Die Seele und wir


Die Seele und wir
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Ein unerschöpfliches Thema, nicht wahr? In mittelalterlichen Vorstellungen wurde die Seele als winzig-kleines Menschlein abgebildet, das dann bei Lebensende dem Sterbenden durch den Mund entweicht. Die Vorstellung, dass die Seele den Menschen verlassen kann, ist so alt wie die Menschheit selbst!
      Solche visuellen konkreten Darstellungen sind unserer Zeit fremd geworden. Durch Technik und Naturwissenschaft stehen wir diesem Verständnis eines Bildes einigermaßen teilnahmslos gegenüber. Gerade noch als Allegorie können wir Ähnliches noch betrachten, es ist kein realer Teil unserer Körpers mehr, den wir als Seele betrachten. Wir wissen, wie es in unserem Körper aussieht, wo hat denn da noch eine Seele Platz?
      Dennoch, glaube ich, lässt uns die Vorstellung, eine Seele zu haben, nicht los, auch wenn wir nicht gewaltsam versuchen, ihr eine Gestalt zuzuweisen!

      Niemand will sich heute als seelenloser Mensch bezeichnen lassen! In der modernen Zeit reden wir von »Psyche« oder personifiziertem Subjekt, um der »seelenlosen Darstellung« zu entgehen. In der Praxis, aber konnte sich keiner dieser Begriffe richtig durchsetzen. Es blieb bei der SEELE.
       In der Kunst - und auch im Mythos ist eins der am meisten vorkommenden Symbole die Taube! Die Darstellung dieses »Seelenvogels« findet man seit 15000 Jahren schon in der Höhle von Lascaux!
      Die Taube ist aber nicht nur ein Symbol der Seele - sie steht auch für die Liebe, dem Geist und der Hoffnung, der Freiheit und des Friedens! Philosophische Zuwendungen der griechischen Antike hatten immer den Sinn, die Seele nicht bildlich oder konkret darzustellen, sondern sie als Abstraktion zu umschreiben! Die Vielfalt der entwickelten Konzepte mag verwirren. Sie zeigt aber nur, dass diese Beschäftigung mit der Seele ein herausragendes Charakteristikum der Menschen ist.
    So ist selbst Platon in seinen philosophischen Texten immer wieder auf die Bildersprache ausgewichen, um metaphorisch darzustellen, was er abstrakt nicht zu umschreiben vermochte. Er verknüpft Logos und Mythos, ohne dadurch an das Ende der Erkenntnis zu gelangen.

      Eines aber ist sicher: Die Seele ist kein Text, der gelesen werden kann oder den man noch dechiffrieren muss. Keiner kann durch Analysen oder Studium diesem Phänomen auf die Spur kommen. Aber sie können den Menschen mit Fühlen und Denken an den Punkt bringen, an dem sich der Sinn für die Seele öffnet!
      Eine so verstandene Seele wird den Menschen aus seiner »Selbstbezogenheit« befreien und sich für den »Anderen« öffnen. Die Seele ist dann der Schlüssel, mit dem das ganze Wesen des Menschen geöffnet werden kann. Das ist mein eigenes Fazit der Gedanken über die Seele. Sie muss nicht richtig sein, doch sie könnte …

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Kommentare (7)

Pan

Für alle anregenden Gedanken möchte ich mich bedanken. Zeigt es mir doch,
dass wir "Alten" stets wach genug sind, Themen dieses Genres zu verfolgen!
Schön, dass es Euch gibt, liebe "Mitbürger" unseres schönen Landes!
Bis auf Weiteres wünsche ich Euch allen
viel (Vor-)Freude 
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Horst

lillii

Danke
lieber Pan für diese morgendliche Meditation, sie hat mir

gut getan

Seele spürt man, wenn man ruhig wird und in sich hinein hört.

Deinen Gedanken stimme ich voll und ganz zu und das nicht nur weil wir uns, im Moment,  in der Adventszeit befinden.

Ich wünsche Dir weiterhin, dass dein Sinn für das Unsichtbare offen bleibt

und  eine gute besinnliche Zeit

adventliche Grüße von Luzie

JuergenS

Der Begriff seelenruhig fällt mir dabei ein, er ist doch ganz passend.

Und die soul-Musik.

(z.B.
 



)))

Florentine

Ich kann über die Seele nur aus meinem Herzen sprechen, nicht aus meinem Verstand. Mein Herz sagt ja. Und ich danke dir für diesen Text. Wichtig ist mir auch, dass ich, die viel mit Tieren zu tun hat, weiss, dass Tiere eine Seele haben. In unserer Zeit, in der Tiere ausgebeutet, als Schlachttiere oder Zootiere, oder als 'Kuscheltiere' missbraucht oder missverstanden sind, ist es mir ein Anliegen, zu wissen, dass Seelen nicht nur in Menschen 'wohnen'. - Florentine
Und auch in Pflanzen, Bäumen, dem Wasser, gar auch noch weiter ausserhalb unserer wahrnehmbaren 'Welt'.

Intui

@Florentine  
Ich bewundere deine Ansicht / Erfahrung, die ich vollkommen teile. 

Ich wünsche uns allen, dass diese immer mehr die Grundlage unserer Gesellschaft wird, denn dann werden sich viele unserer menschgemachten Probleme auflösen.

Danke 🙏

Lerge

Bei diesem Thema fiel mir Dietrich Bonhoeffer ein, der Folgendes schrieb:
Bonhoeffer-Seele.jpg
 
John Henry Newman, englischer Theologe (1801-1890), sagte :
 
Beten ist das Atemholen der Seele
oder umgekehrt:
die Seele stirbt, wenn sie nicht "atmet" (betet).
Interessant......
Lerge
 

Syrdal


Alleine, dass niemand eine „Seele“ klar zu beschreiben vermag, dass sie bestenfalls mit umständlich materialisierter Bild-Vorstellung kaum tauglich umschrieben werden kann, zeigt an, dass allem Lebendigen etwas Unbeschreibbares, Unfassbares und doch Existierendes immanent ist, nenne man es in abstrakter Weise Geist, Seele oder das Göttliche… am besten aber wohl „das Numinose“...

...empfindet und meint
Syrdal


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