Der Zauber einer Dämmerstunde

Autor: ehemaliges Mitglied

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Der eigentümliche Reiz dieser Zeitspanne zwischen Tag und Nacht begleitet mich seit meiner Kindheit. Klirrender Frost zauberte Eisblumen an unsere Fenster. Im alten Küchenherd mühte sich das Feuer beharrlich, Wärme in den Raum abzugeben. Auf dem Herd summte das Wasser im blank geputzten Schiff, und unter der leicht gerußten Decke trockneten an Schnüren hutzlige Apfelringe. Oben auf dem altertümlichen Küchenschrank lag unsere Katze, unbewusst auf Distanz bedacht. Für Fremde musste dieser Platz ungewöhnlich erscheinen, und von uns wagte es niemand, ihn ihr streitig zu machen. Sie war schon alt und hatte sich einige, von uns nie angetastete, Gewohnheitsrechte erstritten. Mit meiner Großmutter verstand sie sich ohne Worte.
Beide verbreiteten Behaglichkeit, die Katze durch ihr sanftes Schnurren und meine Oma durch ihre bloße Anwesenheit. Waren wir als Kinder krank und glühten im Fieber, hatte sie kühle Hände und erfrischenden Himbeersaft. In meiner Erinnerung am tiefsten eingegraben hat sich die eigentümliche Stimmung in der Adventszeit. Wenn verstohlen der Duft frisch gebackener Plätzchen durch die Räume zog, wenn im Ofen Tannenzweige knisternd verbrannten und ihren harzigen Geruch verströmten, wenn am selbst gebundenen Adventskranz die Kerzen angezündet wurden und sich draußen die Dunkelheit unaufhaltsam ausbreitete, dann kam die schönste Stunde des Tages. Die Arbeiten waren beendet und wir erlagen, immer wieder aufs Neue, dem Zauber dieser Stunde, der Stunde unserer Oma. Wir aßen mit Begeisterung etwas zu dunkel geratene Plätzchen, hörten gespannt ihren Kindheitserinnerungen zu oder sangen mit Inbrunst: “Schneeflöckchen - Weißröckchen” bis sich der Himmel erbarmte und zarte Flocken herab rieseln ließ. Vergeblich habe ich in späteren Jahren versucht, diesen Zauber wieder zu finden, ihm noch einmal zu erliegen. Er war unwiederbringlich vorbei. Unsere Zeit ist nicht ausgerichtet auf Gefühle, sondern auf Ehrgeiz und Geld. Von beiden hatte meine Oma nur das Nötigste... Wenn ich heute die Möglichkeit habe, mich in der Vorweihnachtszeit zurückzuziehen und bei Kerzenschein dem schwinden Licht nachzuschauen, sehe ich sie manchmal auf ihrem Samtsofa sitzen und unsere Katze streicheln, und dann streift mich wie ein Hauch:

“Der Zauber einer Dämmerstunde.”

Der eigentümliche Reiz dieser Zeitspanne zwischen Tag und Nacht begleitet mich seit meiner Kindheit. Klirrender Frost zauberte Eisblumen an unsere Fenster. Im alten Küchenherd mühte sich das Feuer beharrlich, Wärme in den Raum abzugeben. Auf dem Herd summte das Wasser im blank geputzten Schiff, und unter der leicht gerußten Decke trockneten an Schnüren hutzlige Apfelringe. Oben auf dem altertümlichen Küchenschrank lag unsere Katze, unbewusst auf Distanz bedacht. Für Fremde musste dieser Platz ungewöhnlich erscheinen, und von uns wagte es niemand, ihn ihr streitig zu machen. Sie war schon alt und hatte sich einige, von uns nie angetastete, Gewohnheitsrechte erstritten. Mit meiner Großmutter verstand sie sich ohne Worte.

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