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Plaudereien Zu schön, um wahr zu sein

angelottchen
angelottchen
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Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von angelottchen
Die Leser der "New York Times" staunten nicht schlecht, als sie die Überschrift auf der Titelseite lasen:

"Der Irak-Krieg beendet, die Ölindustrie verstaatlicht und George W. Bush vor Gericht"

Aber wer sie in die Hände bekam, diese Ausgabe der ehrwürdigen Zeitung, der merkte, dass es nicht die "Echte" war - ein noch unbekanner Mann aus der Filmbranche und ein Kunstprofessor namens Steven Lambert, sowie drei "echte" Redakteure der echten „New York Times“, die anonym bleiben wollen, haben dieses liebevoll und stilechte Glanzstück eines Medien-Juxes in 6monatiger Vorbereitungszeit zu stande gebracht und 1,2 Millionen Exemplare drucken lassen - 1,2 Millionen US$ hat der Spass denn auch gekostet und sorgt nun nicht nur in New York für grosse Aufmerksamkeit. So richtig weiss die ehrwürdige alte Lady "New York Times" wohl noch nicht, wie sie damit umgehen soll, Kenner aber sind davon überzeugt, dass der TIMES gar kein grösseres Kompliment hätte gemacht werden können.

Zu lesen war da u.a.

"Im Gefolge des amerikanischen Rückzugs aus dem Irak und Afghanistan überbieten Regierungschefs und Warlords einander in Krisengebieten rund um die Welt, um Frieden zu geloben“, heißt es da. „Der sudanesische Präsident erklärte die Feindseligkeiten in Darfur für beendet. In Sri Lanka, Somalia, Kolumbien, Kaschmir, dem Tschad und anderswo gelobten Kämpfer auf allen Seiten, sich das amerikanische Beispiel zu Herzen zu nehmen." oder auch "Die Ölindustrie verstaatlicht, um den Profit in die Erforschung von alternativen Energien zu stecken. GeorgeW. Bush wegen Hochverrats angeklagt. Die Wirtschaft gesundet, Managergehälter gekürzt. (Quelle: WELT.de)

Wer würde so etwas nicht gerne lesen ...

Übrigens wurde das Motto der N.Y.TIMES, das da lautet "Alle Nachrichten, die sich zum Druck eignen" – sehr optimistisch umgeändert in "Alle Nachrichten, die wir zu drucken hoffen" -

Das Datum im Zeitungskopf ist der amerikanische Unabhängigkeitstag des kommenden Jahres, der 4. Juli 2009.

Die Zeitungen wurden kostenlos verteilt, inzwischen haben sie schon einen Sammlerwert ...
--
angelottchen
arno
arno
Mitglied

Re: Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von arno
als Antwort auf angelottchen vom 13.11.2008, 19:02:56
Hallo, angelottchen,

ich finde es sehr schade, daß es sich nicht um die echte" New York Times"
gehandelt hat.

Viele Grüße
--
arno
pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von pilli †
als Antwort auf angelottchen vom 13.11.2008, 19:02:56
isch liebe die foren; aktueller geht es nicht; danke!

gerade habe ich in der tagesschau davon gehört...


--
pilli

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susannchen
susannchen
Mitglied

Re: Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von susannchen
als Antwort auf pilli † vom 13.11.2008, 20:18:25
Uiih 7Uhr30 bereits auf ntv.de
--
susannchen
angelottchen
angelottchen
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Re: Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf susannchen vom 13.11.2008, 20:26:20
Hallo, ich hab es heute früh bei CNN gesehen und fand dann einiges dazu bei paperazzi.de und google news

ja, zu schade, dass das nicht die "echten Nachrichten" waren ... aber wer weiss ...
--
angelottchen
kookaburra
kookaburra
Mitglied

Re: Zu schön, um wahr zu sein
geschrieben von kookaburra
als Antwort auf angelottchen vom 13.11.2008, 21:21:47
Ja, eine wirklich sehr schöne Idee mit dieser Zeitung!

Was mir besonders daran gefällt ist, dass hier eine Utopie formuliert wird, hinter der wohl die allergrösste Mehrheit der Leute steht.
Und weshalb sollte es nicht auch möglich sein, etwas, das wir denken können auch zu verwirklichen?

Vielleicht ist es ja tatsächlich auch wichtig, nicht nur auf Missstände hinzuweisen, sondern auch Geschichten darüber zu erzählen, wie es sein könnte.
--
kookaburra
niederrhein
niederrhein
Mitglied

Zur Ergänzung und zur Veranschaulichung
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf angelottchen vom 13.11.2008, 19:02:56
Zur Ergänzung und Veranschaulichung
(Danke für den Beitrag bzw. Hinweis!)


http://community.seniorentreff.de/storage/pic/userbilder/a30f1d57825f100a5a9ba38c76fffe20/fundus01/115407_1_Fundus_01.jpg[/img]

So sieht sie aus ... die leider nicht echte Ausgabe ...


So präsentiert sich die Webseite (oberer Teil)


und so der untere Teil (mit der sehr interessanten Werbung der Firma De Beers)


Auch die Firma Montsanto hat eine Anzeige [i]plaziert
:
http://community.seniorentreff.de/storage/pic/userbilder/a30f1d57825f100a5a9ba38c76fffe20/fundus01/115405_1_Fundus_01.jpg[/img]


Zur Berichterstattung in der FAZ und SZ (14.11.2008)

Kein Krieg mehr im Irak!
Eine Parodie der „New York Times“ erheitert Amerika. Sie wird mit mehr als einer Million Exemplaren verteilt und hat lauter gute Nachrichten: Unter Obama ist alles besser. New York, 13. November

[...] So stand es in der „New York Times“, und nicht nur darüber durften sich ihre Leser freuen. Außerdem wurde ihnen mitgeteilt, dass der USA Patriot Act umgehend abgeschafft und kein Studiengeld mehr an allen öffentlichen Universitäten berechnet werde, dass die endlich verstaatlichten Ölfirmen mit viel Geld den Klimawandel rückgängig machen wollten und die Nation endlich eine vernünftige Wirtschaft anstrebe. Wer da noch immer nicht merkte, was die Morgenstunde geschlagen hat, musste spätestens misstrauisch werden, als diese Ausgabe der „Times“ kostenlos an Straßenecken und vor U-Bahn-Haltestellen verteilt wurde. [...] [Keine Gratisausgabe einer] Zeitung, die zurzeit nicht eben üppige Gewinne erzielt und ihre Auflage mit anderen Verlockungen zu stabilisieren sucht.
Einen Jux wollte sich da offenbar jemand machen [Nestroy-Zitat], und vorsichtig war dieser Witzbold oder diese Gruppe von Witzbolden auch, denn die vierzehnseitige Zeitung, eigentlich etwas dünn im Vergleich mit dem Original, trug demonstrativ das Datum des 4. Juli 2009. [...] Unter der ebenfalls nicht ganz koscheren Adresse www.nytimes-se.com war zu erfahren, dass die „Yes Men“ wieder einmal zugeschlagen hatten. Diese treiben seit Jahren ihr lustiges Unwesen in Amerika. Sie tauchten in New Orleans auf, wo sie sich als städtische Angestellte ausgaben und versprachen, alle Wohnungssuchenden umgehend mit einer Wohnung zu versorgen. [...] Die „Fake Times“ ist nun ein besonders elaborierter Witz. Sechs Monate lang wollen die „Yes Men“, deren Pressemitteilungen vielleicht auch nicht ganz ohne das immer wichtige Körnchen Salz genossen werden sollten, daran gearbeitet haben. Was nicht übertrieben scheint, denn selbst Anzeigen wurden nicht vergessen. Über eine ganze Seite hinweg meldet sich Exxon Mobil zu Wort, um das Ende des Irak-Kriegs mitzufeiern, nicht zuletzt weil es eine ausgesprochen gute Idee sei, von der die Welt profitieren könne. [...] Verteilt wurde die stolze Auflage [weit über eine Million Exemplare] [...] auch in Los Angeles, San Francisco, Chicago, Washington und Philadelphia [...]
Während die „Times“ sich offiziell noch sehr reserviert über den Streich äußert, rät ihr der Pressefachmann Alex S. Jones [...], das Ganze als „gigantisches Kompliment“ aufzufassen. [Jordan Mejias/ Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.11.2008 Seite 38]

Mehr Sonne/ Gezähmte Ölkonzerne, besseres Wetter: Eine falsche "New York Times" verbreitet in den USA tolle Nachrichten. [...] New York hat sich in ein Paradies für Fahrradfahrer verwandelt, und selbst das Wetter wird laut Vorhersage auf Seite 1 immer besser: "Wolken teilen sich, mehr Sonne, trübe Zeiten sind vorbei."
So überzeugend war der Times-Schriftzug kopiert, so realistisch das Layout imitiert worden, dass es schwerfiel, die 14-seitige Ausgabe nicht für authentisch zu halten - zumindest ein bisschen. [...] George W. Bush muss sich wegen Verrats verantworten. Die "ehemalige" Außenministerin Condoleeeza Rice gibt zu, dass die USA nie glaubten, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze. Die Ölfirmen wurden verstaatlicht, um den Kampf gegen den Klimawandel zu finanzieren. [...] Und Thomas Friedman, der prominente liberale Times-Kolumnist, der den Irakkrieg gut hieß, heute allerdings lieber für eine neue "grüne Wirtschaft" trommelt, schreibt seine letzte Kolumne: "Ich werde viel Zeit damit verbringen, meine Hände zu waschen." [...]
Auch Anzeigen fehlen nicht in dieser Zeitung. Monsanto, der Gensaat-Monopolist, wirbt für Marienkäfer als natürlichem Insektenvernichtungsmittel. Ge-neral Motors wirbt für ein Elektroauto, das schon in den neunziger Jahren entwickelt, aber nie auf den Markt gebracht wurde. Und De Beers verspricht, für jeden Kauf eines Diamanten einem Opfer der afrikanischen Diamantenkriege seine Prothese zu finanzieren. [...]
Gekostet hat die Aktion nach seinen Angaben knapp 100 000 Dollar, die aus Spenden stammten. [...] Die New York Times selbst reagierte gelassen auf die Parodie. In ihrer gestrigen Print-Ausgabe wird die falsche Times kühl erwähnt. In der Online-Ausgabe jedoch macht man kaum einen Hehl aus seiner Freude. Nicht nur weil Nachahmung bekanntlich die aufrichtigste Form der Schmeichelei ist, sondern auch, weil das defizitäre Blatt jede Form der Publicity gut gebrauchen kann. [JÖRG HÄNTZSCHEL; Quelle: Süddeutsche Zeitung; Nr.265, Freitag, den 14. November 2008 , Seite 19]


Verantwortlich[i]
Die Bertha
vom Niederrhein





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