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Magen und Verdauung: Mehr Lebensqualität durch geeignete Behandlungen

Verdauungsprobleme sind für viele ein Tabu-Thema. Das muss nicht sein, denn sehr viele Menschen haben Probleme mit Magen und Verdauung. Heutzutage gibt es viele Maßnahmen, mit denen eine Verbesserung erzielt werden kann.

Viele Menschen haben Probleme mit der Verdauung ©Syda Productions | Fotolia.com


1. Was ist Stuhlinkontinenz?

1.1. Ursachen

1.2. Grade

2. Welche Maßnahmen sollten zuerst erfolgen?

2.1. Untersuchung

2.2. Stuhlprotokoll

2.3. Ernährungsumstellung

2.4. Toilettentraining

3. Wie kann Physiotherapie bei Stuhlinkontinenz helfen?

3.1. Gezieltes Muskeltraining

3.2. Biofeedback

3.3. Elektrostimulation

4. Wie kann die Kontinenz durch Operationen verbessert werden?

4.1. Reparatur des Schließmuskels

4.2. Sakrale Nervenstimulation (SNS)

4.3. Künstlicher Schließmuskel

4.4. Künstlicher Darmausgang (Stoma)

5. Welche Hilfsmittel gibt es bei Inkontinenz?

5.1. Toilettenhilfen

5.2. Erwachsenen-Windeln

5.3. Analtampons

5.4. Anale Irrigation

5.5. Fäkalkollektor

5.6. Stuhldrainage-Systeme

6. Wer berät bei Stuhlinkontinenz?

7. Wie können Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz finanziert werden?

7.1. Voraussetzungen

7.2. Zuzahlungen


Mit fortschreitendem Alter lässt die Leistung der Verdauungsorgane nach. Das kann sich durch unangenehme Beschwerden äußern. Betroffene leiden häufig unter Verstopfung, Durchfall, Hämorrhoiden und Beschwerden, die wegen Tumoren und Entzündungen auftreten. Besonders Stuhlinkontinenz ist für die Betroffenen sehr belastend: Sie führt im Alltag zu Problemen und kann Infektionen sowie Hautirritationen auslösen. Zu den körperlichen Beschwerden kommen in vielen Fällen noch Schamgefühle, denn Stuhlinkontinenz ist immer noch ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. Für Betroffene ist das psychisch oft sehr belastend: Sie trauen sich nicht, zum Arzt zu gehen, verstecken sich vor der Familie und dem Partner. Manchmal haben sie sogar Angst, das Haus zu verlassen oder unter Menschen zu gehen – die nächste Toilette darf nie zu weit entfernt sein. So haben sie oft einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie die nötige Hilfe zu bekommen. Dabei muss ihnen das Problem nicht peinlich sein – schließlich sind sie damit bei weitem nicht alleine: Schätzungsweise fünf Prozent der Deutschen leiden unter Stuhlinkontinenz, das sind etwa 4,1 Millionen Betroffene.

Inzwischen gibt es zahlreiche Behandlungsmethoden und Hilfsmittel, die den Betroffenen helfen, die Krankheit besser zu verstehen, die Inkontinenz zu heilen oder zumindest die Lebensqualität zu verbessern. Darüber hinaus gibt es Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die die Betroffenen bei ihrem Weg unterstützen und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. So können sie ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnen und dem eigenen Körper wieder mehr vertrauen.

1. Was ist Stuhlinkontinenz?

Stuhlinkontinenz ist eigentlich keine Alterserscheinung, denn sie kann auch bei jüngeren Menschen auftreten. Generell tritt diese Erkrankung bei beiden Geschlechtern auf, Frauen leiden aber häufiger darunter – aus zwei Gründen: sie haben einen kürzeren Analkanal und erleiden beim Geburtsvorgang manchmal Verletzungen. Stuhlinkontinenz bezeichnet eine Störung, bei der der Vorgang der Stuhlausscheidung nicht mehr kontrolliert werden kann und es zum ungewollten Abgehen von Stuhl oder Winden kommt. Für dieses Problem gibt es vielfältige Ursachen.

1.1. Ursachen

Unter Stuhlinkontinenz leiden manche Frauen, die während des Geburtsaktes verletzt wurden: Ein durchtrennter Schließmuskel, ein missglückter Dammschnitt oder verletzte Nerven können die Kontinenz beeinträchtigen. Manchmal zeigt sich diese Schädigung nicht direkt nach der Geburt, führt aber im Alter dann zu Inkontinenz. Aber auch das Nachlassen des Schließmuskels im Alter ist für viele ein Problem. Darüber hinaus gibt es noch weitere mögliche Ursachen: Nervenkrankheiten, Enddarmerkrankungen, Operationen, Bestrahlung und Infektionen können eine Stuhlinkontinenz verursachen. Auch Tumore können ebenso eine Inkontinenz bewirken wie entzündliche Darmerkrankungen und chronischer Durchfall oder Verstopfung.

Auch ein schwacher Beckenboden kann die Ursache sein. Der Beckenboden ist ein Geflecht von Muskeln und Bindegewebe am unteren Becken. Oft wird er kaum beachtet, dabei muss er im Alltag einiges leisten: Er ist maßgeblich an den Funktionen beim Wasserlassen, Stuhlgang und beim Geschlechtsverkehr beteiligt – bei Frauen und Männern. Auch seine Leistung lässt im Alter nach. Außerdem kann mangelnde Bewegung ebenso zu einer Schwächung des Beckenbodens beitragen wie Verletzungen bei der Geburt. Das hat nicht nur Stuhl- und Urininkontinenz zur Folge: Bei manchen Frauen treten darüber hinaus Gebärmutterabsenkungen, Blasensenkung und ständiger Harndrang auf.

1.2. Grade

Man unterteilt die Stuhlinkontinenz nach der Schwere der Symptome in drei verschiedene Grade:

  • Bei Grad 1 kann flüssiger Stuhl nicht mehr gehalten werden – die Betroffenen können den Stuhlabgang also bei Durchfall nicht mehr kontrollieren.
  • Grad 2 bezeichnet die zusätzliche Schwierigkeit, Winde zu halten.
  • Unter Grad 3 wird das zusätzliche Unvermögen verstanden, festen Stuhl zu halten.

Außerdem gibt es noch Symptome wie besonders häufigen Stuhlgang oder Dranginkontinenz – also plötzlich einsetzender, starker Drang mit unkontrolliertem Stuhlabgang. Manche Betroffene können ihren Stuhlgang zwar spüren, aber nicht steuern, während andere keine sensorischen Reize in diesem Bereich mehr verspüren und so den Stuhlabgang nicht bemerken.

2. Welche Maßnahmen sollten zuerst erfolgen?

Für alle, die ihre Inkontinenz besiegen möchten, steht an erster Stelle der Besuch beim Arzt. Kein Weg führt an einer kompetenten medizinischen Beratung vorbei – denn um die Inkontinenz zu behandeln, müssen erst ihre Ursache verstanden werden.

2.1. Untersuchung

Bevor ein Behandlungskonzept festgelegt wird, sollte unbedingt eine gründliche Untersuchung vorgenommen werden. Unter Umständen überweist der Hausarzt an einen Proktologen – also einen Arzt, der sich auf Erkrankungen des Enddarms spezialisiert hat. Manchmal ist auch der Besuch eines Neurologen notwendig, um Probleme mit den Nerven festzustellen. Unter Umständen kann auch ein Geriater – ein Facharzt für Alterskrankheiten – eine große Hilfe sein. Außerdem gibt es an einigen Kliniken Sprechstunden speziell für Inkontinenz: Dort werden Betroffene von Spezialisten gründlich untersucht. Das Behandlungskonzept wird meist individuell zusammengestellt und umfasst oft mehrere Therapien.

Bei der Untersuchung fragt der Arzt zunächst nach Beschwerden und Vorerkrankungen. Dann nimmt er eine Untersuchung vor: Diese beinhaltet meist eine rektale Untersuchung, bei der der Arzt vorsichtig den Enddarm abtastet und mit einem Endoskop (einem Spiegelinstrument) untersucht. Unter Umständen ordnet er eine Darmspiegelung an – bei dieser wird der Darm genau unter die Lupe genommen. Eventuell werden dabei Gewebeproben entnommen. So kann der Arzt Veränderungen feststellen und seine Diagnose stellen.

2.2. Stuhlprotokoll

Manchmal wird der Arzt dem Patienten aufgeben, über eine bestimmte Zeit ein Stuhlprotokoll zu führen. Darauf verzeichnet dieser, was er gegessen hat, die Beschaffenheit des Stuhls, die Häufigkeit des Stuhlgangs und Dringlichkeit sowie die Häufigkeit des unkontrollierten Stuhlabgangs. Diese Informationen können dem Arzt helfen, eine Diagnose zu stellen und geeignete Behandlungskonzepte festzulegen.

2.3. Ernährungsumstellung

Durch die gezielte Anpassung der Ernährung kann in manchen Fällen schon viel bewirkt werden. So kann versucht werden, den Kaffeekonsum zu senken, ebenso den von kohlensäurehaltigen Getränken. Auf blähende sowie ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Kohl sollte versuchsweise verzichtet werden. Wenn Verstopfungen der Auslöser für die Inkontinenz sind, werden oft aber ganz andere Maßnahmen ergriffen – es wird also zum Beispiel auf eine ausgewogene und ausreichende Ballaststoffzufuhr geachtet. Die Aufnahme von Flüssigkeit sollte unbedingt ausreichend sein. Generell geht es darum, die Beschaffenheit des Stuhls und die Stuhlfrequenz zu optimieren. Schon durch solche einfachen Maßnahmen kann oft eine Verbesserung des Befindens erzielt werden.

2.3. Toilettentraining

Auch die eigenen Gewohnheiten beim Aufsuchen der Toilette können oft verbessert werden: So kann die Kontinenz vielfach bereits gestärkt werden. Besonders wichtig ist es, nicht übermäßig zu pressen und nicht zu lange auf der Toilette zu sitzen. Therapeuten und Ärzte können Patienten hilfreiche Tipps an die Hand geben, um ihnen dabei zu helfen, durch das eigene Verhalten vieles zu verbessern.

2.4. Medikamentöse Therapie

Neben den Verhaltensänderungen wie Ernährungsumstellung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr gibt es auch Medikamente, mit denen die Kontinenz verbessert werden kann. Mit ihnen kann auf zwei Weisen gegen Inkontinenz vorgegangen werden: Bei der kausalen Therapie wird eine zugrundeliegende Erkrankung durch Medikamente behandelt, wie zum Beispiel Morbus Crohn mit Cortison. Bei der unspezifischen Therapie wird symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Häufigkeit des Stuhlgangs gesenkt, die Konsistenz verbessert und die Kontrolle gestärkt werden soll. Auch Medikamente gegen Durchfall und Verstopfung werden eingesetzt.

3. Wie kann Physiotherapie bei Stuhlinkontinenz helfen?

Physiotherapie ist im Einsatz gegen Stuhlinkontinenz oft erstaunlich effektiv. Es wirkt nicht nur zur Verbesserung bei Inkontinenz, die durch Muskelschwäche verursacht ist. Auch bei manchen anderen Erkrankungen kann sie Unterstützung leisten. Allerdings muss der Patient selbst einiges an Disziplin aufbringen: Nicht nur zu den Terminen mit dem Therapeuten muss er kommen, er muss auch zuhause regelmäßig üben. Der Aufwand lohnt sich: Bei einigen Patienten kann durch physiotherapeutische Maßnahmen die Inkontinenz geheilt werden. Bei vielen anderen führen sie zumindest zu einer Verbesserung der Kontinenz und somit zu einer Erhöhung der Lebensqualität. Diese Behandlungen müssen aber mit dem Arzt abgesprochen werden. Er kann klären, ob sie für die spezielle Symptomatik geeignet sind oder ob eine Kontraindikation vorliegt.

3.1. Gezieltes Muskeltraining

Die Stärkung des Beckenbodens und des Schließmuskels ist das Ziel des Muskeltrainings. Dabei wird der Patient vom Physiotherapeuten zuerst dazu angeleitet, seine Muskeln wahrzunehmen. Für viele ist das eine ganz neue Erfahrung, weil sie diese Muskelgruppe davor nie gezielt aktiviert haben. Dann werden die Muskeln durch Übungen gestärkt – erst nur bei den Therapiesitzungen, dann auch mit einem Übungsplan zuhause. Später sollen die Übungen auch in den Alltag eingebunden werden. Mit ein bisschen Erfahrung klappt das auch ohne Nachdenken ganz automatisch.

3.2. Biofeedback

Das Biofeedback-Training unterstützt das gezielte Muskeltraining. Es kommt vielen zunächst einmal merkwürdig vor, ist aber sehr effektiv: Sensoren werden mit den Muskeln verbunden – so kann gemessen werden, wann der Muskel angespannt oder entspannt ist und wie hoch die Muskelspannung ist. Der Patient sieht auf einem kleinen Monitor genau, was mit seinen Muskeln passiert und wann sie wie sehr angespannt sind. Das erhöht die Motivation – denn bald können die Patienten ihre eigenen Erfolge mit dem Messgerät feststellen. Außerdem wird die Wahrnehmung geschärft und das Gefühl für den eigenen Körper gestärkt. Viele gewinnen dadurch ein Stück Selbstbewusstsein und das Vertrauen in den eigenen Körper zurück.

3.3. Elektrostimulation

Mit elektrischen Signalen kann eine gezielte Kontraktion der entsprechenden Muskeln bewirkt werden. So spüren die Patienten, welche Muskeln sie anspannen müssen. Außerdem wird die Durchblutung verbessert – das hilft dem Darm bei seiner Arbeit. Diese Methode funktioniert allerdings nur, wenn die Nerven, die diese Muskeln aktivieren, noch intakt sind.

4. Wie kann die Kontinenz durch Operationen verbessert werden?

Bei manchen Erkrankungen können Verhaltensänderungen und Physiotherapie nicht die gewünschte Verbesserung bewirken. Es gibt einige Operationen, die dann helfen können, die Kontinenz zu stärken. Eine Operation ist aber nur in wenigen Fällen zwingend erforderlich.

4.1. Reparatur des Schließmuskels

Operationen des Schließmuskels werden oft vorgenommen, um frühere Geburtsverletzungen zu behandeln. Das sollte wenn möglich innerhalb eines Jahres nach der Geburt erfolgen, ist in seltenen Fällen aber auch später möglich. Auch bei einem Darmvorfall kann der Darm durch eine Operation fixiert werden, so dass das Problem behoben werden kann.

4.2. Sakrale Nervenstimulation (SNS)

Die sakrale Nervenstimulation hat sich in den letzten Jahren vielfach bewährt. Es werden Elektroden eingesetzt, die die Nervenwurzeln durch elektrische Reize stimulieren. So ziehen sich der Schließmuskel und die Muskeln des Beckenbodens zusammen – und sorgen dafür, dass die Kontinenz verbessert wird.

4.3. Künstlicher Schließmuskel

Unter Umständen wird die Erstellung eines künstlichen Schließmuskels nötig. Das ist ein wassergefülltes System, das um den After implantiert wird und durch Druck die Darmentleerung ermöglicht. Dieser Eingriff ist komplex und sollte nur in einem spezialisierten Zentrum erfolgen.

4.4. Künstlicher Darmausgang (Stoma)

Wenn alle anderen Maßnahmen versagen oder nicht in Fragen kommen und auch mit Hilfsmitteln das Behandlungsziel nicht erreicht werden kann, kommt ein künstlicher Darmausgang (Stoma) in Frage. Hierbei wird ein Teil des Dickdarms an ein Loch in der Bauchdecke verlegt. Der Darminhalt wird mit einem Beutel aufgefangen, der auf die Haut geklebt werden kann. Wenn möglich, bleibt der untere Teil des Darms im Körper – wenn der Patient nicht mit dem Stoma zurechtkommt, kann er unter Umständen wieder reaktiviert werden.

5. Welche Hilfsmittel gibt es bei Stuhlinkontinenz?

Viele wissen über die vielfältigen Hilfsmittel zur Unterstützung bei Stuhlinkontinenz kaum oder gar nicht Bescheid. Noch immer werden standardmäßig aufsaugende Produkte wie Erwachsenen-Windeln genutzt. Diese haben natürlich ihren festen Platz bei der Behandlung von Inkontinenz. Trotzdem sind in manchen Situationen andere, weniger bekannte Hilfsmittel, besser. Generell können die geeigneten Pflegemittel den Alltag von Betroffenen oft sehr erleichtern.

5.1. Toilettenhilfen

Toilettenhilfen eignen sich für Menschen, die den Stuhlgang noch kontrollieren können, den Weg zur Toilette aber nicht schaffen. Es gibt spezielle Toilettenstühle, die an das Bett gebracht und wie eine Toilette benutzt werden können – für Patienten, die noch sitzen können und für die keine Sturzgefahr besteht.

Bettpfannen eignen sich für Menschen, die nicht mehr aufstehen können. Sie werden unter den Patienten geschoben und wieder herausgeholt. Da in liegender Haltung die Ausscheidung schwieriger ist und einige Patienten die Nutzung als würdelos empfinden, sollten erst andere Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor zur Bettpfanne gegriffen wird.

5.2. Erwachsenen-Windeln

Erwachsenen-Windeln gehören zu den aufsaugenden Hilfsmitteln. Sie eignen sich für eine mittlere oder schwere Stuhlinkontinenz. Moderne Exemplare haben oft einen Feuchtigkeitsindikator, der schon vor dem Öffnen der Windel anzeigt, wie feucht sie ist. So kann das Auslaufen vermieden werden. Außerdem wird der Urin schnell aufgesaugt und Erwachsenen-Windeln sorgen so für ein trockenes Tragegefühl und den Schutz der Haut. Windeln können bei gleichzeitiger Urin- und Stuhlinkontinenz eingesetzt werden. Sie sind einfach anzuwenden und in verschiedenen Passformen erhältlich. Es gibt allerdings auch Nachteile: Bei langen Pausen zwischen dem Wechseln und Hitze können Gerüche entstehen und durch den Kontakt mit Stuhl kann sich die Haut entzünden. Die Wechselintervalle dürfen also nie zu lang sein und die Haut muss stets sehr gewissenhaft gereinigt und gepflegt werden – besonders im Intimbereich und bei Dekubitus-Gefahr.

5.3. Analtampons

Analtampons werden vor allem bei Störungen der Schließmuskelkontrolle eingesetzt. Die Tampons werden ins Rektum eingeführt, verschließen den Analkanal und verhindern so den ungewollten Stuhlverlust. So sind die Anwender auch vor den unangenehmen Begleiterscheinungen wie Geruchsentstehung und der Verschmutzung von Kleidung geschützt. Wenn sie Stuhldrang verspüren und die Toilette aufsuchen möchten, können sie den Tampon einfach mit einem Rückholbändchen herausziehen.
Nicht oder nur nach der Konsultation eines Arztes dürfen die Analtampons verwendet werden bei Morbus Crohn, Dickdarmentzündung, Durchfall, Infektionen, Analfisteln, Allergien gegen das Material oder einer Wunde im Bereich des Rektums.

TIPP DER REDAKTION:

Bevor Sie Analtampons bestellen, sollten Sie beachten, dass diese in verschiedenen Größen erhältlich sind. Sie sollten also zunächst einmal verschiedene Größen testen. Viele Hersteller bieten dazu Test-Sets an, die Tampons in verschiedenen Größen enthalten. So können Sie herausfinden, welche Größe am besten passt. Starten Sie dazu am besten mit der kleinsten Größe.

5.4. Anale Irrigation

Anders als die meisten Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz ist das Ziel der analen Irrigation insbesondere, den Stuhlgang herbeizuführen. Das funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Zuerst wird ein Schlauch in den Anus eingeführt. Über ihn wird Flüssigkeit in den Darm gefüllt – das erhöht den Druck. So wird der Darm automatisch vollständig entleert. Das bedeutet, dass bei regelmäßiger Anwendung eine lange ausscheidungsfreie Zeit erreicht werden kann – bis zu 48 Stunden. Die Irrigation muss bis zu zwölf Wochen lang eingesetzt werden, bis gute Ergebnisse erzielt werden können.

Die anale Irrigation eignet sich neben der Behandlung von Stuhlinkontinenz auch zur Unterstützung bei chronischer Verstopfung. Unter Umständen können durch diese Methode chirurgische Maßnahmen wie zum Beispiel die Anlage eines Stomas vermieden werden. Bevor sich jemand für die Anwendung der analen Irrigation entscheidet, muss das allerdings unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Nicht eingesetzt werden sollte es bei Entzündungen oder Tumoren, bei entzündlichen Darmerkrankungen oder während der Einnahme bestimmter Medikamente.

5.5. Fäkalkollektor

Fäkalkollektoren spielen vor allem in der Pflege eine große Rolle: Sie kommen bei bettlägerigen Patienten oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität zum Einsatz – so können sie eine Alternative zu Windeln darstellen. Sie sind anatomisch angepasste Beutel, die den Stuhl auffangen. Sie werden am After angebracht und leiten den Stuhl in ein Ablassventil weiter. Wenn sie gut halten, können sie ein bis höchstens zwei Tage lang verwendet werden.

Der Vorteil gegenüber Windeln liegt vor allem darin, dass der Kollektor keine Geruchsentwicklung erlaubt, da der Stuhl fest verschlossen ist. Außerdem werden Hautschäden vermieden, da kein Hautkontakt mit Fäkalien vorhanden ist. Allerdings eignet er sich nicht für mobile Patienten – durch Bewegungen kann er leicht verrutschen und undicht werden. Außerdem muss hin und wieder überprüft werden, ob er noch richtig sitzt.

5.6. Stuhldrainage-Systeme

Stuhldrainage-Systeme können nur kurzfristig und nur bei flüssigem Stuhl angewendet werden – sie eignen sich also nicht zur Verwendung bei chronischer Inkontinenz. Vor allem in Pflegeeinrichtungen und bei bettlägerigen Menschen kommen sie zum Einsatz. Dazu wird ein spezieller Katheter in den Darm eingesetzt: er hat einen Ballon, der mit Wasser aufgepumpt wird und sich so im Darm ausdehnt. Der Stuhl wird dann über einen Schlauch in einen Auffangbeutel abgeleitet. Das System ist in der Regel relativ dicht, kann aber verstopft werden. Es sollte eine saugfähige Unterlage verwendet werden.

6. Wer berät bei Stuhlinkontinenz?

Viele kennen nur herkömmliche, aufsaugende Mittel wie Windeln – dabei gibt es heutzutage andere, in vielen Fällen komfortablere und diskretere Mittel. Manche wissen aber nicht, welches für sie das richtige ist. Zum Glück können sie sich beraten lassen.

Laut dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) besteht für Versicherte die Möglichkeit, so lange einzelne Produkte auszuprobieren, bis das für ihre Situation passende gefunden wurde. So kann Art oder Stärke der Inkontinenzhilfe auf den jeweiligen Schweregrad individuell angepasst werden. Außerdem haben Betroffene einen Anspruch auf telefonische Beratung und Einweisung – auf Wunsch kann auch ein Hausbesuch bei dem Versicherten gemacht werden. Dann kann er persönlich in den Gebrauch der Hilfsmittel eingewiesen werden.

Auch private Anbieter beraten bei Stuhlinkontinenz. Oft bieten medizinische Experten auch Anwendungsschulungen an und bleiben mit Betroffenen langfristig in Kontakt, um die bestmögliche Betreuung und Behandlung zu gewährleisten.

7. Wie können Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz finanziert werden?

Inkontinenzprodukte gehören zu den sogenannten „Hilfsmitteln". Sie können also von den Krankenkassen erstattet werden – allerdings nur bei medizinischer Notwendigkeit. Wenn ein Arzt die entsprechenden Produkte verschreibt, können diese von der Krankenkasse erstattet werden.

7.1. Voraussetzungen

Damit die Kosten für Inkontinenzprodukte von der Krankenkasse übernommen werden, müssen folgende Informationen auf dem Arztrezept angegeben sein:

  • Die Diagnose einer Stuhlinkontinenz, die mindestens mittelschwer ist.
  • Den monatlichen Bedarf an Inkontinenzmaterial.
  • Die Art der im Hilfsmittelverzeichnis gelisteten Inkontinenzprodukte.
  • Der Zeitraum, in dem die Artikel voraussichtlich nötig sind.
  • Die medizinische Notwendigkeit für die Verwendung von Inkontinenzmaterialien.

Ist das Rezept vom Arzt ausgestellt worden, können die Versicherten es bei einer Apotheke, einem Sanitätshaus oder einem Vertragspartner der jeweiligen Krankenversicherung einreichen.

Wichtiger Hinweis: Fragen Sie unbedingt schon im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Sie das Rezept bei einem bestimmten Vertragspartner der Kasse einlösen müssen. Wenn Sie es in so einem Fall bei der falschen Stelle einreichen, kann Ihnen der Zuschuss verweigert werden.

Wenn sie das Rezept eingereicht haben, erhalten die Versicherten die Inkontinenzprodukte entweder in der Apotheke, dem Sanitätshaus oder sie lassen sie sich gleich nach Hause liefern.

7.2. Zuzahlung

Alle Versicherten ab 18 Jahren sind dazu verpflichtet, eine Zuzahlung zu leisten. Das bedeutet, sie müssen zehn Prozent der Kosten selbst übernehmen – bis zu einem Höchstbetrag von zehn Euro pro Monat. Falls sie dazu aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, können sie einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung stellen. Dieser wird akzeptiert, wenn die persönliche Belastungsgrenze überschritten wurde: Die entspricht zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens – nach dem Abzug der Freibeträge für Kinder und Ehe- oder Lebenspartner.

Wollen die Betroffenen eine größere Menge oder eine höhere Qualität der Inkontinenzmaterialen in Anspruch nehmen, müssen sie für die Mehrkosten selbst aufkommen.


 

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