Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Margot Honecker ist tot.

Innenpolitik Margot Honecker ist tot.

lupus
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Re: Margot Honecker ist tot.
geschrieben von lupus
als Antwort auf Tina1 vom 10.05.2016, 14:12:06
Im letzten Absatz übertreibst du schon etwas. Die religiöse Erziehung und Bildung von Kindern beweist schon etwas Anderes.
Und deshalb ist wohl auch nicht alles gescheitert.
lupus
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Re: Margot Honecker ist tot.
geschrieben von lupus
Meine Meinung zum Farbenstreit zwischen Frau Olga und Dutsch.
In der alten Bundesrepublik verblasste die starke Bräunung mit der Zeit und dem Generationswechsel. Im ehemaligen DDR-Gebiet begann eine vorher absolut unterdrückte Bräunung nach der Wende.
Vielleicht war die Bräunung latent vorhanden? Sie könnte aber auch stark verweht worden sein.
lupus

(Nicht ganz ohne Beziehung zu Honecker)
olga64
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Re: Margot Honecker ist tot.
geschrieben von olga64
als Antwort auf lupus vom 10.05.2016, 17:38:40
Das ist ein kluger Beitrag, Lupus - danke dafür.
ABer über die Farbenlehre streiten Dutch und ich uns nie. Es ist einfach meine Renitenz, dass ich die Wohltaten und ERfolge sozialistischer Staaten bis heute nicht anerkennen mag und mich stur davon leiten lasse, dass es keinen sozialistischen Staat mit demokratischen Strukturen gibt,bzw. deren Überlebenschancen täglich minimiert sind. Schaut man sich China an, Cuba, Vietnam und jetzt auch noch Nordkorea, wo erstmals westliche Journalisten zum Parteitag zugelassen waren. Ganz zu schweigen von Russland und natürlich der unvergesslichen DDR. ES mag dann grosse Enttäuschung bei Menschen wie Dutch und anderen vorliegen,dass sie innerlich auch erkannt haben, dass dieses Experiment nicht klappte und sie wenig bis keine Mitstreiter finden, um es nochmals zu versuchen.
Und ja, so ehrlich muss man sein: vermutlich gibt es eher die braune Strömung weltweit, die hier ihr Experiment plazieren kann und wird und davor graut mir sehr. Olga

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lupus
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Re: Margot Honecker ist tot.
geschrieben von lupus
als Antwort auf olga64 vom 10.05.2016, 17:45:10
Nun es gibt eben ,wie in vielen anderen Bereichen auch Detailübereinstimmungen bei allgemeiner Nichtübereinstimmung.
Ich habe sie schon mehrere Male als sture (entspricht ihrer Selbsteinschätzung) DDR-Hasserin wahrgenommen.
Ihre Äußerungen z.B. zur DDR-Vergangenheit sind für einen Kenner dieser Szene oft nur schwer erträglich,denn ein vernünftiger Mensch kann von ihm erkannte Unwahrheiten nur mit Anstrengung (oder nicht) unwidersprochen hinnehmen.
Ich glaube mich fern von einer Verklärung der Vergangenheit.
lupus
Lindensee
Lindensee
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Polytechnische Ausbildung
geschrieben von Lindensee
In diesem Thema,

das dem Nachruf einer Verstorbenen gewidmet ist,

möchte ich über einen weiteren Verdienst, der in anderen Internet-Veröffentlichungen Margot Honecker zugeschrieben wird, berichten.

Die polytechnische Ausbildung in der DDR

Die Unterrichtsstunden der polytechnischen Ausbildung wurden in der DDR
ab ca. 1975 PA (Produktive Arbeit) und davor
UTP (Unterrichtstag in der Produktion)
genannt. Insbesondere dieser Ausbildung habe ich beruflich wie privat vieles zu verdanken.

Ich erinnere mich im Zeitraum meiner Schulbildung an folgende Ausbildungsgänge:

7./8. Schuljahr
Ausgebildet wurden wir dort überwiegend in Metallverarbeitung also:
- Anreißen, Körnen, Bohren, Senken
- Feilen, Entgraten, Rundungen, Langlöcher ausarbeiten
- Gewindeschneiden (Innen- und Außen-)
- Sägen (maschinell und von Hand)
- Biegen
- Putzen (Entfernen von Schlacke von frischen Schweißnähten), Entrosten
- Lackieren, Tauchen

PA im 9. Schuljahr fand überwiegend in einem Betonwerk statt
- Schütten von Beton für diese keilförmigen Baustraßensegmente (dabei immer schön die Kranösen in die Bewehrung einhaken und von Beton freimachen)
- Bewehrungsbau (mit Stahlprofil und Rödeldraht)
- Fertigen von Fensterstürzen und Zaunpfählen

10. Schuljahr
Einsatz in Brigaden des Wohnungsbaus (Elektroinstallation)
- Anbringen der Lüsterklemmen an die Lampenleitungen
- Anbringen/Anschließen von 12 V-Tastern
- Installation (Gipsen) von unter-Putz-Leitungen
- hie und da mal Austragen von Materialien in die einzelnen Aufgänge (Holzabdeckungen für Leitungsbündel, die später über bzw. unter den elektrischen Wohnungsverteilern angebracht/angeschossen wurden).

Der zeitliche Turnus war folgender:
PA/UTP fand 1x für ca. 6 Unterrichtsstunden alle 14 Schultage in den Klassen 7-10 statt.

Der Turnus wechselte mit den theoretischen Fächern ESP (Einführung in die sozialistische Produktion) und TZ, letzteres stand für Technisches Zeichnen.
hobbyradler
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Re: Polytechnische Ausbildung
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf Lindensee vom 10.05.2016, 19:47:21
Hallo Lindensee,

ich habe erst nach der Wiedervereinigung beruflich Menschen aus der DDR kennen gelernt, meist welche mit Studium. Ohne Ausnahme kann ich sagen, dass sie sehr gut ausgebildet waren, Westdeutschen in Bezug auf Wissen auf keinen Fall nachstehend.
Es gab allerdings ein anderes Problem, sie hatten extreme Hemmungen eigene Entscheidungen zu treffen und deren Realisierung durchzusetzen. Ob ich damit richtig liege weiß ich nicht, doch damals dachte ich, sie seinen vom System zur Unselbständigkeit erzogen worden.

Ciao
Hobbyradler

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Lindensee
Lindensee
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Re: Polytechnische Ausbildung
geschrieben von Lindensee
als Antwort auf hobbyradler vom 10.05.2016, 20:26:27
Danke Hobbyradler für die Bezugnahme und die Anerkennung.

Ich kann eigentlich nur antworten, dass man nicht alles gleichzeitig haben kann. Das mit der geringeren Entscheidungsfreudigkeit kann ich schon bestätigen, da waren westliche Kollegen besser. Von extrem möchte ich aber nicht sprechen.
Und es ist erlernbar - auch nachträglich.

Der überwiegende Teil der arbeitenden DDR-Bevölkerung war zur DDR-Zeit angestellt beschäftigt (also nicht als -entscheidungsfreudiger- selbständiger Unternehmer tätig), so jedenfalls mein Empfinden.
Das hat sich aber nach der Wende hin zur Selbständigkeit geändert.
Nach meiner Wahrnehmung nur eine Sache fehlender Erfahrung.

Dieses Thema hier ist dem Tod von Margot Honecker gewidmet und eine ihrer Ideen - s. mein voriger Beitrag - war die Einführung der
Polytechnischen Ausbildung.
lupus
lupus
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Re: Polytechnische Ausbildung
geschrieben von lupus
als Antwort auf hobbyradler vom 10.05.2016, 20:26:27
Ja an dieser Beobachtung ist was dran.
Hintergrund dazu: In einer zentralen Industrieleitung unterschrieb nur der Generaldirektor und seine Direktoren nach außen gehende Schreiben.
Nach der Wende:
In einer größeren Behörde unterschrieb , zu meinem Erstaunen , jeder Sachbearbeiter und auch Mitarbeiter (nach eingrenzender Regelung zwar) ihre Schreiben selbst.

In der DDR mußte also deine Äußerung die Zustimmung des Direktors finden. Das führte in langer Übung zur Unselbständigkeit.

lupus
ehemaligesMitglied66
ehemaligesMitglied66
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Re: Polytechnische Ausbildung
geschrieben von ehemaligesMitglied66
als Antwort auf lupus vom 10.05.2016, 22:25:54
Als Betroffener möchte ichs mal so sagen.
Bei allem Mist und Übel was die Margot angerichtet hat, die grundsolide, fachlich exellente Ausbildung der Schüler, hat sie nicht antasten können.
Ein einheitliches Schulsystem von Thüringen bis Meck-Pomm, gut ausgebildete Fachlehrer, Leistungsorientierung, hohe Abschlußquote, haben uns das Mitmachen von Politik, Halstüchern, Blauhemden und Fahnenappellen so nebenbei abspulen lassen.
Bei den meisten ohne Schäden zu hinterlassen.
Der Einsatz von Schulpsychologen und Sozialarbeitern war zu meiner Zeit kein Thema und auch nicht notwendig.
Traumatisierte und sich in Psychosen badende Schüler gabs einfach nicht.
olga64
olga64
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Re: Margot Honecker ist tot.
geschrieben von olga64
als Antwort auf lupus vom 10.05.2016, 19:27:32
I
xxxx Ich habe sie schon mehrere Male als sture (entspricht ihrer Selbsteinschätzung) DDR-Hasserin wahrgenommen.
Ihre Äußerungen z.B. zur DDR-Vergangenheit sind für einen Kenner dieser Szene oft nur schwer erträglich,denn ein vernünftiger Mensch kann von ihm erkannte Unwahrheiten nur mit Anstrengung (oder nicht) unwidersprochen hinnehmen.
Ich glaube mich fern von einer Verklärung der Vergangenheit.
lupus[/quot
e]

Meinen Sie hier nun den Plural der Diskutanten oder mich persönlich? Wenn letzteres, kann ich Sie beruhigen. Ich hasse die frühere DDR nicht (soviel Gefühlsaufwand für eine untergegangens Land ist mir wirklich fremd). Meine Beurteilung resultiert aus diversen Besuchen in der DDR, z.B. Ostberlin und während der Messe in Leipzig. Es waren meine subjektiven Eindrücke, die aber nicht unwahr sind, weil ich sie ja so erlebte.
Menschen lernte ich z.B. auch auf meinen Reisen nach Cuba und in die Sowjet-Union kennen, wo ich das System überhaupt nicht verstand, wenn spätabends die DDR-Leute von der Bar gehen mussten, weil sie im Bruderland nur noch mit Valuta wie Deutschmark oder US$ bezahlen durften.
ABer es stimmt natürlich: meine Praxis ist einseitiger. Ich erlebte nur die Demokratie und ein freies Land - Sie alle aus der früheren DDR haben nun Diktatur und Demokratie und somit eine Vergleichsmöglichkeit. Olga

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