Adieu, mon cher

Wer nie in seiner Jugend Sturmeszeiten
geträumt von endlos großen Weiten,
niemals sein Herz auf Wanderschaft geschickt,
und nie in Nachbars Garten nur geblickt.

War immer brav, wie es im Buch beschrieben,
hat seine Träume jedermann verschwiegen,
seine Wünsche stets nur unterschlagen,
er hat sich nie getraut, Leben zu hinterfragen. 

Er hat ein Lob verdient - und einen Orden!
Was ist aus seinem Lebenstraum geworden
und mit dem Ziel, zu dem er immer strebte?
Kann er heut sagen, dass er wirklich lebte?

Er baute auf, mit Fleiß und viel Geschick.
Manchmal half auch ein Quäntchen Glück.
Das Leben war zu keiner Zeit ganz leicht.
Eines Tags ist das Finale dann erreicht.

Es heißt dann Servus und Aufwiedersehn;
er blieb ja gern, doch zwingt man ihn, zu gehn.
Damals in jungen Jahren lockte ihn die Ferne.
Nun reist er ab. Sein neues Ziel: die Sterne.

Dann steht er ganz allein vorm großen Tor
und kommt sich fürchterlich verlassen vor.
Da hört er eine Stimme, ganz besonnen: 
Mein Freund tritt ein! Du bist willkommen!

(©2020 by H.C.G.Lux)


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Kommentare (4)

Distel1fink7

PAN


Dann kannst Du Dich zu später Stunde anstrengen wie Du willst.
WEM die Stunde schlägt ".


Gute Nacht für diese Nacht
Distel1fink7

Syrdal


Fernreisen

Vielen geht es so wie hier beschrieben,
wer hat in Jugendzeiten keinen Traum,
aber doch sind sie zuhaus geblieben,
um sich zunächst eine Heimstatt zu baun
mit einer lieben Frau und einem Kind,
zu dem sich bald Geschwister gesellten,
den Jugendtraum verflüchtigte der Wind,
er allein bereist die fernen Welten.

Im nächsten Leben klappt es aber ganz bestimmt…

...verspricht Syrdal

 

chris33

Dieses Gedicht beruehrt mich sehr!

Es offenbart die Reflexion auf das Leben und den Tod. 
Selbst am Ende bleibt der Drang nach Neuem und Unbekanntem bestehen, sei es in Form von spiritueller Erleuchtung oder der Hoffnung auf ein Leben danach.... 

Danke Pan, fuer das Teilen dieser inspirierenden Zeilen. 

Chris33 

Pan

Alles Lebensnotwendige, Alpha und Omega, bewegt sich auf der Schiene des Nichtvoraussehbaren! 
Man muss nur versuchen, Reales als Neuigkeit zu sehen. die "fernen Welten" (die Syrdal meinte) sind dann gar nicht mehr so fern, habe ich festgestellt. Meine Abenteuer begannen schon, als der Besuch des Nachbarlandes  nur mit diversen Visa möglich war ...
 


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