Forum Kunst und Literatur Fernsehen und Film SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH

Fernsehen und Film SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH

karl
karl
Administrator

SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von karl
Für alle Diskutanten in dem (Längenrekord-)Thread "Second Life" wäre dieser Film eigentlich ein Muss. In SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH ist der Avatar nicht einfach nur eine Computerfigur in der Virtualität, sondern eine Robotmaschine, die meinem Ich jugendliche Schönheit und maschinenmäßige Robustheit in der sogenannten Realität verleiht. Gesteuert wird der Avatar von seinem Besitzer am Sofa.


Diese Zukunftsversion ist nicht revolutionär, sondern die konsequent gedachte Weiterführung existenter Techniken. Der Film - voller Action - ist deshalb auch Anlass zu einer Reflexion unserer Gesellschaft!

Quo vadis, homo?

Streaming-Links

gross:
http://streaming.wdsmp-content.de/511de362d973098ed2f2d51397ccbb0b20065da5.mov
http://streaming.wdsmp-content.de/71f03008c0f46406e9678bf702872d84fc4b5cb7.wmv

http://streaming.wdsmp-content.de/538d983caa8dca061036a3a7ea6efc655352e21b.rm

http://streaming.wdsmp-content.de/a16369c60563d6c921affd872d7873b36614d935.flv



Auf YouTube zu finden unter: http://www.youtube.com/watch?v=ZQQnZoIxWyY


Noch ein YouTube Link: http://www.youtube.com/watch?v=E5peZpEeIQs

miriam
miriam
Mitglied

Re: SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von miriam
als Antwort auf karl vom 21.01.2010, 22:49:31
Quo vadis homo?
Wenn man sich einige Szenen ansieht in den Links zu Surrogates, dann in eine Welt die ins Nirgendwo führt.

Dabei bedeutet das Wort surrogate, bezogen auf das Ich - nicht mein zweites ich, sondern ein Ersatz-ich, ein Stellvertreter-Ich.

Nun bleiben wir doch erstmal bei der nicht korrekten Übersetzung – zweites Ich:
das wäre ja im Trend der Zeit, und endlich fände sich dadurch ein Fahrer für den Zweitwagen, ein Bewohner für die Zweitwohnung, usw.

Persönlich, kehre ich lieber zurück zu einem, der sich auf die Suche nach dem Sinn seines Weges in dieser Welt machte, der versucht hat dieses komplizierte eigene Ich zu entziffern:


Spaziergang

Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So fasst uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an -

und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,
in jenes, das wir kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen ...
wir aber spüren nur den Gegenwind.

Rainer Maria Rilke


Gruß von Miriam

Re: SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von meli
als Antwort auf miriam vom 22.01.2010, 07:50:03
Guten Morgen Karl,

natürlich habe ich noch nicht alles angesehen, den Film nicht und auch noch nicht alle Links.

Was mir aber sofort bei dem You tube Ausschnitt mit Übersetzung auffiel ist folgende Aussage:

Nicht der Mensch hat die Angst - sondern die Maschine. D.h. für mich, dass der Mensch seine Ängste abspaltet und nach außen verlagert.
Und hier sind es wohl die qualitativen Merkmale,
also angenehme und unangenehme Gefühlen.
Weg mit den schlechten - sie sollen nichts mit mir zu tun haben. Die angenehmen Gefühle werden wohl eher der eigenen Person und nicht dem Roboter zugeordnet.

Meine berufliche Tätigkeit geht dahin, den Menschen sich in seiner Ganzheit erleben zu lassen, daher z.B. auch nicht davon zu sprechen:

".....man gerät ja durch dieses oder jenes in Versuchung"......

sondern zu führen in:

"ich gerate dadurch in Versuchung......",

d.h.dass ich bei letzterem Sprachgebrauch alle Verantwortung für mein Tun und Lassen übernehme, nichts abspalte.

Natürlich ist auch Kino Medienwelt, auch dieses dient dazu, Menschen einzustimmen, ist ein Teil der Werbung, ein Stimmungsmacher, ein Warner, ein Wegbereiter.

Dazu gehört das gedruckte Wort, die gemalten Bilder - Ein Beispiel für eine sehr tragische Beeinflussung ist für mich
Goethes "Die Leiden des jungen Werther".

Wir diskutierten neulich erst in der Klinik darüber, wie sehr dieser Roman die Todesbereitschaft gesenkt hatte.
Die Sogwirkung eines Suizids ist ungebrochen, und das gilt auch für die anderen sozialen Bereiche.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, umgangssprachlich ausgedrückt, er befindet sich in einer Herde.
Und es ist für mich eine Frage des Führen und Folgens, wie weit ich mich persönlich beeinflussen lasse oder bereit bin, auch Nein zu sagen.
Weißt Du Karl, man kann mir immer wieder sagen:
Du, Meli, die Zukunft hat bereits begonnen und ich werde antworten: Ich für meinen Teil lebe gern in der Gegenwart.

Und hier lese ich - angestoßen durch deine Themeneröffnung und den Bogen, den ich hier für mich spanne - eben Spiegel online, in dem es um die Verknüpfung von Forenwelt und Suizid bei jungen Menschen geht.
Das ist erschütternd, mir aber durchaus bekannt.

Nächste Woche ist freie Zeit für mich. Ich werde ins Kino gehen, Cola und Popcorn als Muss, meinen Patienten begegnen, die wenigstens schon 3 x in Avatar waren - und mir ein richtig eigenes Bild verschaffen.

Aber ich wollte diese Gedankengänge jetzt nicht allein mit mir herumschleppen, sondern "nach außen bringen".

Also, ich bin dann jetzt erstmal wech, komme aber sicherlich wieder.

LG
Meli

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Re: SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von meli
als Antwort auf meli vom 22.01.2010, 08:05:50
Sorry, der link fehlte noch !
karl
karl
Administrator

Re: SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von karl
als Antwort auf meli vom 22.01.2010, 08:08:19
Du, Meli, die Zukunft hat bereits begonnen und ich werde antworten: Ich für meinen Teil lebe gern in der Gegenwart.
geschrieben von meli
Wir können nur in der Gegenwart leben. Ich zitiere hier einmal Augustinus:
Es gibt keine Zukunft und keine Vergangenheit (...). Es gibt nur die Gegenwart der Vergangenheit, die Gegenwart der Gegenwart und die Gegenwart der Zukunft. Diese drei Dinge erblicke ich in meiner Seele, aber ich kann sie nicht unabhängig sehen: Die Gegenwart ist die Erinnerung an Vergangenes, die Gegenwart ist die Wahrnehmung der Gegenwart und die Gegenwart ist die Erwartung der Zukunft.
geschrieben von Augustinus, Confessions, Book 11, Chapter 20, übersetzt von mir
Ich finde, dass dies sehr weise Worte sind.
Avatare werden das Erlebnis der Gegenwart intensivieren. Wir werden im realen New York (nicht nur in dem virtuellen) spazieren gehen können, ohne uns zuhause von der Stelle zu bewegen. Darin liegt Faszination und selbstverständlich auch Gefahr. Wer sich ausschließlich dem Avatarleben hingeben wird, muss verhungern - und vielleicht nicht nur körperlich.

Spannend ist die Entwicklung aber allemal und nur negative Seiten kann ich darin nicht erblicken. Ähnliches "wir werden in New York spazieren gehen können und doch zuhause sein" (sinngemäß zitiert) habe ich hier schon vor Jahren einmal geschrieben. Ich kann es im Moment nur nicht wieder finden.

Beste Grüße, Karl
Re: SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH
geschrieben von meli
als Antwort auf karl vom 22.01.2010, 08:36:07
Danke Karl, für die schnelle Reaktion. Da will auch ich, fast in Hut und Mantel, noch einmal zur Tastatur greifen.

Und ich versuche einmal, meine Gedanken zu Deinem Zitat zu fassen:
Also, grob gesprochen:
Der Mensch hat den Kalender und die Zeitbestimmung erfunden.
Es gibt gestern, heute und morgen.
In dieser Reihenfolge wird gelebt, ergibt in der Fülle das gesamte Erleben eines Individuums.
Und aus diesem heraus agiere, reagiere ich.
Doch:
selbst wenn ich mich erinnere, befinde ich mich im kalendarischen Heute, aber vielleicht im Gestern von vor 20 Jahren, welches natürlich damals das Heute darstellt und die Erinnerung im Hier und Jetzt erlebt wird.
Und ein gleiches geschieht bei Träumen in die zukünftige Lebensgestaltung hinein.
Dies geschieht immer hier, in der Gegenwart.
Aber ich bleibe mir dabei immer in meiner Gesamtheit erhalten.
Sehr verquer ausgedrückt oder nähern wir uns dort an?
Wenn ich falsch verstanden habe, dann berichtige mich bitte.
Es wäre mir wichtig.

Ein gelebter Tag ist ein gelebter Tag. Er ist nicht zu wiederholen oder darin Geschehenes zu berichtigen.
Ich kann hier nur verändern (editiert: für die Zukunft), indem ich nachdenke, mein Verhalten ändere z.B. mich entschuldige, wenn ich irgendo etwas verkehrt gemacht oder verletzt habe.
Wie sieht das in der Welt der Zukunft aus, wenn ich alles per Knopfdruck vom Sofa aus regele?

Ich bin allerdings nach wie vor der Meinung, dass alles was getan wird, besser ist, als auf dem Sofa zu schimmeln - mit diesem Satz wiederhole ich mich, der fiel schon in der Vergangenheit.

Ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich alles, was die Zukunft bringen wird - und das ist noch nicht gelebtes Leben - verteufele.
Das ist nicht mein Bestreben.

Ich führte durchaus bereits aus, dass es gesellschaftliche Gruppen gibt, für die diese Zukunftsmusik ein weites Feld sein kann.
Ich denke dabei an all die Menschen, die ihr Heim nicht mehr verlassen können.

Und die hoffentlich die Möglichkeiten haben, diese Zukunft finanziell und technisch so zu gestalten, dass sie daran teilhaben können.
Der größte Teil dieser Gruppe wird das wahrscheinlich nicht können.
Und ich begrüße die Möglichkeit, dass vielleicht einmal aufgrund dieser Entwicklung die Umwelt geschont wird, durch die von Dir ebenfalls schon einmal angesprochene Möglichkeit von Konferenzen etc.

Aber die Gefährdung durch das Netz ist eine Tatsache. Und es muss darauf aufmerksam gemacht werden, Bewußtsein gebildet werden. Es sind doch wohl wahrscheinlich weniger die "Alten", die verführbar sind in alle möglichen Richtungen, sondern es sind die Jungen, die diesen Weg gehen könnten bzw. dies ja bereits in einem großen Umfang tun.

Es wird Zeit, hohe Zeit, dass darauf aufmerksam gemacht wird - ohne Verteufelung der Technik.
Die Technik kann nichts für das, was der Mensch mit ihr anstellt.
Allerdings stellt sich die Frage für mich, ob alles machbar sein muss, was machbar sein kann - und wo der Schutz für die Schwächeren beginnt?

"Quo vadis, homo" war die Frage.
Ich mache lediglich auf die Gefahren aufmerksam, so wie ich sie aus meinem Sein heraus sehe.

Und Dein Hinweis darauf, dass, wer ausschließlich über Avatare leben will verhungert, zeigt mir, dass wir nicht so weit mit unseren Auffassungen auseinander liegen, wie ursprünglich angenommen.

So und nun renne ich wirklich!

LG Meli

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