Pokémon Go - nicht nur für Spieler ein spannendes Beispiel für "erweiterte" Welten (augmented reality)


Ich habe hier bereits öfters zu dem Thema "augmented reality" geschrieben, s. z. B. Future history, oder Augmented Reality konkret - Vergleich der iPhone-Apps Wikitude, Layar und Junaio[/url].

Nun hat seit knapp einem Monat das Spiel Pokémon Go einen einmaligen, den Globus umspannenden Siegeszug hinter sich und lehrt uns anschaulich, was wir in Zukunft von der Technik der "erweiterten" Welten zu erwarten haben.

Ich werde das Spiel kurz beschreiben, um die Verallgemeinerung verständlich zu machen, um die es mir in diesem Blogbeitrag eigentlich geht: Die "Realität" wie wir sie mit unseren Sinnen erleben werden, wird immer vielschichtiger werden und davon beeinflusst sein, mit welchen "Hilfssensoren" wir uns durch die reale Welt bewegen.

1. Das Prinzip des Pokémon Go Spiels

Der Spieler muss möglichst viele Arten der Fabelwesen, "Pokémons" genannt, mit seinem Smartphone einsammeln. Dies gelingt ihm nur, wenn er in die reale Welt hinausgeht. Dazu verfügt das Spiel über GPS-Anbindung und ein rudimentäres Navigationssystem, welches alle Straßen und Wege (und seien sie noch so klein) in 2D darstellt. In dieser flachen Welt, in der sich die Pokémons versteckt haben, bewegt sich der Avatar des Spielers (seine Spielfigur). Überall kann der Spieler auf Pokémons treffen. Das kann allerdings auch schon einmal vor dem eigenen PC sein

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Das Pokémon [i]Krabby
versucht mich am Schreiben dieses Artikels zu hindern

Die Werkzeuge zum Einfangen der Pokémons, sogenannte Pokébälle, die auf den Pokémon zu werfen sind, sind bald verbraucht. Der Spieler kann sich an sogenannten Pokéstops kostenlos neue holen. Diese Pokéstops sind wichtige Anker zur realen Welt und an historische Gebäude, Kirchen, Kapellen, Moscheen, ganz allgemein an Sehenswürdigkeiten gekoppelt. Aber auch viele Geschäfte, z.B. alle MacDonalds Filialen in Japan sind Pokéstops. Dies ist eine der Einnahmequellen der Spielemacher, eine andere ist die Möglichkeit für Spieler, sich vorteilhafte Ausrüstung in einem "Store" zu kaufen. Mit Geld alleine, wenn man zu faul ist, sich die kostenlose Ausrüstungsergänzung an den Pokéstops zu erlaufen, kommt man jedoch nicht weiter, man muss sich bewegen. Will man z. B. Pokémon Eier erfolgreich ausbrüten, muss man 2-10 km pro Ei gelaufen sein.

Zum Erfolg des Spiels tragen sicherlich auch die Kampfarenen bei, in denen die Pokémonspieler ihre Pokémons gegeneinander kämpfen und trainieren lassen können. Auch diese Kampfarenen stehen an geografisch hervorgehobenen Positionen. Bei uns in Merzhausen z. B. sinnigerweise auf dem Hof der katholischen Kirche.

2. Das Prinzip der überlagerten Welten - der Harry Potter Effekt

Anhänger eines dualistischen Weltbildes wie z. B. gläubige Christen oder Muslime oder Harry Potter Anhänger haben kein Problem mit der Annahme, dass außerhalb unserer realen Welt noch eine andere unsichtbare existiert. Pokémonspieler erfahren dies nun sinnlich, wobei das Smartphone die Rolle des notwendigen Wahrnehmungsapparates übernimmt.

3. Wird es bei der Überlagerung von Spielewelten bleiben

Mitnichten. Das Pokémonspiel ist nur ein Beispiel dafür, was uns in Zukunft erwartet. Jeder Punkt der realen Welt kann als Auslöser für das Abrufen vielschichtiger Informationen benutzt werden. Welche Informationen dies sein werden, wird davon abhängen, welches Programm wir eingeschaltet haben. Wie bereits in meinem Artikel Augmented Reality konkret - Vergleich der iPhone-Apps Wikitude, Layar und Junaio dargelegt, können diese Informationen sehr nützlich sein. Es besteht jedoch auch die große Gefahr der privaten, sozialen und politischen Manipulation.

Denken wir uns die Entwicklung der Technik weiter, die wohl bald dazu führen wird, dass Kommunikationschips direkt ins Gehirn eingepflanzt werden [u]können
(damit unseren Hände wieder frei werden), ist der Schritt zur kompletten Fernsteuerung von Menschen durch eine Zentrale denkbar, bei dem nach dem Ersatz der "augmented reality" durch komplette virtuelle Welten sogar ein Zustand wie in dem Film Matrix möglich wird, in dem die Menschen, in einer Nährlösung liegend, in eine virtuelle Welt komplett eingetaucht sind und sich dort vergnüglich bewegen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass in Szenarien einer "erweiterten Realität" Menschen manipuliert werden, bestimmte Gebiete zu meiden und andere aufzusuchen o.ä. und dass viele Menschen die Grenze zwischen physikalisch erfahrbarer Realität und virtueller Wahnvorstellung nicht erkennen werden.

4. Warum ist die Virtualität so überzeugend

Unsere ureigene menschliche Wahrnehmung ist virtuell. Sie entsteht in unserem Gehirn und ist extrem selektiv. Unsere Sinnesorgane nehmen nur winzige Ausschnitte dessen wahr, was um uns vorgeht. Um z. B. Radiowellen wahrzunehmen brauchen wir Radioempfänger, die die unsichtbaren Wellen in hörbare Luftschwingungen umwandeln. Diese Luftschwingungen sind etwas völlig anderes als die Tonempfindungen, die sie in uns auslösen.

Das Smartphone oder die Chips im Gehirn (Cochlea-Implantate sind schon real) können als Erweiterung des Sinnenspektrums verstanden werden. Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, war schon immer davon bestimmt, wie wir sinnesmäßig ausgestattet sind und welches (Denk-)Programm wir angeschaltet haben. In Zukunft werden wir uns nicht nur biologisch, sondern auch technisch unterscheiden. Die Differenzierung zwischen Traumwelt und realer Welt wird schwieriger werden.

Karl

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