vertrauens im gegebenen Fall die Entscheidungen in seinem Interesse trifft. Hierzu zählen die Patientenverfügung, die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung sowie das Testament. Auch in diesem Kapitel werden Tipps und relevante Zusatzinformationen zur Verfügung gestellt.

Fazit: Wichtige Informationen: kompakt und leicht verständlich

Der Ratgeber „Pflegefall – was tun? Schritt für Schritt zur guten Pflege" bietet den Lesern ein umfassendes und dennoch kompakt und leicht verständlich zusammengestelltes Informationspaket rund um das Thema Pflegefall. Sämtliche relevanten Fragen werden in Form von zehn Schritten geklärt. Durch diese Aufteilung wird dem Leser vor Augen geführt, dass nicht alles auf einmal erledigt werden muss, sondern Schritt für Schritt vorgegangen werden kann. Der Ratgeber ist außerdem top aktuell, da die Auflage an die aktuellen Änderungen der Pflegereform mit den jetzigen Pflegegraden angepasst wurde. So wird man nicht nur über die wichtigsten Schritte zur guten Pflege, sondern gleichzeitig auch über die aktuelle Lage der Pflegereform informiert.

 

Titel: Pflegefall – was tun? Schritt für Schritt zur guten Pflege
Herausgeber: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V.
Preis: 16,90 € (als eBook für 13,99 € verfügbar)
ISBN: 978-3-86336-077-1


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