Junggeselle als Engel


Junggeselle als Engel

Wo steht geschrieben, daß wir Engel geschlechtslos sein müssen?
Da hat wahrscheinlich irgendeiner etwas falsch verstanden. Vielleicht war das der Verwalter der Kleiderkammer im Himmel?
Natürlich ist es einfacher, wenn alle die gleichen Hemden tragen, denn Anzüge, Hemden, T-Shirts oder modische Kleidung immer in den richtigen Größen lagernd zu haben, ist ein organisatorisches Problem.
Da ist es einfach, wenn alle die gleichen weißen, weiten Hänger tragen, mit dem Schlitz hinten für die Flügel, statt einem Schlitz auf der Seite, um die Beine der weiblichen Engel so richtig zur Geltung zu bringen.Oder?
Überhaupt die Sache mit den Flügeln! Wozu brauchen denn Engel Flügel? Sie stören in manchen Situationen sehr und wenn man sehr erregt ist, dann flattern sie ganz gewaltig!
Denn wo steht denn, daß ein Engel nicht manchmal erregt ist? Schließlich ist ja nur der Körper gestorben, aber die Gefühle blieben bei der Seele, denke ich mir halt so.
Und so ein neuer Körper entwickelt ja schließlich auch Gefühle. Ob man nun in jungen Jahren abberufen wird, oder etwas später.
Im Gegenteil, wenn man in späteren Jahren zum Engel wird, da hat man ja eine Menge Erinnerungen an manch schwachen Stunden, die ganz schön erregend waren, oder?
Und das kann man doch nicht einfach so wegstecken und vergessen.
Wenn ich mich da so umsehe im Himmel, sind da schon ein paar auffällig schöne Menschen in Engelsgestalt unterwegs.
Der Jüngling dort, mit den breiten Schultern, dem sanft geschwungenen Hals und der Lockenpracht, die ihm ein wenig in die Stirn fällt, ist schon sehr schön anzuschauen. Oder dieses Prachtweib! Eine Frau mit einem wiegenden Gang, dem weichen Schwung ihrer Hüften und den sich vorgewölbten Busen unter dem Hemdchen regt schon zu unglaublich fantasievollen Gedanken an. Die sich durch den Stoff absetzenden Brustspitzen sollten doch bei Berührung genug Feuerwerk in ihr erzeugen, daß sie........ naja!
Ja, und bei diesen Gedankengängen da sind wir wieder bei diesen unpraktischen Flügel, die sind sicher dauernd im Weg! Egal welche Lage man sich da vorstellt.
Ob die kleine blonde, mit der Lockenpracht und dem Grübchen im Gesicht mit mir vielleicht dort zu der letzten Wolke fliegt und wir ein wenig über die Blumen und die Bienen reden könnten?
Eigentlich fehlt hier heroben etwas. Es fehlt einfach die Intimsphäre des Einzelnen. Man kann sich da nirgends zurückziehen um vielleicht zu zweit, oder gar zu dritt, naja warum nicht, alleine zu sein.
Naja, irgendwo wird das schön möglich sein, das muß ich mir ganz oben auf meine Prioritätenliste für persönliche Erkundigungen setzen. Denn Irgendwas geht immer! Eine alte Junggesellenweisheit.
Eigentlich könnte ich ja noch leben! Wenn der Kary, mein Nachbar und Freund nicht so unvorhergesehen nach Hause gekommen wäre und mich mit seiner Frau beinahe im Schlafzimmer überrascht hätte, würde ich das ja noch.
Ich meine, wir haben ja nichts Verbotenes getan. Sie hat mir den dunklen Fleck am Plafond im Schlafzimmer gezeigt, der seit einigen Tagen sichtbar ist. Ich wollte mir das in der Nähe anschauen und mußte daher auf das Bett steigen. Mit Schuhen geht das ja schlecht! Also habe ich sie ausgezogen, um aber genug Bewegungsfreiheit zu haben mußte ich auch die anderen Sachen ausziehen.
Dann hat mich seine Frau, übrigens eine sehr erotische Frau, gebeten, ihr rückwärts beim Kleid den Knopf aufzumachen, weil sie bei der Gelegenheit gleich was Leichteres anziehen wollte.
Ja und als wir so ganz ohne, nur mit Slip bekleidet im Schlafzimmer standen, kam Kary.
Die Situation war peinlich, ich wollte dann draußen am Fenstersims warten, bis sich die Gelegenheit ergab, zu verschwinden.
Doch Kary kam sofort ins Schlafzimmer und blieb auch dort. Nach fünf Minuten kam seine Frau ans Fenster und warf alle meine Sachen in den Hof. Naja, man hörte es kaum, es lag ja ein Meter Schnee. Irgendwann in den Morgenstunden bin ich dann, steif gefroren und ganz blau den Sachen in den Hof gefolgt. Man hat mich erst in der Früh gefunden. Alle sagten, es sei ein rätselhafter Tod, wo doch meine Fenster die zum Hof führten, alle geschlossen waren.
Da hätte ich Flügel gebraucht, nicht jetzt!
Daß ich unschuldig bin, sieht man ja daraus, daß ich im Himmel gelandet bin. Ich habe aber auch nichts zugegeben, alles bestritten. Das ist immer besser.
Also mit der Kleinen dort wird es scheinbar nichts werden, Sie ist gerade mit dem schönen Jüngling davon geflogen. Ist nur die Frage, ob der sich mit seiner Jugend mit den Blumen und den Bienen auskennt?
Da war doch noch dieses Prachtweib? Wo ist die denn hin gekommen?
Wieso schaut mich denn der ältere Engel dort so böse an und schüttelt dauernd den Kopf und notiert sich was?
Wahrscheinlich wäre er auch gerne mit dem Prachtweib verschwunden. Da muß ich mich ranhalten.


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Kommentare (2)

eigentlich wollte ich ja in die werbeabteilung der hölle - aber nun muss ich nochmal überlegen.
du kannst witzig und spannend erzählen, joana. immer wieder mal lese ich eine deiner geschichten. es macht spaß. günter

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