Percy
Percy von Kummerow wohnt in unserer Strasse. Als ich ihn unlaengst besuchte, sagte er mir
- Beinahe waere ich ein Amerikaner geworden. – Ich habe ihn ganz erstaunt angesehen und er erzaehlte mir die Geschichte seiner Vorfahren.
Mitte des 19.Jahd. war in Deutschland die Lust zum Auswandern gross. Das Land war in viele Fuerstentuemer zersplittert und in Religionsfragen war man sich strittig.
Aus Religionsgruenden beschlossen etwa 200 Leute mit ihrem Pastor aus dem Dorf Kummerow am Kummerower See gelegen und aus der Umgebung nach Amerika auszuwandern. Es waren meist Kleinbauern und Handwerker. Percy’s Vorfahre war der Drittgeborene vom Gutshof der "Kummerow’s"

Es war eine lange Vorbereitungszeit.

Zwei Familien hatten Verwandte an der amerikanischen Ostkueste, die sich als Farmer niedergelassen hatten. Sie wollten ihnen helfen, in der "Neuen Welt" Fuss zu fassen. Man wollte auf ein Schiff gehen, welches den Hafen von Boston anlief. Die Handwerker nahmen ihre Werkzeuge und die Bauern gutes Saatgut mit. Am 8. Juni 1861 traten die Leute ihre Reise an.

Nach Tagen erreichten sie Wittenberge a.d.Elbe, wo sie auf 2 Oderkaehne die Reise begannen. In Hamburg angekommen, hielten sie sich noch einige Tage auf den Oderkaehnen auf. Augenzeugen berichteten in der Zeitung: "Als wir an einem dieser schoenen Abende ueber den Stadtdeich gingen, vernahmen wir aus dem Oberhafen einen wohlklingenden geistlichen Gesang von vielen Maenner-und Frauenstimmen. Da schon seit vielen Jahren aus unserem Hafen solche Toene nicht mehr erklingen, ward ich neugierig und liess mich hinrudern. Ich erfuhr, dass sie Lutheraner seien und ihres Glaubens wegen nach Amerika auswandern wollten".

Ende Juni startete die Reise ueber den grossen Teich und als man endlich die Ostkueste von Nordamerika erreichte, kam der grosse Schock. – Der Hafen war gesperrt. – Die jetztige USA befand sich im Krieg, der Sezissionskrieg – Buergerkrieg. Der Norden kaempfte gegen den Sueden.
In Deutschland waren alle Bruecken abgebrochen worden und es wollte keiner mehr zurueck. Man beschloss dann Australien anzusteuern !!!
Wie den Leuten zu Mute war, kann man sich nicht vorstellen. Die Reise ueber den Atlantik war schon kein Zuckerschlecken und nun nach Australien, wo sie keiner erwartete, so wie in Boston.
Nach einer sehr anstrengenden, dem Gefuehl nach ewig dauernden Zeit erreichten sie wirklich Australien. 14 Passagiere starben auf der langen Reise und sie bekamen Dank des Pfarrers eine Seebestattung mit Gottes Segen.

Sie ankerten vor dem Hafen von Adelaide. Der Pfarrer, der Kapitaen und vier andere Maenner machten sich auf den Weg nach Adelaide, das ungefaehr 15 km vom Hafen entfernt lag.
Damals war Adelaide noch nicht die grosse und schoen angelegte Stadt. Der Ort bestand ueberwiegend aus Lehm – und Holzhuetten.
Als die Abgesandten auf das Schiff zurueckkamen, waren sie trotzdem guten Mutes. Sie erzaehlten, bei der Einwanderungsbehoerde haetten sie einen Aushang gelesen, der sie sehr optimistisch stimmte. Ein Mecklenburger schrieb: Suedaustralien ist fuer den selbst arbeitenden Landmann, fuer Schmiede, Stellmacher, Sattler, Tischler und Schuhmacher ein wahres Paradies. Fast alle Deutschen, die ich gesprochen habe, und deren sind es viele, da ich einen grossen Teil der Kolonie und so ziemlich alle deutschen Ansiedlungen besucht habe, befinden sich in angenehmer Lage, waehrend in Deutschland kaum satt zu essen ist.

Am naechsten Tag wurde das Schiff in den Hafen gebracht und die Habseligkeiten konnten ausgeladen werden.
Im Hafen lag ein Drei-Mast-Segler, die Passagiere, 198 Deutsche, waren 3 Tage vorher an Land gegangen. Geloescht wurde noch Mehl, Schweinefleisch, Schuhe und Stiefel, sowie Wasser und 40.924 Ziegelsteine.
Der Anfang war vielleicht schwerer, als er in Amerika gewesen waere, sagte Percy, aber meine Familie hatte es geschafft. Vier Generationen unserer Sippe waren Farmer. Vielleicht wird auch einer meiner Enkel Freude daran finden und die Tradition fortfuehren.

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Kommentare (1)

elise52
elise52
Mitglied

wenn man überlegt wie lange die damaligen ausreiswilligen unterweg waren, ist das heute um vieles einfacher.

lg gerda

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