Forum Politik und Gesellschaft Diskussion historischer Ereignisse Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?

Diskussion historischer Ereignisse Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?

Mareike
Mareike
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Mareike
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 22.12.2017, 10:58:43

Fred
bereits in deinem Einführungsbeitrag hast Du betont Befürworter des Holocaust-Mahnmals in Berlin zu sein.
Um so bitterer sind die Verdrehungen, nicht nur in diesem Thread.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass eben dadurch solche Gegen-Bewegungen wie wir sie bei Höcke und Gefolgschaft wahrnehmen, befeuert werden.

Karl
Karl
Administrator

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Karl
als Antwort auf Mareike vom 22.12.2017, 11:19:16

@Mareike,

das nenne ich jetzt eine Verdrehung. Ich bin ohne persönliche Angriffe ausgekommen und habe sachlich meine Meinung zur Problemstellung geschrieben und auch Antworten zu den konkreten Fragen von Fred-Lang gegeben. Jetzt muss ich aber feststellen, dass schon sachliche Repliken als Angriff gewertet werden und da frage ich mich dann "Warum?".

Offensichtlich fühlen sich hier einige getroffen.

Karl

Mareike
Mareike
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Mareike
als Antwort auf Karl vom 22.12.2017, 11:24:14

Karl, soviel ich weiß, habe ich mich nicht auf einem Deiner Beiträgen bezogen.
Ja, ich nehme sehr wohl zur Kenntnis, dass Du sehr bemüht bist, sachlich Stellung zu beziehen.
Ich fühle mich auch nicht getroffen.
Wenn das so wäre, würde ich das sehr deutlich artikulieren.

Was ich zur Sprache bringen möchte, ist, dass ich immer mehr - dies ist nicht auf das Forum bezogen sondern im Allgemeinen - eine Stimmung wahrnehme, so in der Art von: "Wir sind diese Belehrungen so etwas von satt!"

Jetzt zurück zum Thema:
Du betonst das Alleinstellungsmerkmal, zurecht.
Nun dachte ich darüber nach, dass der Einsatz von Atombomben ebenso unfassbar ist in der Dimension.

Und doch ist da ein gewaltiger Unterschied: Der Holocaust war nur möglich durch die Bereitschaft vieler, bei der Organisation und Durchführung mitzuwirken. Und das ist wahrhaftig ein Alleinstellungsmerkmal, worüber nachgedacht werden muss.


Anzeige

Karl
Karl
Administrator

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Karl
als Antwort auf Mareike vom 22.12.2017, 13:00:16
mareike
Der Holocaust war nur möglich durch die Bereitschaft vieler, bei der Organisation und Durchführung mitzuwirken. Und das ist wahrhaftig ein Alleinstellungsmerkmal, worüber nachgedacht werden muss.
Richtig Mareike. Ich diskutierte gerade heute beim Frühstück mit Margit darüber, dass die erschreckend hohe Zahl der Stolpersteine in der Stadt die oft gehörte Behauptung "Man habe nichts gewusst" völlig unglaubwürdig macht. Es kann nicht sein, dass überall Nachbarn spurlos verschwinden und sich niemand die Frage stellt, "warum und wohin?".

Die bittere Wahrheit beim Holocaust ist, dass er ohne die Kooperation/Duldung der damaligen deutschen Bevölkerung nicht hätte durchgeführt werden können. Wichtig hierbei war sicherlich das Klima der Angst, das systematisch erzeugt worden war. Dies ist ein Hinweis darauf, wie wichtig eine freie Presse in einem Land ist. Wenn die freie Berichterstattung durch die Verhaftung kritischer Geister beginnt und die Bevölkerung nichts dagegen unternimmt, wird der Boden für weitere restriktive Unterdrückungsmaßnahmen geschaffen, unter denen dann vor allem Minderheiten zu leiden haben. Der Wert einer Demokratie spiegelt sich in dem Status ihrer Minderheiten.

Karl

 
RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Mareike vom 22.12.2017, 11:19:16
Fred
bereits in deinem Einführungsbeitrag hast Du betont Befürworter des Holocaust-Mahnmals in Berlin zu sein.
Um so bitterer sind die Verdrehungen, nicht nur in diesem Thread.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass eben dadurch solche Gegen-Bewegungen wie wir sie bei Höcke und Gefolgschaft wahrnehmen, befeuert werden.
Ganz genau, Mareike!
Fred hat übrigens auch noch geschrieben.

Zitatauszug: "Schon seit geraumer Zeit treibt mich diese Frage um und ich habe bis heute keine befriedigende Antwort darauf. Ich würde mich daher freuen, wenn in diesem Thread sachlich und ohne gegenseitige Polemik darüber dikutiert und vielleicht sogar eine Erklärung gefunden werden könnte, die allgemeine Zustimmung findet. Nur weil ein Herr Höcke auf recht verzwirbelte und mehrdeutige Weise in seiner Rede u.a. gesagt hat, dass Berlin eine diesbezüglich Ausnahme darstellt, ist es nach meiner Meinung erlaubt, diese Tatsache einmal ganz unvoreingenommen zur Diskussion zu stellen.
Nicht wenige Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang. Spielt vielleicht die Zahl der Opfer eine Rolle, ein Mahnmal zu setzen und sind mehrere hundertausend Menschen, die verfolgt und getötet wurden, es (noch) nicht wert, ihrer in Form eines Mahnmals zu gedenken? Müssen erst Millionen umgebracht worden sein wie in Deutschland während der Nazidiktatur? Kann es vielleicht auch sein, dass der Nationalstolz dieser Völker dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielt?" Zitatende

Auch ich denke, dass in diesem Thread Verdrehungen durch einige Diskussionsteilnehmer  erfolgten, was ich ausdrücklich verurteile. Hier ein Beispiel in eigener Sache: Der von "Chis33" zu meinem Beutrag geschriebene Kommentar: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen." ist für mich ein eklatantes Beispiel für absichtliches Misverstehen und lächerlich machen. Das ist stillos!!
 
Mareike
Mareike
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Mareike
als Antwort auf Karl vom 22.12.2017, 13:45:35

Mit dem "Klima der Angst" alleine ist es meiner Meinung nach nicht zu erklären.

"Im Überblick betrachtet und in Relation zur Gesamtbevölkerung gab es in Deutschland zwischen 1933 und 1945 nur sehr wenige Bürger, die im Alltag die Zivilcourage aufbrachten, sich dem System des NS-Staates zu verweigern oder gar zu widersetzen. Aber es gab vereinzelt auch diesen zivilen Widerstand im Kleinen, indem Anordnungen der Regierung nicht befolgt wurden. Es gab Eltern, die versuchten, ihre Kinder von der HJ fernzuhalten, Soldaten, die sich weigerten, an Kriegsverbrechen teilzunehmen, Bürger, die Juden versteckten oder Zwangsarbeiter mit Nahrung versorgten, Gefängnisbeamte, die Akten „verlegten“, um Häftlinge vor der Verschickung zu bewahren. Auch wenn dies Einzelaktionen waren, bedeuteten sie für die betroffenen Personen beträchtliche Gefahr." (Wikipedia)

Vor einiger Zeit schaute ich eine Dokumentation über der Besatzungszeit in den Niederlanden und war verwundert, dass es anfänglich kaum Widerstand gab, sogar relativ viele Mitläufer.
Das änderte sich jedoch schlagartig, als es mit der Verfolgung der jüdischen Mitmenschen losging.
Der Februarstreik im Februar 1941 in Amsterdam und Nordholland war eine im besetzten Europa einzigartige Reaktion auf die ersten Judendeportationen in den Niederlanden.


Anzeige

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von ehemaliges Mitglied

Gestern sah ich „Erich Kästner und der kleine Dienstag“, anschließend  wurde in der Tagesschau von einem 60 jährigen berichtet:

https://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/judenhass-in-schoeneberg-auch-ein-polizist-kann-den-antisemiten-nicht-stoppen

dann lese ich hier und kann manchen Beitrag einfach nicht verstehen.
olga64
olga64
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Mareike vom 22.12.2017, 15:10:18

Sicher gab es auch die Menschen, die Sie schildern - die deutsche Schuld wäre ja noch unerträglicher, wenn es nicht auch Anständige gegeben hätte, die sich dagegen wehrten.
Aber die Mehrheit war halt doch anders: die lehnten dann an Fenstern (unter ihren Ellenbogen weiche Kissen) und sahen dem Abtransport ihrer Nachbarn in eine unbekannte, aber tödliche Gegend zu. Dann sofort zur Besichtigung der freien Wohnungen und Anspruch darauf erheben; dazu wurden dann die zurückgelassenen Möbel und anderes Inventar mitgenommen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Antiquitäten, Bilder, GEschirr noch heute in deutschen Haushalten aus dieser Zeit existiert.
Man hatte ja von nichts gewusst und versucht, dieses Märchen bis in die 68er Jahre aufrechtzuerhalten, bis eine neue Generation sich damit nicht mehr einverstanden erklärten und ihre stummen Eltern dafür auch verachteten.
Bei einigen dieser Beiträge habe ich den Eindruck (den ich schon seit Jahrzehnten habe), dass unbedingt versucht werden soll, andere Länder und Nationen festzunageln an deren Schuld, egal in welchem Zusammenhang sich diese aufbaute, nur um die eigene, deutsche Schuld kleiner erscheinen zu lassen.
Das wird nie gelingen, weil Schuld und Schuldvergebung nicht im Bereich der Täter liegt, sondern ausschliesslich bei denen, die unter ihr gelitten haben oder bis heute leiden müssen. Von  diesen infantilen Gedanken bis hin zu "wird man doch mal sagen dürfen", "einmal muss Schluss sein" sollten wir uns endlich verabschieden, weil sie uns Deutsche unglaubwürdig machen im Bestreben, unsere historisch einmalige Schuld aufzuarbeiten. Es nützt auch nichts, zwanghaft die Anzahl von Toten gegeneinander aufzurechnenen - Deutschland hat hier eine Spitzenreiter-Position. Olga

Mareike
Mareike
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von Mareike
als Antwort auf olga64 vom 22.12.2017, 17:44:46

Wenn Sie etwas sorgfältiger gelesen hätten, hätten sie gesehen, dass ich schrieb, dass es nur sehr wenige Menschen gab, die Zivilcorage zeigten, das war in anderen Ländern anders.

Ich persönlich glaube nicht, dass alle die schwiegen, sich auch bereichert haben oder gerne zugeschaut haben.
Es war wohl eher so, dass weggeschaut wurde oder hingenommen. In einigen Gesprächen sagten mir Zeitzeugen als Erklärung: "Das war damals Gesetz."
Das Motiv Angst wurde dagegen selten artikuliert.

Hier in dem Ort, wo ich lebe, gab es ein Gefangenenlager.
Viele russische und französische Gefangenen sind hier gestorben.
Die Leichen wurden auf offenen Wagen abtransportiert und in einem Wäldchen verscharrt.
Es hat bis weit in den 80er Jahren gedauert, bis auf Betreiben einer Bürgerinitiative eine Umbettung erfolgte.
Und zwar an einem anderen Ort, weil hier am Ort des Geschehens die Gedenktafel immer wieder beschmiert oder zerstört wurde.

An Aufarbeitung glaube ich nicht mehr so recht. Wie auch? Die wirklich Schuldigen sind nicht mehr unter uns.
Aus Verantwortunggefühl für die Zukunft wäre es an der Zeit zu schauen, welche Karaktereigenschaften zu förden wären, damit die junge Generation mutig und energisch für Menschenwürde einsteht, einstehen kann.

lupus
lupus
Mitglied

RE: Warum stehen in Washington, London, Paris, Moskau und anderen Hauptstädten keine Mahnmale/Denkmale der eigenen Schande?
geschrieben von lupus

Ich habe und will nicht den ganzen Faden lesen , aber der Eröffnungsbeitrag scheint mir recht deutlich gezielt  listig zu sein.
lupus
 


Anzeige