Inden vor 40 Jahren


        Die Reise zum verlorenen Sohn


Von Germanien zu den Indern
wollt die Phantasie bemühn.
Wigo tat die Hitze hindern
drum mußt ich alleine ziehn.

Wie der Sohn lebt zu entdecken
war zunächst der Reise Zweck-
-in Bahrein gab´s bösen Schrecken:
Jemand klaute mein Gepäck.

Erst mal, statt zu Bombays Tempel(n)
eilte ich zum Town-Bazar,
kaufte mir den nöt´gen Krempel,
der erstaunlich billig war.

Kaufen ist dort eine Seite –
jener Markt ist voller Wunder:
Seide, Teppiche, Geschmeide –
-Handeln gilts um jeden Plunder.

Diese Farben - die Gerüche
von Gewürzen, Staub und Schweiß,
Sandelholz – und scharfer Küche.
Dazu war´s entsetzlich heiß.

Weiße Türme und Moscheen
-Indiens Tor – Malabar Hill –
Ratten, Tauben - Bettler flehen,
nachts die Straße ihr Asyl.

All dies ist fast unbeschreiblich.
Wär der Sohn mir nicht zur Seite
machte ich ganz unausbleiblich
schon am ersten Tage Pleite. –

Dann zu GOA´s Palmenküste –
feiner Sand und klares Meer.
-braune Kinder – Shivabüste –
Sarg mit heil´gem Franz Xavier.

Hühner flattern hier auf Bäume-
Büffel übers Reisfeld ziehn –
durch Hibiskusblütenträume
Papageien und Affen fliehn.

Möwen sah ich leider keine –
Umweltschützer sind die Raben,
die wie Hund, Schakal und Schweine,
üppig sich am Unrat laben.

Fischer rudern fort vom weiten
Strand, auf hohe See hinaus
ausgedörrte Greise breiten
grobes Netz zum Flicken aus.

Freundlich sind die Goanesen –
tolerant und hilfsbereit
-Christentum und Hinduwesen –
schrankenlose Gastlichkeit.

Sonntags in der Frühe gibt es
(open air - im Großformat)
Breitwandkino - jeder liebt es
weil er noch kein Fernsehn hat.

Feste feiern - fast all=nächtlich
- jeder Gottheit ihren Thron –
Feuerwerk – meist krachts beträchtlich –
Armut lebt von Illusion.

Saris, Haar mit Blumenkränzen,
Tempeltanz auf rotem Kies,
Bunte Mosaiken glänzen.
- Spuren noch vom Paradies

Auch der Sohn lebt wie ein König:
Haus mit Brunnen, Kuh und Boot.
Zivilisation gibt´s wenig –
dafür bäckt er selbst sein Brot.

Riesige Papayafrüchte
wachsen ihm zum Fenster rein –
abends beim Petroleumlichte
laden sich die Freunde ein. –

Nach Erfolges Stufenleiter
hat er sichtlich kein Begehr –
ob so glücklich er und heiter
Auch daheim in Deutschland wär? –

Mutter Indien – Ungezählten
ist die Sehnsucht eingebrannt
die das Land zum Ziele wählten
wo Europas Wiege stand. –

Ich fuhr fort in meiner Reise
-Zeit=los- durch den Kontinent.
Sah was rückständig – was weise
und wo´s untern Nägeln brennt.

Konnt ´, als ich zurückgekommen,
vieles besser nun verstehn.
Habe mir fest vorgenommen:
Indien – auf Wiedersehn.

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Kommentare (2)

Medea Indien, das Land der großen Gegensätze. Auf Sohnes Suche
tauchst Du mit allen Sinnen in das quirrlige, bunte, exotische
Leben ein, läßt Dich gefangennehmen von dem Fremdartigen,
Verführerischen. Die vielen Erlebnisse dieser Reise sind immer noch abrufbar und mir scheint, daß ein Stückchen Deines
Herzens dort geblieben ist.
Es läßt mich Indien mit Deinen Augen sehen.
Herzlich Medea.
karl Wunderbar gelungen ist Dir dieser Reisebericht in Gedichtsform. Ich war auch einmal in Goa (in den späten 80er Jahren) und kann Deinen "Reisebericht" sehr gut nachvollziehen.

Herzliche Grüße, Karl

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