Alltagshilfen Assistenzsysteme

Assistenzsysteme für mehr Selbstständigkeit im Alltag

Unabhängigkeit, Flexibilität und Sicherheit in den eigenen vier Wänden – der Wunsch vieler auch im höheren Alter. Assistenzsysteme erleichtern mit einer Vielzahl an individuell anpassbaren Unterstützungsangeboten die selbstbestimmte Gestaltung des Alltags. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Bevölkerung Deutschlands zunehmend älter. Sowohl das Renten- als auch das Gesundheitssystem müssen künftig eine große Herausforderung bewältigen. Assistenzsysteme tragen nicht nur zur Entlastung der Pflegeheime und Krankenhäuser bei, sondern ermöglichen dem Pflegebedürftigen einen Lebensabend zuhause.

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1. Was sind Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL)?

2. Was können AAL-Systeme?

2.1 Bewegungssensoren

2.2. Automatische Gerätesteuerung

2.3. Notruf- und Erinnerungsfunktion

3. Was leisten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) für Demenzerkrankte?

3.1. Tablettenbox mit Sensor und Erinnerungsfunktion

3.2. Sensoren im Haushalt

3.3. Rauchmelder

4. Wie werden Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) bedient und angepasst?

5. Wie können Nutzer durch Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) mit Angehörigen kommunizieren?

6. Welche Vorteile bieten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL)?

7. Was kosten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL)?


1. Was sind Assistenzsysteme/Amblent Assisted Living (AAL)?

Die Selbstständigkeit der älteren Generation zu fördern, ist das Ziel der Hersteller von Assistenzsystemen. Der Einsatz von Ambient Assisted Living-Technologien (kurz: AAL) ermöglicht und unterstützt ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Heim. Im Deutschen steht AAL für Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben. AAL-Systeme stellen für Angehörige eine Alternative dar, die vor der Frage stehen, ob sie ihren Eltern oder Großeltern den Auszug aus dem eigenen Zuhause ersparen können. Mittels verschiedener Einsatzmöglichkeiten können es AAL-Systeme älteren Menschen erlauben, mit Hilfe von Technologien in ihrer gewohnten Umgebung selbstbestimmt, autonom und mobil zu leben. Dies gilt ebenso für Personen mit physischen Beeinträchtigungen. Auf diese Weise wird neben der Entlastung des Renten- und Gesundheitssystems auch dem Wunsch vieler Menschen nachgekommen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu wohnen.

2. Was können Assistenzsysteme/AAL-Systeme?

Im Allgemeinen umfasst das AAL-System sämtliche Methoden, Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die die Nutzer in ihrem Alltag unterstützen und damit deren Lebensqualität erhöhen. Insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Komfort und Unterhaltung dienen Assistenzsysteme als Unterstützung zu mehr Unabhängigkeit.

2.1 Bewegungssensoren

Beispielsweise überprüft das System die Bewegung und Aktivität des Bewohners innerhalb des Hauses. Dazu nehmen Sensoren in Bodenbelägen oder Matratzen wahr, ob eine Person für längere Zeit aufgrund eines Sturzes auf dem Boden oder wegen Unwohlsein im Bett liegt. Sensoren können an verschiedenen Stellen im Haus angebracht sein, wie beispielsweise in der Dusche, an Decken und Wänden. Bei Auffälligkeiten werden Angehörige, Nachbarn oder die zuständigen Pflegekräfte benachrichtigt.

2.2 Automatische Gerätesteuerung

Weitere Einsatzmöglichkeiten von Assistenzsystemen stellen die Beleuchtungs-, Raumtemperatur- und Rollladensteuerung dar. Entsprechend der Gewohnheiten des Bewohners werden automatisch Lampen, Heizung und Elektrogeräte ein- oder ausgeschaltet. Im Übrigen bemerken ALL-Systeme, ob im Bad das Wasser überläuft, die Haustür für längere Zeit offensteht oder sich Rauch in der Wohnung entwickelt. Assistenzsysteme können außerdem an das Messen des Blutdrucks oder die Einnahme von Tabletten erinnern.

2.3 Notruf- und Erinnerungsfunktion

Ältere Menschen bekommen häufig Angst, wenn sie sich unwohl fühlen und dabei alleine zuhause sind. AAL-Systeme können Senioren das Gefühl von Sicherheit in gefährlichen Situationen vermitteln. Neben der automatischen Notfallerkennung erinnert das System darum den Bewohner, eigenständig gesundheitliche Werte wie Blutzucker, Bluthochdruck und Gewicht zu messen und Medikamente einzunehmen. Sind die Werte bedenklich, gibt das System dem Bewohner darüber Auskunft. Die gespeicherten Werte können auf Wunsch an einen Arzt oder Pflegedienst weitergeleitet werden. Können der Arzt oder die Pflegekraft in solchen Situationen nicht persönlich erscheinen, besteht die Möglichkeit, Kontakt über ein Videotelefonat aufnehmen. Mit einer Sprachsteuerung am Telefon kann der Senior Angehörige anrufen, ohne Telefonnummern eingeben zu müssen.

TIPP DER REDAKTION:

Eine Notruf-Armbanduhr kann außerhalb des Zuhauses den Hausnotruf sinnvoll ergänzen. Bei Betätigung des Knopfes an der Uhr wird eine Vertrauensperson benachrichtigt, die anschließend den Notruf absetzt oder einen Arzt bzw. Pflegedienst kontaktiert.

3. Was leisten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) für Demenzerkrankte?

Insbesondere für demenziell erkrankte Personen kann es hilfreich sein, wenn sie an die Einnahme von Medikamenten oder das Messen des Blutdrucks erinnert werden.

3.1 Tablettenbox mit Sensor und Erinnerungsfunktion

Ein Sensor an der Tablettenbox mit Erinnerungsfunktion registriert das Öffnen der Box und macht sich bemerkbar, wenn die Tabletten nicht zur gewohnten Zeit eingenommen wurden. Auch für die Angehörigen ist es beruhigend zu wissen, dass sie benachrichtigt werden, sobald Sensoren feststellen, dass im Haus etwas nicht stimmt.

3.2 Sensoren im Haushalt

AAL-Systeme kooperieren miteinander. So stellen sie zum Beispiel fest, dass das Bett benutzt wird, während der Herd eingeschaltet ist und schalten das Elektrogerät vorsorglich aus. Außerdem neigen Demenzerkrankte häufig dazu, das Haus zu verlassen und später den Weg nicht mehr zurückzufinden. Sensoren oder Lichtschranken nehmen wahr, wenn die Person das Haus verlässt – vor allem zu ungewöhnlichen Zeiten – und benachrichtigen die Angehörigen. In diesem Zusammenhang bieten sich spezielle Ortungssysteme an, die die Suche nach der Person erleichtern.

3.3 Rauchmelder

Zudem können Wasser-, Gas- oder Rauchmelder mit ihrem Alarm schlimmere Unfälle vermeiden und gar Leben retten. Daher erscheint es gerade bei einer beginnenden Demenz eines Angehörigen sinnvoll, solche Warngeber zu installieren.

4. Wie werden Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) bedient und angepasst?

Für den Einsatz von AAL-Systemen spricht die Anpassung an die individuelle Lebenssituation und an die damit einhergehenden Bedürfnisse, Bedingungen und Notwendigkeiten. Nach dem Baukastenprinzip gestaltet sich eine Erweiterung oder Anpassung der Einstellungen an individuelle Gegebenheiten meist als unkompliziert.
AAL-Systeme können unauffällig in den Alltag und das Umfeld des Nutzers integriert werden. Kleinere notwendige Baumaßnahmen sind meist schnell erledigt. Die Bedienung der Assistenzsysteme ist selbsterklärend und leicht verständlich.

5. Wie können Nutzer durch Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL) mit Angehörigen kommunizieren?

Die Nutzung von Assistenzsystemen ersetzt natürlich nicht den Kontakt mit Angehörigen und Bekannten. Vielmehr verhindern AAL-Systeme die soziale Isolation: Die Nutzer sollen einerseits mobil und unabhängig bleiben. Zugleich haben Angehörige nach Bedarf Zugriff auf die verwerteten Daten der AAL-Systeme. Beispielsweise wird aus der Ferne kontrolliert, ob die Blutdruckwerte des Angehörigen in Ordnung sind. Ebenso werden ausgewählte Personen benachrichtigt, wenn innerhalb des Hauses etwas ungewöhnlich erscheint. Den zwischenmenschlichen Kontakt oder die Begleitung zum Arzt kann das System natürlich nicht übernehmen – dies sind wiederum Aufgaben der Angehörigen.

TIPP DER REDAKTION:

Aufgrund der Vielfalt an Möglichkeiten, die Assistenzsysteme für die Gestaltung und Anpassung des eigenen Heims bieten, entwickelte man das Projekt Ermündigung zum selbstbestimmten Wohnen" in Berlin. In Kooperation mit verschiedenen Partnern aus Forschung, Industrie und Dienstleistung richtete man eine Musterwohnung ein, die zahlreiche Assistenzsysteme von verschiedenen Marken und Herstellern präsentiert. So können sich Interessenten unverbindlich einen Überblick über das Angebot verschaffen und die verschiedenen Assistenzsysteme ausprobieren.

6. Welche Vorteile bieten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL)?

Assistenzsysteme sind nicht nur technische Spielereien, sondern haben einen Mehrwert für die Bewohner – sie bieten Orientierung, Unterstützung und Sicherheit. AAL-Systeme können zur Entlastung der Angehörigen beitragen, denn sie wissen ihren Mitmenschen stets gut geschützt. Auch Pflegekräften wird das Helfen deutlich erleichtert, denn sie können von den vielfältigen Funktionen profitieren. Dabei begleiten die elektronischen Helfer den Alltag unaufdringlich, sind einfach in der Bedienung und überfordern nicht. Auf diese Weise ermöglichen es Assistenzsysteme, bis ins hohe Alter im eigenen Zuhause zu leben. Damit trägt die unterstützende Ambient Assisted Living-Technik zur Zufriedenheit und Wohlbefinden des Bewohners bei – und entlastet dabei das Gesundheitssystem.

7. Was kosten Assistenzsysteme/Ambient Assisted Living (AAL)?

Viele Teil-Assistenzsysteme kosten nur einige hundert Euro. Für ganzheitliche AAL-Systeme kann eine Anzahlung von wenigen hundert Euro getätigt und das System anschließend als monatliches Abonnement genutzt werden. Leider ist eine Finanzierung über die Pflegekasse oft schwierig. Zwar bezuschussen Pflegekassen sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.000 Euro, als relativ neuer Trend sind AAL-Systeme bei der Leistungspraxis der Pflegekassen jedoch noch von geringer Bedeutung.

TIPP DER REDAKTION:

Wenn ein persönliches Gespräch mit der Pflegekasse nicht erfolgreich ist, kann die KfW-Bank mit dem Kreditprogramm „Altersgerecht Umbauen" eine alternative Finanzierung bieten. Innerhalb dieses Programms bezuschusst die KfW-Bank zudem Maßnahmen zum Einbruchsschutz mit bis zu 1.600 Euro. Darunter fallen zum Beispiel Personenerkennung an Haus- und Wohnungstüren, intelligente Türschlösser sowie baugebundene Assistenzsysteme wie (Bild-)Gegensprechanlagen, Bewegungsmelder, Beleuchtung und baugebundene Not- und Rufsysteme.


 

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