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Kants Maßstab des guten Handelns …


Kants Maßstab des guten Handelns …

Würde man sie zum Maßstab des guten Handelns machen, käme man zu lauter Wenn-Dann-Sätzen: „Wenn Du einen guten Ruf haben willst, zieh‘ keine vergammelte Kleidung an!“, oder „Wenn Du ein guter Fotograf werden willst, dann wähle Deine Motive so, dass andere sie nicht entdecken können!“

Offensichtlich handelt es sich um alles andere als um universale Prinzipien, die immer und für jeden gelten. Unser zweiter Satz zum Beispiel gilt nur dann, wenn ich ein guter Fotograf werden will. Deshalb heißen diese Sätze hypothetische Imperative, also: Handlungsanweisungen, die abhängig sind von Ihren „wenn“-Bedingungen.

Der kategorische Imperativ hingegen steht über all dem und gilt in jeder Situation für alle vernunftbegabten Wesen. Damit er das kann, muss er aus dem, was die Vernunft ist, unmittelbar ableitbar sein. Denn alle vernunftbegabten Wesen könnten sich in jeglicher Hinsicht stark voneinander unterscheiden, nur darin nicht: die Begabung zur Vernunft haben sie alle gemein. Kant muss die Vernunft darum als das einzige Kriterium setzen, auf das er sich für sein Projekt beruft.
Laut Kant existiert die Vernunft als Zweck an sich selbst. Das heißt: Sie als Zweck zu haben gilt zunächst einmal für jedes Vernunftwesen unmittelbar und unbedingt. Damit unterscheidet sie sich von allen anderen, individuellen Zwecken. Zum Beispiel „schöne billige Garnelen“ zum universellen Zweck für alle Vernunftwesen zu erheben, wäre offensichtlicher Unsinn.

Individuelle Interessen und Neigungen sind eben nicht absolut: Nicht jeder mag – zum Glück! – schön billige Garnelen. Oder anders herum: Wenn ich für alle denkbaren vernunftbegabten Wesen eine einzige Weise bestimmen will, um sie zu behandeln, muss ich fragen, welche Interessen sie teilen, und da individuelle Interessen dafür nicht infrage kommen, bleibt als Kriterium nur die Vernunft. Sie müssen daher mindestens als Zweck behandelt werden, denn sie sind ja vernunftbegabt.
In diesem Sinne …
 


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Kommentare (1)

Manfred36


Danke für den Unterricht in Philosophie. Ich bin ungebildet und war nie im Stande, philosophische Kenntnisse aufzunehmen. Für mich gibt es den Verstand, und wo eine Sinngebung noch dazu kommt, die Vernunft. Sinn steuert für mich meist mein Bauchgefühl, während mein Verstand nach Algorithmen verläuft. Von Kant weiß ich den kategorischen Imperativ der Aufklärung: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Andern zu“.
Reicht das nicht?


 


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