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Umwelt und Klima Der Golfstrom wird schwächer

det
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Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von det
wissenschaft.de, die Webseite von "Bild der Wissenschaft", berichtet von einer Untersuchung des Golfstromsystems. Danach wird der Golfstrom seit ca. 100 Jahren schwächer, besonders aber seit 1970. Als Ursache ist die zunehmende Eisschmelze im Nordatlantik wahrscheinlich.
Wenn die Abschwächung des Golfstroms sich fortsetzt, werden die Folgen für Europa dramatisch sein. Die globale Erwärmung wird für Europa genau die entgegensetzten Folgen haben: es wird bei uns sehr kalt werden. Die Veränderung des maritimen Ökosystems wird aber nicht nur klimatische, sondern auch wirtschaftliche Folgen haben.

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silhouette
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von silhouette
als Antwort auf det vom 25.03.2015, 13:15:17
Das bestätigt anscheinend die Hypothese, von der ich schon vor ein paar Jahren hier berichtet habe:
Der Golfstrom wurde dort als Waschmaschine beschrieben. Das warme Wasser aus dem Golf wird ja im Nordatlantik vom kälteren, mit Süßwasser (des geschmolzenen Polareises) vermischten Wasser nach unten weggedrückt, bevor es in den Süden zurückgeschoben wird. Das wurde auch auf die unterschiedlichen spezifischen Gewichten von Salz- und Süßwasser zurückgeführt. Wird nun der Andrang des Süßwassers durch geschmolzenes Gletschereis immer größer, kippt der Strom früher, d.h. immer weiter südlich nach unten weg. Das klingt eigentlich ganz plausibel.

Kaltes Wasser bedeutet kaltes Festland? Den Widerspruch kann ich mir beim Anblick der kahlen, schnee- und eisfreien Inselchen im Hohen Norden, wo die Bären auf Nahrungssuche im Dreck rumtappen, allerdings nicht erklären.
det
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von det
als Antwort auf silhouette vom 25.03.2015, 13:28:45
Die Hypothese vom schwächelnden Golfstrom als Folge der Erderwärmung ist nicht neu. Meines Wissens nach ist auch der Golfstrom als Ursache des gemäßigten mitteleuropäischen Klimas unbestritten. Ein Verschwinden des Golfstroms oder auch eine starke Abschwächung des G. würde dazu führen, daß Mitteleuropa eher das Klima bekäme, das den Breitengraden entspricht. Man bekommt ein Gefühl für die Wirkung des Golfstroms, wenn man auf dem Breitengrad von Hamburg nach Kanada geht. So ein Vergleich des Klimas stimmt nur grob, aber es reicht, um ein anschauliches Beispiel zu bekommen.

"Kaltes Wasser bedeutet kaltes Festland" hört sich nicht logisch an, "Golfstrom bedeutet gemäßigtes Klima" schon eher. Dann braucht man die Aussage zum Golfstrom nur mit "kein" zu versehen und man hat einen Treffer

det

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arno
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von arno
als Antwort auf det vom 25.03.2015, 13:15:17
wissenschaft.de, die Webseite von "Bild der Wissenschaft", berichtet von einer Untersuchung des Golfstromsystems. Danach wird der Golfstrom seit ca. 100 Jahren schwächer, besonders aber seit 1970. Als Ursache ist die zunehmende Eisschmelze im Nordatlantik wahrscheinlich.
Wenn die Abschwächung des Golfstroms sich fortsetzt, werden die Folgen für Europa dramatisch sein. Die globale Erwärmung wird für Europa genau die entgegensetzten Folgen haben: es wird bei uns sehr kalt werden. Die Veränderung des maritimen Ökosystems wird aber nicht nur klimatische, sondern auch wirtschaftliche Folgen haben.

det
geschrieben von det


Moin, det,

ich halte von solchen aufreißerischen Artikeln nicht viel.

Der Antriebsmotor des Golfstromes ist immer noch die in der Karibik eingestrahlte Sonnenenergie.
Der erwärmte Golfstrom fließt ca. 4000 km unvermischt quer über den Atlantik und trifft auf die europäische Küste, welche dadurch erwärmt wird. Kurz vor Grönland fällt der Golfstrom viele tausend
Meter auf den Meeresboden (Größter Wasserfall der Erde!).
Kurz vorher soll die Restwärme des Golfstromes vermehrt Eis schmelzen und dadurch die Strömungsgeschwindigkeit des Golfstromes verringern.

Das ist unverständlich, zumal die zugeführte Energie dazu aufgewendet wird, anziehende intramolekulare Kräfte zwischen den Teilchen der Probe (Atome, Moleküle oder Ionen) zu überwinden, sodass beim Schmelzen Geschwindigkeit der Teilchen und Temperatur des Stoffes nicht ansteigen (unendliche Wärmekapazität).

Die Klimaexperten sind schon ein lustige Völkchen.

Gruß arno
det
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von det
als Antwort auf arno vom 25.03.2015, 17:17:15
Hi Arno,

die Abschwächung des Golfstroms erscheint nur deswegen unverständlich, weil Du das dahinter stehende Prinzip nicht verstanden hast. Es ist keineswegs so, daß die Restwärme des Golfstroms das Eis Grönlands und der Arktis schmilzt, sondern die globale Erwärmung. Was dann folgt hat silhouette in ihrem Beitrag schon beschrieben. Die zunehmende Menge von "süßem" Wasser im Nordatlantik führt dazu, daß der stärker salzhaltige Golfstrom wegen des höheren spezifischen Gewichts des Wassers früher absinkt. Der von dir sogenannte "größte Wasserfall der Erde" verschiebt sich also nach Süden und damit wird es im Norden kälter.

Deinen Satz "Die Klimaexperten sind schon ein lustige Völkchen." finde ich merkwürdig angesichts der Tatsache, daß nicht ein Journalist, sondern das "Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung" als Quelle genannt wird. Wenn Du eine adäquate Qualifikation besitzt um die Aussagen des Berichts anzuzweifeln, dann setze dich doch lieber mit den Autoren im o.g. Institut auseinander.

det
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von silhouette
als Antwort auf det vom 25.03.2015, 14:32:36
Man bekommt ein Gefühl für die Wirkung des Golfstroms, wenn man auf dem Breitengrad von Hamburg nach Kanada geht. So ein Vergleich des Klimas stimmt nur grob, aber es reicht, um ein anschauliches Beispiel zu bekommen.

"Kaltes Wasser bedeutet kaltes Festland" hört sich nicht logisch an, "Golfstrom bedeutet gemäßigtes Klima" schon eher. Dann braucht man die Aussage zum Golfstrom nur mit "kein" zu versehen und man hat einen Treffer

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geschrieben von det

Noch deutlicher wird der Vergleich ein paar Breitengrade nördlicher: hier ein fast mediterranes Klima in Irland, dort der Anfang von schwer bewohnbarem Gebiet, z.B. der kalten Region um die Hudson Bay oder weiter westlich ab der Provinz Saskatchevan und nördl. Hälfte Alberta..

Auch die Gleichung "kein Golfstrom = kein gemäßigtes Klima" bewahrheitet sich jeden Winter an der amerikanischen Ostküste ab New York nordwärts. Es sind nicht nur die Niederschläge selbst, sondern eben auch die Temperaturen in den erdnahen Schichten, die für die regelmäßigen Blizzards und Schneekatastrophen verantwortlich sind. Es sind auch nicht nur die unverständlicherweise nicht üblichen Winterreifen!

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arno
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von arno
als Antwort auf silhouette vom 25.03.2015, 20:46:22
Moin, silhouette,

wie die Klimaexperten in dem Artikel schreiben, könnten sich
neue Klimagleichgewichte einstellen. Wenn dem so wäre, geschieht
dies immer global. Klimatische Änderungen sind dann nicht mehr nur
auf die europäische Küste begrenzt.

Nehmen wir mal an, dass der Golfstrom immer langsamer wird.
Das bedeutet, dass der Volumenstrom in der Karibik durch seine
längere Verweildauer viel mehr Sonnenwärme aufnehmen müßte und
viel wärmer über den Atlantik störmen würde.
Die Eisschmelze auf Grönland ist wegen der endlichen Eismenge
zeitlich begrenzt und würde nach kurzer Zeit nicht mehr erfolgen.
Der Abtransport der in der Karibik aufgenommenen Sonnenwärme
verhindert und begrenzt die Aufheizung und gewährleistet den
Fortbestand des Golfstromes.
Ob der Golfstrom dann eine andere Küste beglückt, bzw. seine
Richtung ändert, wurde in dem Klimamodell nicht berücksichtigt.

Gruß arno
silhouette
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von silhouette
als Antwort auf arno vom 25.03.2015, 22:39:53
arno,
was du an Argumenten gebrauchst, sind vermutlich deine persönlichen Schätzmengen? Die von dir behauptete endliche Eismenge, oder die größere in der Karibik vorhandene und quasi aufgestaute Wärmemenge? Da müsstest du schon mit Daten kommen (Kubikmeter, Megajoule), damit ich mir über eine Antwort Gedanken mache. Bei solchen Dimensionen verschätzt sich ein Laie wie unsereins sehr leicht sehr stark.
arno
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von arno
als Antwort auf silhouette vom 25.03.2015, 22:50:27
arno,
was du an Argumenten gebrauchst, sind vermutlich deine persönlichen Schätzmengen? Die von dir behauptete endliche Eismenge, oder die größere in der Karibik vorhandene und quasi aufgestaute Wärmemenge? Da müsstest du schon mit Daten kommen (Kubikmeter, Megajoule), damit ich mir über eine Antwort Gedanken mache. Bei solchen Dimensionen verschätzt sich ein Laie wie unsereins sehr leicht sehr stark.


Moin, silhouette,

ja, das Klima ist eine sehr stark venetzte Anglegenheit.
Der Hauptmotor des globalen Klimas ist und bleibt die Sonne.
Bezüglich des Golfstromes übt der Mensch mit seinen Aktivitäten
einen großen Einfluß auf diesen aus.
Plastikmüll-Anreicherungen auf der Meeresoberfläche, die
Zuflüsse von durch Kraftwerken aufgeheißtem Flußwässern und der
große Schiffsverkehr gehören dazu.

Viele tausend Schiffe fahren in Richtung mit und gegen den
Golfstrom, andere kreuzen diesen.
Alle Schiffe verwirbeln über ihre viele tausend PS-starken
Antriebsmotore das warme Golfstromwasser mit dem kalten
Meereswasser genau in der klimasensiblen Wasserschicht 10 Meter
unter der Meeresoberfläche, wodurch die Temperatur des
Golfstromes erniedrigt wird.

Bei solchen Vernetzungen verschätzen sich heute noch die Experten,
weil die Zeitspannen zwischen der Änderung am Systemeingang und der
Antwort am Systemausgang sehr groß und auch noch nicht bekannt
sind.

Gruß arno
det
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Re: Der Golfstrom wird schwächer
geschrieben von det
als Antwort auf arno vom 26.03.2015, 07:36:56
Bei solchen Vernetzungen verschätzen sich heute noch die Experten,
weil die Zeitspannen zwischen der Änderung am Systemeingang und der
Antwort am Systemausgang sehr groß und auch noch nicht bekannt
sind.
geschrieben von arno
Und Du, arno, bist der Überexperte, der den Experten erklärt, was sie falsch machen? Du erinnerst mich an die "Einsteinwiderleger", von denen Harald Lesch in einer seiner Sendungen erzählte. Er bekommt immer wieder Briefe, in denen Menschen erklären, warum die Relativitätstheorie falsch sei und wo sie den Fehler gefunden hätten. So argumentierst Du hier auch und deshalb ist es doch das Sinnvollste, wenn Du dich an die Autoren des Artikels wendest und ihnen erklärst, was sie falsch machen:

Artikel: Rahmstorf, S., Box, J., Feulner, G., Mann, M., Robinson, A., Rutherford, S., Schaffernicht, E. (2015): Exceptional twentieth-century slowdown in Atlantic Ocean overturning circulation. Nature Climate Change (online) [DOI:10.1038/nclimate2554]

Erreichbar sind sie wohl über die Pressestelle des Instituts:
PIK Pressestelle
Telefon: 0331 288 25 07
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima

det, sich über die frühe Erheiterung freuend

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