die Ratten - kein Schauspiel, oder doch?


..ich lebte damals in einer Bäckerei und irgendwann im Jahr kam die große Braunkohlen-Lieferung mittels LKW, einem Holzvergaser, der so gräßlich stank. Dieses Ungetüm fuhr in den Hof und man schaufelte die Ladung Kohle vor dem Schuppen runter. Der Berg war so riesig hoch, daß man die Eingangstür nicht mehr erreichen konnte.
Ich wurde hochgehoben und stand mit einer Schaufel auf dem Berg und schaufelte den Gipfel ab, bis sich eine Lücke fand, um durchzuschlüpfen.
Dort runterrutschen und schon war ich im Schuppen drin. Von Innen ging die Arbeit weiter und ich bohrte mich in den Beg hinein, bis es langsam anfing nachzurutschen und ich anfing die Kohle weiträumig zu verteilen. Ich schaufelte in alle Ecken und plötzlich stand sie da. Eine Ratte mit Panik in den Augen. Ich hob die Schaufel--------und sie sprang!
Direkt auf meine Brust und biß sich fest. Ich packte sie und schmiß sie weg, nahm die Schaufel und klatschte mehrmals drauf und erst danach kam mein Schrei...............
Dieses Vieh war tot, mein erster Mord!
Von draußen hörte ich schreien und rufen, wie versteinert stand ich da , sah nur dieses Biest und dachte an ein Ratttennest. Wo eine ist, da sind noch mehr - und was macht der Hühnerstall? Und weglaufen konnte ich nicht, der Berg mußte abgebaut werden, raufkrabbeln ging da nicht. Ich fing an zu schaufeln, von außen schaufelte man eine Lücke zur Schuppenwand. Und es rutschte immer wieder nach.
So geht das nicht, hörte ich Vati sagen, und holte den Gartenschlauch und eine Leiter. Gab mir ein Zeichen, daß er seitlich den Gartenschlauch zu mir runter läßt und ich mich daran festhalten sollte und die Bergbesteigung begann. Nach 3 Versuchen hatte ich es geschafft und ich war draußen.
Er, in seiner Bäckerkleidung ganz in weiß und kleinkarierten Hosen und ich tief schwarz.
Und die tote Ratte lag dort noch drin. Und wo ist die andere Brut?
Unser Geselle, der Hans, der hatte eine Idee, er kam mit seinen Freunden und schaufelten nach der Ratte und fanden sie auch.
Ratte raus und Kohlen drin. Und die präsentierten sie mir dann auch noch.
Wie ekelhaft, aber diese Narbe habe ich heute noch.

Gruß Finchen


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Kommentare (8)

Traute Du warst todesmutig und treffsicher.
Ach die Ratten, sie haben in der Fluchtzeit die Ohren der Kinder
und Erwachsenen angeknabbert.
Wie es mich vor diesen Tieren graut.Wenn ein Körperteil kalt
genug ist fressen sie es an.
Also, ich bewundere Deinen Heldenmut, ich bin nicht schüchtern,
aber da wäre ich kreischend geflüchtet, egal wohin, Hauptsache weg.
Mit dem Vierblättrigen Kleeblatt für Tapferkeit zeichne ich Dich hiermit aus,
Liebe Grüße,
Traute
Wenn ich so etwas erlebt hätte, hätte ich meine Ratten bestimmt nicht ,wenn auch aus sicherer Entfernung, beobachtet.
Ein lieber Gruß von mullemaus
Kartoffelkäfer sammeln kenne ich auch noch aus meiner Schulzeit.
mullemaus
anjeli Selena, selena, ich habe erstmal herzhaft gelacht.

Diese Schühchen hast du dir ja nicht angezogen.

Ich bin immer wieder überrascht, dass ich hier im ST immer noch dazu lerne.

Letze Tage habe ich einen Gruppenkommentar (Seite 17) für den Beitrag Begegnung
mit dem schlanken König und anderen Lieblingen
über die Kartoffel geschrieben. Dabei habe ich erwähnt, dass ich mit dementen Damen über die Kartoffel gesprochen habe. Ich habe erfahren, einige Damen mussten als
Schulkinder auf die Felder und Kartoffelkäfer in einer Blechbüchse einfangen.

Von Luchs35 kam dann der Kommentar - anjeli, das hätte ich dir auch sagen können und
noch einiges von Maikäfern. (lach)

anjeli

selena Liebe Anjeli,
ich hoffe doch, Du meinst nicht mich ???
Ich bin zwar schon "Älter" -
aber, zum Glück noch nicht dement )))
noch ist die Nacht - (Balkonesisches Verweilen in Dunkelheit)
und mit ihr einhergehend, das Träumen und Sinnieren,
mein Freund.

Mit einem lächelnden Gruß an Dich,
selena
anjeli ich hatte noch nicht das zweifelhafte Vergnügen einer Ratte zu begegnen.
Dein Verhalten war sehr mutig und deine Geschichte sehr lustig geschrieben, sodass ich
stellenweise lachen musste.

Einige Menschen lieben ihre Ratte, haben sich das Tier als Haustier auserkoren. Die Ratte sitzt dann bei ihnen auf der Schulter.

Ich kann damit nichts anfangen, brauche ich auch nicht und denke - jeder so wie er mag.

Durch deinen Blog und den Kommentar habe ich jetzt neue Erkenntnisse gewonnen. Viele
ältere Menschen, die in Seniorenheimen leben, entwickeln Ängste bei Dunkelheit. Bei
dementen Menschen ist es schwierig, herauszufinden warum und weshalb.


anjeli
finchen da haste schon recht, nur wenn eine Ratte keinen Ausweg mehr sieht, dann greift sie erbarmungslos an. Und meinste ich hatte keine Angst? Alleine das Vieh vom Körper zu reißen, das war eine Verzweiflungstat und dann noch mit der Schaufel draufzuhauen, das war Panik pur.
Aber danke für Deinen Kommentar und
wünsche Dir ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
das Moni-Finchen
selena Wie hätte ich gehandelt,
an Deiner Stelle?
Das hab ich mich beim Lesen mehrmals gefragt, Finchen.
Als ich 13 Jahre alt war,
wohnten wir in einem Haus, in dessen Keller
(nur Bretterverschläge)es auch Ratten gab.
Wir wohnten in der 4. Etage - Mutti arbeitete -
das Kohlenholen war unter Anderem, meine Aufgabe.
"Bleib oben, an der Kellertreppe stehen", sagte Mutti,
"mach das Licht an - und klapper ganz laut mit dem Schlüsselbund
dann verkriechen sich die Ratten - und immer mit dem Bund weiterklappern,
denn die Ratten haben mehr Angst vor dir, als du vor ihnen."
Das hat mir ja auch eingeleuchtet, aber
meine furchtbare Angst vor diesem Keller hab ich nicht überwunden,
obwohl mir dort nie eine Ratte über die Füße gelaufen ist.
So mutig, wie Du, wäre ich wohl nicht gewesen.

Ein leicht vergruselter Abendgruß
von selena

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