Hinterhof-Tristesse

Schmucklose graue Häuserzeile,
aus Vorderfenstern gähnt Langeweile.
Gesichtslose blinde Billigscheiben,
nichts verführt Menschen zum Stehenbleiben.

Zum Hinterhof die Fenster weit offen,
kauernde Nähe gelebt und betroffen.
Verbeulte Mülleimer in Reih und Glied,
von irgendwoher jault ein Grammophonlied.

Liebesknarren auf Lattenrosten,
kullernde Flaschen - gröhlendes Prosten.
Kinderschreien durchdringend und schrill,
im Hinterhof verkohlt ein Schaschlik am Grill.

Schlurfende Schritte durch dunkle Gänge,
unaufgelegte Hinterhofenge.
Sex und Liebe campieren neben Gewalt,
Löwenzahn sprengt porösen Asphalt.

Hundegebell und Vogelgesang,
schrill quietscht das Tor zum Hofeingang.
Sonnenlicht lehnt sich an südliche Fenster,
aus Ecken grinsen Schattengespenster.

Geruchsorgien schwängern die schwül-warme Luft,
Windelwind kämpft gegen Schweinsbratenduft.
Kein Hinterhofleben mit Zille-Idylle.
Tristes Vergraben in Hinterhofhülle


© Schlossfee 23.02.2006


Meine Lyrikecke im Traumschloss

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Kommentare (4)

schlossfee ... mein anfänglicher Frust ist verraucht.

Ich hätte nicht gedacht, dass du auch schon öfters resigniert hast. Aber ich sehe, du bist weiterhin "tapfer" dabei und machst jeden Tag ein neues Türchen auf.
Ich werde mich in 3-D-Format präsentieren, dann wird's schwer mit dem "platt machen". )

Liebe Grüße
Helga
hafel ohh, ich resigniere hier auch oft. Fange dann aber immer wieder von vorne an. Also lass Dich nicht "platt machen"
Hafel
schlossfee nachdem meine "Spitzen-Nacht" hier dermaßen verrissen wurde, hab ich alles Eingestellte wieder entfernt und es nun noch einmal mit einem unromantischem, realitätsnahem Gedicht versucht.

Danke für deinen Kommentar, Hartmut - macht Mut (du trägst deinen Namen mit Recht).
Helga
donauperle und es strahlt Realität aus, die vermutlich manchem " Träumer "
nicht gefällt.
Hartmut

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