Planung meiner Beerdigung





Ich habe mir vorgenommen, meinen Sarg und alles was zu so einem Begräbnis gehört, selbst auszusuchen.
Schließlich werde ich ja doch eine lange Zeit in dem Sarg verbringen. Ich dachte so an Eiche mit verstärkten Kanten und einem Sockel. Auch breit genug soll er sein, mit Ellbogenfreiheit sozusagen.

Ich rufe im Städtischen Begräbnisinstitut an und verlange die Zusendung eines Prospektes. Gibt es nicht, war die Auskunft.

„Wozu brauchen sie einen Prospekt? Sie können vorbeikommen und sich die verschiedenen Särge für den Verblichenen bei uns aussuchen.“

„Naja, der Sarg ist eigentlich für mich, ich will mir schon heute einen aussuchen, falls ich morgen sterbe“.

„Sie sterben morgen?“ Die Stimme der Dame am Telefon klingt leicht nervös.

„Naja, könnte ja sein. Außerdem, so lustig ist das Leben nun auch wieder nicht!“

„Sie wollen Selbstmord begehen?“

„Nein, ich warte schon, bis es passiert“, sagte ich leicht genervt.

„Also, wenn sie sich bedroht fühlen, dann gehen sie doch zur Polizei!“

„Nein, ich fühle mich nicht bedroht, das heißt, natürlich ist die Vorstellung eines plötzlichen Todes schon eine gewisse Bedrohung!“

„Wann, denken sie, werden Sie sterben? Wir bekommen in den nächsten Tagen ein neues Sortiment. Aber es ist ungewöhnlich, sich selbst einen Sarg auszusuchen, das machen sonst immer die Hinterbliebenen!“

„Aber man will doch auch mitreden in so einem Fall. Außerdem bin ich gegen Kunstfaser allergisch und will die Innenausstattung entweder aus reiner Seide oder zumindest feines Leinen.“

„Ich werde das für sie erfragen. Rufen sie mich morgen noch einmal an.“ Man merkte der Dame an, dass ihre Nerven nicht die besten sind.

„Dann habe ich noch eine Frage. Sagen sie, gibt es Särge mit Alarmanlage? Ich meine mit so einer Klingel, falls ich es mir anders überlege und doch nicht tot bin?“

„Moment!“ Ich musste den Hörer weiter weg halten, denn sie hatte den ihren scheinbar auf den Tisch geknallt.
Man konnte leises Tuscheln und ein kleines hysterisches Lachen hören.

„Ja, Hallo, wie war ihre Frage doch gleich?“ Nun war es eine männliche, leicht trauernde Stimme am Telefon, die das Gespräch scheinbar weiterführen wollte.

„Ich will wissen, ob ich in meinen Sarg eine Alarmklingel einbauen lassen kann, falls ich doch nicht tot bin.“

„Sie sind tot?“ Die männliche Stimme klingt noch immer unbeteiligt und geduldig, mit einem leicht trauernden Unterton, wie es eben für ein Begräbnisinstitut opportun erscheint.


„Nein noch nicht!“ Nun begannen auch meine Nerven ein wenig zu flattern.

„Da wäre es am besten, wenn das dann, im Falle ihres Todes, die Angehörigen mit uns besprechen.“

„Ich will das aber vorher alles selbst klären. Außerdem will ich auch eine elektrische Beleuchtung haben, ich fürchte mich im Dunkeln und wie soll ich die Klingel finden, wenn ich nichts sehe.“

„Also, normalerweise sind die Insassen unserer Särge immer tot, wenn wir sie begraben. Aber wenn sie das vorher ausprobieren wollen, dann könnten wir gegen Aufzahlung da eine Ausnahme machen. Wir montieren eine Lichtanlage und gestatten ihnen eine Probenacht im Sarg ihrer Wahl in einem der gerade offenen Gräber.“

Die Vorstellung, eine Nacht Probe zu liegen in irgendeinem Grab, trieb mir Schweißperlen auf die Stirne.

„Hallo, sind sie noch da?“ Der geduldige Mann schien nun doch etwas ungeduldig zu werden.

„Ja, bin n och da. Zur Weiterführung dieses Gespräches werde ich morgen bei ihnen vorbeischauen und alles an Ort und Stelle besprechen.
Ich komme aber erst nachmittags, weil vormittags muss ich zum Arzt, ich fühle mich plötzlich nicht wohl.“

Seltsam, wie einen solch einfache Telefonate zusetzen können!



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Kommentare (5)

Linta Achje, Du auch Joana ???
Wir sind aber doch nicht seelenverwandt.......

ICH kann nämlich überhaupt nicht "mit Füssen" im Bett schlafen. Die müssen gänzlich draussen bleiben..........))
n.
hafel solltest Du Dir , Joana, zwei Löcher in den Sarg schneiden lassen, dass Du die Füsse raushängen lassen kannst. Die brauchen doch immer frische Luft.
Linta
Hm, das Probeliegen stell ich mir sehr "amüsant" vor.
Anstelle einer Alarmklingel würd ich da auf eine Schiffssirene bestehen, falls irgendwelche Totengräber morgens das Grab versehentlich zuschütten wollen.......
n.
...ein wenig makaber ist diese geschichte schon. aber, warum nicht? man weiss nie, ob einem das, was die anderen aussuchen, gefallen würde. manche suchen sich ja zu lebzeiten auch die musik aus, die im falle des falles gespielt werden soll.
wer's mag? sicher ist sicher....


karin
laura Liebe Joana!
Das ist wirklich makaber,
aber für mich trotz allem
sehr amüsant!!

Laura


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