Der verwaiste Garten

Autor: ehemaliges Mitglied

Der verwaiste Garten

Vor längerer Zeit erzählte  ich hier eine kleine Geschichte von einem  alten Mann und seinem Garten. 

Bei meinen Spaziergängen, die mich fast immer an der Gartenkolonie entlang führen, fiel mir der gepflegte Garten vor ein paar Jahren auf und der alte Mann der darin arbeitete. Das Gartenhäuschen hatte eine Solarzelle und zusätzlich ein Windrad auf dem Dach und alles was eine Familie so braucht um einen schönen Sommertag zu zu erleben, gemauerter Grill, eine Sitzecke mit Sichtschutz und rund herum bluehte es, manchmal beneidete ich den Mann um sein Kleinod. Mit dem ersten warmen Sonnenstrahlen sah man ihm in seinem Garten arbeiten, immer war er allein, Familie vermutlich nicht mehr vorhanden, wie das eben im Alter so sein kann. Er verließ seinen Garten erst wenn es kalt und nass wurde und war wieder da, wenn die Sonne wieder wärmer wurde. Dieses Frühjahr sah ich ihn nur einmal, dann nie mehr, der Garten war verwaist und verlor schnell sein gepflegtes Aussehen. Den alten Mann gibt es nicht mehr und da er sehr fit schien, denke ich, der hätte seinen Garten bestimmt nicht freiwillig aufgegeben, krank oder tot ist meine Vermutung, alles hat einmal ein Ende. 

Die Vergänglichkeit des, Lebens wurde mir wieder so richtig bewußt. 

Nun sah ich ein junges Paar im Garten sitzen, aber alles wirkt etwas verwahrlost, aber vielleicht haben sie eben andere Vorstellungen von ihrem Schrebergaertchen wie der alte Mann oder ich. 

Rosenbusch 


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Kommentare (4)

Xalli

zwar kein Garten, aber ein kleines Stück Erde vor der Terasse
der Wohnung war das ganze Glück einer Mieterin hier im  Haus.

Vom Balkon oben konnte ich das Entstehen eines kleinen
Paradieses verfolgen und pflückte mir mit Zoom vom Balkon aus
etliche Pflanzen.

Am Ende des Jahres bastelte ich ihr einen kleinen Kalender von
ihrem "Gärtchen" , bei Übergabe strahlte sie und erzählte was
sie für das nächste Jahr plant.

Sie erlebte das nächste Jahr leider nicht mehr, das kleine
"Stück Garten" wurde vom Vermieter geebnet, überlebt hat das
der Rosenstrauch.

Schau ich nun von meinem Balkon, schau ich in den mächtig
gewachsenen Rosenstrauch voller weißer Blüten und am
24.12. erblühte die letzte Rose des Jahres....


28Ajpg.jpg

LG.Xalli

ehemaliges Mitglied

@Xalli  Danke für deinen Kommentar.
Deine Geschichte ist meiner sehr ähnlich, zwei Menschen, die sich in einem Fleckchen Erde ihr kleines und grünes Paradies geschaffen haben. Schade , dass es in deiner Geschichte mit dem einebnen geendet hat,  aber du hast deiner Nachbarin  bestimmt eine Freude mit dem gebastelten Kalender gemacht und in beiden Geschichten, deiner und meiner haben sich zwei alte Menschen selbst eine Freude und Lebensaufgabe gemacht.

Herzlichst Rosenbusch

Syrdal


Das ist nun mal der Wechsel der Generationen, auch wenn bei weitem nicht immer das Nachfolgende besser ist als das mit viel Engagement und Liebe oft mühsam geschaffene Bestehende. Es hat halt ein jeder seine eigenen Formen und seinen Lebensstil. – Das Schöne an deiner Geschichte aber ist doch, dass der alte Mann über Jahre hinweg sichtlich Freude an seinem Garten hatte, also ehrliche Freude am Leben. Mit dieser Freude des bewusst Erlebten konnte er schließlich hinüber wechseln in den „ewigen Garten“. Ganz sicher hat er seine erlebte Freude mitgenommen und so bleibt sie ihm erhalten in Ewigkeit…

...meint
Syrdal
 

ehemaliges Mitglied

@Syrdal  Danke für deinen Kommentar, ja, ich hatte immer das Gefühl, der Garten ist sein Leben und auch immer das Gefühl, wenn er seinen Garten nicht mehr hat, dann ist er nicht mehr unter den lebenden.
Ich blieb jeden Tag auf dem erhöhten Weg vor der Gartenkolonie stehen, sah in die Gartenkolonie, sah den  Mann arbeiten und freute mich an der ganzen blühenden Pracht in allen Gärten, ab und zu, wenn nicht abgeschlossen war, lief ich durch die Gartenkolonie und fand es immer wunderbar.

Herzlichst Rosenbusch


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