die Anfänge meiner Computeritis

Autor: ehemaliges Mitglied

Ich weiß nicht mehr in welchem Jahr - spätes 20 Jh. - unsere Abteilung ihren ersten Dienst-PC bekam. Doch ich weiß recht gut, wie ich nach anfänglicher Skepsis auf das herrliche Spielzeug abfuhr!

Ich hatte mich frühzeitig mit der Mausklickerei vertraut gemacht und spielte 1. mit Begeisterung Solitär - die anspruchslose Variante, weil ich nicht denken, sondern nur nervöse Klicksucht abreagieren wollte.
2. änderte ich mit noch mehr Begeisterung pausenlos das Design. Desktophintergrund, Schriftfarben, Leistenfarben, …einfach alles, was sich ändern lässt.

Irgendwann musste es ja passieren: ich hatte ALLE FARBEN AUF WEISS geändert, auch die gesamte Schrift in sämtlichen Menues, Leisten, Hinter- und Vordergründen…Es war absolut nichts mehr zu lesen da, und anklicken konnte man nur Zufälliges.

Ich war natürlich alleine im Büro und musste erstmal meine Panik niederkämpfen, weil ich glaubte, alles gelöscht zu haben.
Zum Glück konnte ein Praktikant aus einer anderen Abteilung meinen Klops wieder rückgängig machen, so dass ich wenigstens beruhigt nach Hause fahren konnte!

Es war kurz bevor wir das “richtige” Internet bekamen: Unsere Uni hatte eine Pinnwand für Studenten eingerichtet, wo die jungen Leute unter Pseudonymen - heute sagt man “Nicks”- Beschwerden, Anregungen, witzige Texte und allerlei Briefchen miteinander austauschten.
Ich habe mich von Beginn an daran beteiligt. Erst mit der edlen Absicht, den Studierenden unter die Arme zu greifen, zunehmend dann aber einfach, um mit ihnen zu flaxen!

Ich weiß nicht mehr, welchen Nick ich hatte; ich glaube es war “Molto lamentoso”. Nach einer Weile war klar, dass alle mich für ein männliches Wesen hielten. Es war von mir nicht Absicht, aber ich habe auch nicht widersprochen. Bei den Studentinnen war meine Schreibe recht beliebt, aber von den Jungs gab es häufig herbe Rüffel, auf die ich aber immer ruhig und höflich antwortete - innerlich amüsiert, da ich dahinter eine Art Eifersucht vermutete.

Heute würde man sagen, ich habe mich damals als “Troll” betätigt. Man nennt es auch “Gender switching”. Ich fand es recht harmlos.

Und harmlos blieb es auch, als ich mit einer “Annika” korrespondierte, die mir einen skandinavischen Männernamen gab, ich glaube “Sven”. Von ihrer Seite aus war es ebenso unernst gemeint, wie von meiner. Die Studenten und Studentinnen verfolgten und kommentierten unsere Post. Es war wahnsinnig komisch. Dann fand ich es irgendwann nicht mehr ganz koscher, und ich outete mich, was für die Studentinnen ziemlich enttäuschend gewesen sein muss. Bei der Gelegenheit zeigte sich zum Amüsement aller Kollegen, dass Annika auch eine Kollegin war! Noch witziger wär gewesen, wenn’s ein männlicher Kollege gewesen wär.

Dann kam das Internet! Damals noch spärlich, aber im Laufe der Jahre immer reichhaltiger!

Zuerst trat ich einer Vogelmailingliste bei, wo es meistens um Wellensittiche, aber auch um andere Vögel ging. Interessante und nette und sehr humorvolle Leute lernte ich dort kennen!

1988 war mein Freund gestorben und ich hatte etliche Tonbandstimmeneinspielungen gemacht, teils mit Erfolg, hatte dies aber aufgegeben, weil ich 1. Keine Stimmen mehr erhielt, und 2. Der Zeitaufwand zu groß war.

Aber ich veranlasste die Gründung einer Tonbandstimmenmailingliste. Auch dort war viel los, und die Leute, die dort diskutierten, wahnsinnig interessant. Für mich war auch immer ein bisschen Flaxerei und Späßkes dabei, wohl hier und dort auch unterschwelliges Flirten.

Das Ganze musste natürlich in meinen Mittagspausen stattfinden, und natürlich niiiiieeeee (*rotwerd*) während der eigentlichen Arbeitszeit!
Mittlerweile hatten wir aber erst 2 - später dann für jeden einen - Rechner zur Verfügung. Obwohl unsere, besonders meine eigentliche Arbeit, die Eingangskontrolle von Zeitschriften und Rechnungsbearbeitung, zu der Zeit noch nicht am PC erfolgte, hatte ich doch einige andere Aufgaben am PC, u.a. vertretungsweise Änderungen an der Homepage sowie Anfragen an Verlage wegen kostenloser Online-Zugriffe auf Zeitschriftenartikel.

Während des Urlaubs oder in Krankheitszeiten hatte ich keinen PC zur Verfügung. Damals hatte ich richtige Entzugs-Träume. Die sahen meistens so aus: Ich saß vor einem RIESENHAUFEN zu bearbeitender Zeitschriftenhefte. Der Haufen versperrte mir den Weg zu - nicht aber die Aussicht auf - einen fast raumfüllenden Monitor, auf dem bunte Bildschirmschonerbildchen umherhuschten!
Irgendwann aber war es immer soweit: ich hatte mich durch die Arbeit durchgekämpft und saß vor erwartungsvoller Erregung zitternd vor meinem Lieblingsspielzeug! Und dann, ja was dann?!!!

Dann tat sich natürlich das, was sich nicht nur im Traum immer wieder tut: nämlich GAR NIX! Also sowas wie “Error-Meldungen” Oder das Gerät entpuppte sich als Kaffeemaschine. Jedenfalls kam ich nicht in meine Mails.
Und ich wachte frustriert auf!

Später bekamen wir dann ein funktionsfähiges Programm für alle Arbeitsgänge in der Unibibliothek. Da saß ich dann den ganzen Tag vor meinem Spielzeug, das zunehmend den Charakter eines Arbeitsmittels annahm - m.a.W. langweilig wurde, wenn ich nicht gerade in meinen Lieblings-Internetforen rumklickte - in den Pausen, versteht sich!!! Wobei ich wieder etwas rot werde...





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Kommentare (1)

elise52 toi toi toi, bis jetzt kann ich nicht mitreden wenn der compi mal ausfällt. liebe ilse ich glaube es dir ganz ehrlich, du hast wirklich nur in den pausen opi besucht. ähm, wie lange waren deine pausen eigenlich ...

lg gerda

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