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Anthropologie / Psychologie Psychopathen: Eine Welt ohne Empathie

nnamttor44
nnamttor44
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Re: Psychopathen: Eine Welt ohne Empathie
geschrieben von nnamttor44
als Antwort auf karl vom 14.04.2015, 21:44:47
Danke Diogenes und Karl für Eure für mich recht aufklärenden Beiträge. Natürlich sind und waren mir viele Fakten in diesem "blöden" Zusammenspiel von Intelligenz, Legasthenie und - ja auch Faulheit - als Laie nicht bekannt.

Mein Sohn war in seiner Entwicklung sichtbar immer seinem wirklichen Alter ein ganzes Stück voraus. Als es dann in der Schule sichtbar wurde, dass er Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten hatte, er nicht nur einmal getestet wurde, war das selbstverständlich auch mit dem "großen Intelligenztest" verbunden. Das bekommt man dann als Mutter einfach so kommentarlos serviert, man glaubt, an der Dummheit des Kindes kann es nicht liegen und es macht sich Hilflosigkeit breit.

Dass dieses Kind natürlich auch seine Eltern "manipuliert", indem es ihnen gegenüber so tut, als könne es nicht besser, macht die Erziehung nicht gerade leichter. Aber das wissen ja wohl alle Eltern. Inzwischen ist mir schon klar, dass dieser Bursche sehr viel Faulheit besaß. Er hatte ein phänomenales Gedächtnis, was er hörte, "blieb sitzen". Sein fotografisches Gedächtnis war ebenfalls sehr stark - und das Ganze hat wohl dazu geführt, dass er es als überflüssig ansah, auch noch zuhause real zu lernen! Die Gymnasiallehrerin, die mir sagte, dass er ohne weiteres ein recht gutes Abi würde schaffen können, stellte während ihrer Arbeit mit ihm natürlich nicht fest, mit wie viel Faulheit er seine Schulzeit durchlief.

Ich denke, mit dem Lesen Eurer Posts ist mir Einiges klarer geworden! Nochmals Danke!!
nnamttor44
schorsch
schorsch
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Re: Psychopathen: Eine Welt ohne Empathie
geschrieben von schorsch
als Antwort auf diogenes vom 14.04.2015, 21:18:12
........................Gab es dort doch schon vor Jahrhunderten den Gesslerschen Huttest, wer sich dabei qualifizierte, durfte anschließend in der Armbrustelite sein besonderes Können nochmals beweisen.

Kleine Erweiterung für dein Wissensreservoir: Wilhelm Tell, Gessler & Co. wurden von einem Deutschen erfunden!


Aufgrund Deiner zahlreichen hochinteressanten, gleichermaßen tiefsinnigen Kommentare hier im ST, deren Wert eh kein trockener Test zu erfassen vermag, füge ich Deinem geschätzten Quotienten von 149 wohlüberlegt noch 51 Einheiten hinzu, sodaß Du heute mit einem offiziell bestätigten IQ von satten 200 ins Bett fallen darfst.

Tut mir leid; kann nicht extra wegen dir noch einen Anbau an mein eh schon massiv strapaziertes Hirn vornehmen lassen, nur damit ich darin dein Geschenk verstauen kann!!!

Herzlich

diogenes
diogenes
diogenes
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Re: Psychopathen: Eine Welt ohne Empathie
geschrieben von diogenes
als Antwort auf karl vom 14.04.2015, 21:44:47
die Befürchtung, lieber Karl, Dein aktueller Hinweis wäre möglicherweise zu sehr 'off topic', möchte ich beruhigen. Mane hatte am Beispiel eines extremen Persönlichkeitstyps zum Nachdenken und Austausch darüber angeregt, welche Erscheinungen und Folgen eine einseitige Betonung der intellektuellen menschlichen Fähigkeiten im existentiellen Miteinander nach sich ziehen kann. Mein Anliegen war es, angeregt durch die Schilderungen von Nnamttor und Gerd, die Grundlagen der Intelligenzmessung einigermaßen verständlich abzubilden, und den Intelligenzkult und auch die Überbewertung des IQ-Scores zu entmystifizieren. Tatsächlich ist für mich die quantifizierte Intelligenzbestimmung die operationalisierte Version des recht heterogenen Intelligenzkonstruktes, der Intelligenztest daher ein Werkzeug, eben auch nur eines ganz im Sinne von Gerds letzten Ausführungen, bei konkreten Fragen, beispielsweise der Eignungsdiagnostik (Schul- / Ausbildungswahl, Bewerberauswahl, …), oder der klinischen Diagnostik.

Die revidierte Standardisierung entspricht hierbei der Nacheichung des Meßinstrumentes, um Ergebnisse im vereinbarten Rahmen vergleichbar zu machen. Der IQ wird bestimmt relativ zur Verteilung der Bezugspopulation, stellt keinen Absolutscore der intellektuellen Fähigkeiten dar.

Dein Hinweis ist somit zutreffend, daß ein erhoffter oder beobachteter Anstieg der Intelligenz in einigen Populationen, wie ihn wohl Flynn vertritt, bei dieser Methode ausdrücklich ausgeblendet wird. Auf Manes Thematisierung bezogen sollte jedoch einem ggf. nachweisbaren Intelligenzanstieg und seinen möglichen Ursachen sehr wohl kritische Beachtung geschenkt werden.

Doch deutet der von Flynn vorgeführte, kontinuierliche Anstieg der Testintelligenz tatsächlich auf stetige Zunahme der kognitiven Fähigkeiten der Mitglieder der untersuchten Populationen hin, oder eher einen Artefakt der Intelligenzmessung. Die von ihm verwendeten Daten wurden wohl inzwischen auch von einigen anderen Untersuchungen bestätigt und scheinen damit zunächst einmal verläßlich, doch wie steht es mit der Validität seiner daraus abgeleiteten Hypothese ?

Vor einigen Jahren wurde ich durch den Bericht in einem Nachrichtenmmagazin auf den Flynn-Effekt aufmerksam, in dem auch einige vermutete Ursachen hierfür genannt wurden, die mich größtenteils nicht überzeugt haben. Allerdings der Hinweis, daß im letzten Jahrhundert die Beschulung und Sonderförderung der Teilpopulation, die im Intelligenztest deutlich unterdurchschnittlich abschneiden, stark verbessert wurde, dadurch ein Varianzanteil der gesteigerten Populations-IQ-Mittelwerte erklärt sei, leuchtete mir ein.

Nun war es mir leider nicht möglich, das verlinkte Video von Flynn's Vortrag anzusehen. Als wir vor 30 Jahren unseren Wohnsitz hier wählten, waren wir nicht intelligent genug, dabei auf ein schnelles DSL zu achten. Hierbei jedenfalls sind wir inzwischen gescheiter geworden und arbeiten an einer Veränderung, doch ist deshalb seither schon unsere Intelligenz angestiegen ?

Deine Umschreibung von Intelligenz, Karl : 'die Intelligenz der Menschen, das heißt ihre Fähigkeit Probleme zu lösen, ' (cit.),

weicht streng genommen von der des Intelligenztests ebenfalls ab, weil dort Aufgaben mit bereits bekannten Lösungen bearbeitet werden müssen, die im Falle der Übereinstimmung das Testergebnis anheben. Problemlösen bedeutet dagegen oft auch das Finden neuer Lösungen, beschreiten bisher nicht begangener Wege unter Zuhilfenahme kreativer Fertigkeiten.

In den ersten Sätzen von Flynns Vortrag, die ich ruckelfrei anhören konnte, beschreibt er dies als die Entwicklung neuer 'mental habits' als Antwort auf die dramatischen Veränderungen des Weltbildes während des 20. Jahrhunderts.

Doch leisteten dies nicht auch schon die Intellektuellen früherer Epochen in vergleichbarer Weise ? Waren Kant, Kopernikus, Kepler etwa weniger intelligent, als Planck, Einstein und Heisenberg ?

Was zweifellos, wie Du ergänzst : ' aus kulturellen Gründen stetig anwächst' (cit.), ist das Wissen, auch über erfolgreiche, wie fehlgeschlagene Lösungsversuche.

Bemerkenswerterweise wird im Titel dieses Videos unseren Altvorderen auch keine geringere Intelligenz attribuiert, wohl aber niedrigere 'IQ-levels'. Könnte hier nicht auch ein anderer Umstand eine Rolle gespielt haben. Im letzten Jahrhundert wurden nicht nur umwälzende Theorien in den klassischen Naturwissenschaften und die Intelligenztests entwickelt, sondern auch die menschlichen kognitiven Fähigkeiten (Wahrnehmung, Denken, Problemlösen, Kreativität, …) mit empirischen Methoden intensiv erforscht. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wirkten sich auch auf didaktische Materialien und Entwicklung lehrreichen Spielzeugs einerseits, auf die in Intelligenztests zu erfassenden Fähigkeiten andererseits aus. Ob wohl aus dieser Synchronisation, vielleicht treffender, teilweisen Konversion ein Teil des von Flynn entdeckten IQ-Anstiegs erklärt werden kann, scheint mir überlegenswert.

Bei einer kleinen Google-Recherche an den vergangenen Abenden fielen mir auch Reportagen zum Flynn-Effekt auf mit Titeln 'wir werden immer intelligenter!'. Da sollte auch der Zeitraum, den Flynn ausgewertet hat, nicht unbeachtet bleiben, der wohl etwa 80 Jahre umfaßt. Läßt sich daraus schon eine kontinuierliche Intelligenzsteigerung extrapolieren ? Wie niedrig müßten wir andererseits den 'IQ-level' der alten Griechen durch entsprechendes Rückrechnen ansetzten, die wir doch immer gerne mal mit Hochachtung zitieren, oder gar die Babylonier ?

So scheinen letztere in Astronomie und Hochhausbau auch schon beachtlich erfolgreich gewesen zu sein. Vielleicht haben sie auch schon den Intelligenztest eingesetzt. Da müßte man mal drüben bei unseren Keilschriftdompteuren nachfragen. Höchstwahrscheinlich haben sie ihn auch schon längst gefunden und an sich selbst durchgeführt. Ich befürchte freilich, daß sie an den damals für wichtig erachteten Aufgaben so jämmerlich gescheitert sind, und ihn schnell tief in ihren Schränken versteckt haben.

diogenes

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