Guntherrao Sontheimer



GUNTHERRAO SONTHEIMER

Ich glaube nicht, dass ihr diesen Namen versteht. Gunther versteht ihr alle, auch Sontheimer, aber der Name Guntherrao klingt ganz fremd, ist ja auch fremd, ist indisch, noch besser ist aus meiner Muttersprache Marathi. Wenn ein Herr geehrt adressiert werden soll, dann tut man RAO dazu, wie etwa Prakashrao, oder halt Guntherrao.

Kurz vor meiner Abreise nach Heidelberg mit einem Stipendium besuchte ich meinen Professor fuer Linguistik, Dr. ASHOK KELKAR, der ein international bekannter Sprachwissenschaftler war. Nach einer kurzen Unterhaltung,  gab er mir sein neuestes Buch ueber NOAM CHOMSKY und hat mich gebeten, dieses Professor HERMANN BERGER, dem Direktor des Suedasieninstituts in Heidelberg und Professor fuer SANSKRIT zu ueberbringen. Bei dem Besuch bei Professor Berger hat er seinen Assistenten und Marathispezialisten Dr Gunther Dietz Sontheimer vorgestellt. Er war seit Jahren beschaeftigt, die muendlich ueberlieferte Literatur der Volksgruppe DHANGAR  zu sammeln. Das war eine nomadische Volksgruppe. Die Mitglieder dieser Gruppe wanderten mit ihren Schafen ueberall in der indischen Provinz und anderen benachbarten Provinzen. Was die Schafe in den Feldern lieferten waren Duenger, und so verdienten sie ihr Einkommen.  Jedes Jahr war Gunther 6 Monate in Indien und er hat verschiedene Dhangar-Gruppen ueberall mit seinem Jeep begleitet, mit ihnen gesprochen und er hat deren Goettergeschichten auf Tonband aufgenommen. So viele Dhangars haben ihn gekannt und er war einfach ihr GUNTHERRAO.
Schon vor einigen Jahren hatte Gunther Rechtswisseschaften sowie meine Muttersprache Marathi in meiner Stadt Pune gelernt. Er war froh, dass jemand jetzt in Heidelberg war, der seine grosse Sammlung in Schriftform bringen konnte. Es war Freundschaft auf ersten Blick. In 1971, nach Ende meines Studiums, hat das Suedasieninstitut mir eine Stelle als Bibliotheksassistent und Marathi Lektor fuer ein Jahr  angeboten. Die Arbeit mit Guntherrao war sehr interessant.

Er war ein angesehener Gast bei uns in Heidelberg, weil er indisches Essen sehr genossen hat. Die Freundschaft war bis zu seinem Tod in 1992, der ganz ueberraschend kam. Voll bekleidet sass er bei ihm zu Hause in Heidelberg als die Haushaltshilfe ankam. Die Frau fand ihn so.

Ich habe fast nie Schlagzeilen fuer den Tod eines Auslaenders in einer Marathi Zeitung gelesen, wie bei ihm. Verstaendlich. Er war doch kein Auslaender. Er war der Guntherrao von den Dhangars.


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Kommentare (2)

Rosi65

Lieber Prakashrao,

eine interessante Lebensgeschichte hast Du uns über Gunther erzählt. Sicher war es ihm ein großes Bedürfnis an dem Leben der Dhangar-Nomaden teilzunehmen und darüber zu schreiben.  Wer so viel Zeit mit diesen Menschen verbracht hat, und sicher auch ihre Freude und Sorgen teilte, war ja fast wie ein Bruder für sie.

Viele Grüße
   Rosi65

Prakash

@Rosi65  

Hallo Rosi,

dieses Lieber Prakashrao fand ich ganz toll. Besonders, weil es von dir ist.

lg Prakash


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