Ich und Er (aus meinem surrealistischen Tagebuch)


Das auf der Holzstele verdunstet und meine Seele beschmutzt, flößt Furcht mir ein.
Ich muss schneller gehen, sage ich zu ihm.
Wir nehmen die Füße zwischen die Zähne, sagt er und machen sie geschmeidig.
Damit wir rechtzeitig zum Abenddinner kommen und der süße Lockenkopf der
Dienstmagd nicht mitten ins Nackenfleisch der Geschichten unserer Liebschaften beißt , die von den Säuren der Zeit längst verätzt sind. Und die mit ihren hinter dem Kopf verschränkten Flügelarmen im Bauch der Fiaker liegend am Rande der Trottoirs entlang sausen - jubilierend die Augen an den verlorenen Himmel geheftet, der ihnen Wort um Wort jedes Wort in den Mund spuckt.
Wo du doch mein Freund sein möchtest, sagt er, nachdem er drei Ewigkeiten lang den Mund verschlossen gehalten hat.
Soll ich dir eine Arie singen auf meinem Waschbrett, sage ich, damit du fröhlich und frisch erhalten bleibst wie deine Dämonen hier mitten auf dem Platz, von dem sich ein langer Seufzer entfernt das Abbild des vom Mond abgeschnittenen Leben? Sag!

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Kommentare (3)

pelagia
pelagia
Mitglied

fallen mir ein (Hugo Loetscher) wenn ich Deinen Text lese. Kraftvolle Wortbilder, die wenig Geheimnis preisgeben und mich ähnlich wie Anne mit einem Seufzer (nicht ohne Spuren im eigenen Gedankengeflecht) zurücklassen.
simba
simba
Mitglied

gar nix - wahrscheinlich bin ich zu einfach gestrickt
immergruen
immergruen
Mitglied

dieses Ich als innere Stimme, als Doppelgänger, der sich immer wieder zu Wort meldet und den Widerspruch an sich darstellt. Du und er sind zwei, aber dennoch eins. Ihr erlebt gemeinsam, aber analysiert getrennt.
Mit einem langen Seufzer beende ich den Versuch eine Interpretation.
Herzlichst immergruen

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