Noch ne Bilanz?

       
Ich bin mir nicht so sicher bei dieser Beurteilung. Was ist es denn wert, wenn ich dieses oder jenes aufzähle. Jeder von uns hat doch seine eigene Aufzählung der guten und weniger interessanten Stunden.
        Gibt es also gesellschaftliche oder politische Ereignisse, die man als erfreulich nennen kann? Wenig, würde ich sagen. Solch eine unfreiwillige Bilanz des Jahres wird stets ausgeglichen dargestellt. Ich selbst verbinde dabei 2022 wie ganz sicher viele andere Menschen vor allem mit Corona, Krisen und Kriegen! Und mit all den entsetzlichen Folgen, die Menschen in allen Ländern der Erde erleiden mussten.
        Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der Völkermord an der muslimischen Minderheit in China, den Uiguren. Die Entrechtung der Frauen in Afghanistan mit der Burkapflicht und dem Verbot der Höheren Schulbildung und dem Studium der Frauen, Dann die Gewalt des islamischen Regimes im Iran gegen Frauen und Männer, die für nichts anderes demonstrieren als für ihre Selbstbestimmung und die Demokratie.
     Aber auch bei uns ist es vielerorts schwierig, die Freiheit, die wir wirklich genießen könnten, zu verteidigen. Sogenannte Reichsbürger, die den Sturz unserer Republik planen? Dann Rechtsextreme, die Asylbewerber angreifen, dazu Antisemitische Vorfälle überall. Der Glaube an das Gute wird durch die brutale Realität tagtäglich erschüttert. Man fühlt sich oft in das Jahr 1939 versetzt.
        Dabei helfen auch die gutgemeinten endlosen »Bitten um Frieden« in der Welt rein gar nichts. Seit ich 11 Jahre alt war(!), wurde um Frieden gebeten, in Kirchen und überall wo Menschen beieinander waren! Und? Haben wir jemals Frieden in der Welt gehabt? Es gab kein Jahr, das nicht in einem Teil der Welt von Leid und Elend durch Kriegshandlungen durchzogen war! Ich kann in dem ganzen Konglomerat nicht erkennen, wo der Rote Faden des Friedens sichtbar ist, leider.
        Ich persönlich werde das Jahr 2022 mit durchaus gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten; es brachte mir nichts besonders Unangenehmes, und deshalb bin ich doch einigermaßen zufrieden. Für das Neue Jahr große Vorsätze? Nein, noch nie habe ich davon viel gehalten. Vielleicht der eine Wunsch: optimistisch und zuversichtlich zu bleiben. Und für uns alle den Wunsch, dass für uns Nächstenliebe kein Fremdwort wird, und wir uns nicht zu viel und nicht zu wenig informieren, um nicht Verschwörungstheoretikern auf dem Leim zu gehen. Für Euch - alle guten Wünsche!

 
 

(©by H.C.G.Lux)
 

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Kommentare (2)

Syrdal


Zitat: „Der Glaube an das Gute wird durch die brutale Realität tagtäglich erschüttert. Man fühlt sich oft in das Jahr 1939 versetzt.“

Doch das, was gegenwärtig droht, würde um ein Vielfaches schlimmer, vielleicht sogar für das Leben auf diesem schönen Planeten endgültig...

...befürchtet
Syrdal

silesio

Der weithin positive Jahresrückblick eines alten Herrn. Möge es auch 2023 so bleiben.
Warum aber die vorwurfsvollen Worte gegen diejenigen, die um Frieden beten oder sich sonst für ihn einsetzen? Ist das nicht hundertmal verdienstvoller, als zu schimpfen! Ein Tun nur nach dem Erfolg zu beurteilen, heisst das nicht auch, sich auf die Seite der Sieger stellen, mit welchen Mitteln sie diesen Sieg erkämpft haben?


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