Forum Politik und Gesellschaft Initiativen-Engagement-Vereine Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer

Initiativen-Engagement-Vereine Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf schorsch vom 30.07.2015, 17:24:20
Wie sollen Nachkommen von Ermordeten kontaktiert werden?

Ich erinnere an die sogenannt "Nachrichtenlosen Vermögen" der Juden, die Jahrzehnte lang auf Schweizer Banken lagen - und mit denen diese Banken gearbeitet und Gewinne gemacht haben. Als dann von der Regierung "befohlen" wurde, dass die Banken die Erben dieser Vermögen suchen und benachrichtigen müssten, stellte es sich heraus, dass dies gar nicht so einfach war. Und so würde denn die Nachforschung, um wegen den Stolpersteinen Nachkommen zu kontaktieren, genau so viel Arbeit und Mühe bereiten.

Sollte man aber, im Wissen, dass es fast unmöglich würde, den "Segen" von Nachkommen der Ermordeten zu erlangen, einfach sagen: "OK, wir haben den Guten Willen gezeigt; jetzt kann nur noch Kommissar Zufall helfen!"?


Das ist jetzt aber nicht Dein Ernst, oder?
Muss ich Dich wirklich daran erinnern, welche unrühmliche Rolle schweizer Banken im Zusammenhang mit Konten jüdischer Inhaber gespielt haben? Das lassen wir mal lieber ausserhalb der Diskussion.

Der Initiator und Urheber der Stolpersteine hätte sich an eine der zahlreichen jüdischen Gemeinden oder organisationen in Deutschland wenden können um Kontakt zu noch lebenden Angehörigen zu bekommen - oder direkt an die Zentrale Datenbank der Opfer bei Yad Vashem in Jerusalem. Dort hätte man ihm auch die Angehörigen nennen können aber er hat nur nach Namen und Städten gesucht. Er hat auch nie einen Dialog geführt mit solchen Angehörigen, die sich beschwert haben und besteht auf seine "künstlerische Freiheit". Geld verdienen mit dem Namen und dem Schicksal von Privatpersonen? Nicht ok. Auch nicht unter dem Vorschieben der Betroffenheit.
JuergenS
JuergenS
Mitglied

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 30.07.2015, 17:44:27
ws, es gibt auch eine Gruppe bei fb, die all deine Argumente schon gebracht hat, sie nennt sich etwa: "Gegen die Stolpersteine", dort fühlst du dich sicher zu Hause. Schau mal dort, Gegen etwas sein ist was feines.
Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf JuergenS vom 30.07.2015, 18:30:41
ws, es gibt auch eine Gruppe bei fb, die all deine Argumente schon gebracht hat, sie nennt sich etwa: "Gegen die Stolpersteine", dort fühlst du dich sicher zu Hause. Schau mal dort, Gegen etwas sein ist was feines.


Mit anderen Worten, Du möchtest mich hier nicht länger sehen bzw lesen oder was? Meine Meinung ist nicht erwünscht? Das ist sehr deutlich gewesen-vielen Dank.

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Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 30.07.2015, 19:01:45
Wolkenschieber,

Ruhe bewahren. Ich werde zum Thema einen Beitrag schreiben, der deutlich sein wird. Ich will jedoch alles ins richtige Wörtchen setzen, mich selbst verbal nicht vergallopieren und brauche dafür eine gewisse Zeit.

Dass dagegen sein was Feines ist, muss nicht jeder so sehen, aber gegensätzliche Standpunkte vertreten darf jeder. Wirklich jeder! Noch!

Ich hoffe, dass dieser Thread nicht bis zu meiner Antwortmöglichkeit gesperrt wird, denn nicht immer sind die einfachen Lösungen die besten.
Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Eigentlich wollte ich nicht mehr hier schreiben, nachdem Wolkenschieber Worte aus dem Zusammenhang gerissen hat und zu einer Unterstellung, ich würde " die Juden " als hinterhältig und selbst Schuld bezeichenen , umformuliert hat.

Aber ich kann die falschen Aussagen so hier nicht mehr unwidersprochen stehen lassen.

Mittlerweile sind über 50 000 Stolpersteine in mehr als 1200 Städten und Gemeinden von Europa verlegt.
Ein Großteil davon auf Bitten von Familienangehörigen der Opfer.
Ich habe selbst einige davon kennengelernt und weiß daher dass sie aus Holland und Kanada angereist sind , um bei der Verlegung dabei zu sein.

das Projekt hat viele Ehrungen und Preise bekommen.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Salomon Korn verteidigte das Projekt. Auch der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses und Nachfolger Knoblochs als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dieter Graumann, der aktuelle Zentralratspräsident Josef Schuster und der ehemalige Präsident der Union progressiver Juden in Deutschland und aktuelle Vorsitzende der zweiten jüdischen Gemeinde Münchens Beth Shalom, Jan Mühlstein, haben sich für das Projekt ausgesprochen.

Es ist daher nicht richtig, dass die Mehrzahl der Juden gegen die Stolpersteine sind.
man muss sich fragen, warum man gerade in München so vehement gegen die Stolpersteine ist. Hat man Angst , dass zu viele Steine vor den schönen Villen zu finden sind, wenn man sie zulässt ?

Ich werde jetzt nicht weiter zum Thema schreiben, denn wer falsche Behauptungen aufstellt und Texte verdreht , möchte keine ernsthafte aufrichtige Diskussion , der will nur seine eigene Meinung durchdrücken und die anderen Mundtod machen.

Hannes
omaria
omaria
Mitglied

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von omaria
ZDF zur Münchener Abstimmung
Sehr aufmerksam habe ich diesen thread verfolgt
und alle Für- und Wider-Argumennte gelesen.
Verständnis habe ich bekommen für die Gegenstimmen,
auch für die Vorbehalte,
und trotzdem bin ich für die Stolpersteine.
(Begründungen hat es hier genug gegeben!)

omaria

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Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Zur Vermeidung von Missverständnissen:

Ich bin nicht gegen eine Verlegung von sog. Stolpersteinen aus ideologischen Gründen. Im Vorfeld hätte es sich selbstverständlich gehört, die, die es angeht zu befragen. In den einzelnen jüdischen Verbänden und Gemeinden hätte im Zuge fruchtbarer Streitkultur ein Konsens erzielt werden können.
Dann hätte ich mich dem Konsens angeschlossen - dafür oder gegen die Stolpersteine. Das kann ich nun nicht. Vielmehr sehe ich mich jetzt einer unfruchtbaren und entwürdigenden Streiterei ausgesetzt, bis hin zu Klageverfahren.

Im Ausland gelten Deutsche zuweilen als überheblich. Aus eigener Erfahrung kann ich die Meinung nachvollziehen. Im Fall der sog. Stolpersteine wird es wieder deutlich. Da hatte einer eine Idee für eine gute Absicht und die muss aber nun auch auf Teufel komm raus von denen, die nicht gefragt wurden, mit Begeisterung aufgenommen werden. Und wehe, wenn nicht! Dann kommt es zu Sätzen wie (Zitat schorsch vom 30.7.15):

„ Aber irgendwie muss man ihnen doch zu verstehen geben können, dass wir, die Nachkommen der Täter, es nicht vergessen - und daraus unsere Lehren ziehen werden.“Zitatende

Sie verstehen schon, müssen aber nicht die Wahl der Maßnahme gut finden. Dass allein durch Zeichen gegen das Vergessen Lehren gezogen werden, halte ich für eine gewagte Aussage vor dem Hintergrund bewachter Synagogen und brennender Asylbewerberheime.

Zitat heigl vom 30.7.15 (ws = Wolkenschieber) „ws, es gibt auch eine Gruppe bei fb, die all deine Argumente schon gebracht hat, sie nennt sich etwa: "Gegen die Stolpersteine", dort fühlst du dich sicher zu Hause. Schau mal dort, Gegen etwas sein ist was feines“ Zitatende

Da ist sie wieder, die deutsche Überheblichkeit deutscher Nichtjuden. Wenn Juden sich erlauben eine Idee (wenn auch gute Absicht zugrunde liegt) in der Ausführung verletzend zu finden und keine Gelegenheit hatten, sich im Vorfeld zu positionieren, wenn also diese sich erlauben zu widersprechen - dann aber schnell ab zu Facebook.

Zitat Hannes49, Seite 6 „Ich finde es ziemlich niederträchtig, die Idee des Künstlers in den Zusammenhang mit der ungerechten Gesetzgebung zu setzen.“ Zitatende
Was hatte Wolkenschieber „Niederträchtiges“ geschrieben? Zitat Wolkenschieber 24.7.15, Seite 6
„Nur wenn Häuser und Geschäfte deportierter Opfer billig verkauft wurden und die Angehörigen diese nach Ende des Krieges nicht zurück bekamen und dann aber plötzlich ein Stolperstein da angebracht wird, dann ist das schon auch ein Hohn, das musst Du verstehen. „Zitatende

Diese Verquickung findet Hannes49 nicht angebracht und findet es niederträchtig. Hier hilft ein Blick in den Duden, um sich über den Inhalt von niederträchtig/Niedertracht zu informieren. Wo bleibt die Entschuldigung für eine derartige Wortbombe, die dazu noch sachlich falsch ist?
Wenn`s um`s Geld geht, da endet Empathie schnell. In der Vergangenheit und in der Gegenwart werden die Ansprüche auf Immobilien - trotz vorgelegter Nachweise und Beweise- mit fadenscheinigen Argumenten von deutschen Gerichten abgelehnt. Das ist nicht nur Hohn, das ist so viel mehr.

Ich empfinde die von mir zitierten Beiträge (nicht den von Wolkenschieber) als hochnotpeinlich. Ich muss diesen Unsäglichkeiten widersprechen, denn unwidersprochen hin nehmen , heißt billigen. Ich bin nicht verantwortlich für Beiträge, die andere schreiben. Jedoch bin ich Teil der Community und darum distanziere ich mich von derartigen Einlassungen.

Gerne wiederhole ich mein Credo an dieser Stelle: Sprache verrät! Immer! Ich jedenfalls konnte in diesem Thread die Spreu vom Weizen trennen.
Ich wünschte, es würde mehr in der Gegenwart gelebt. So stünde es meinem Land gut zu Gesicht, statt etwas hinzulegen, auch mal was zu entfernen. Es bieten sich dafür an, die Namen im sogenannten „Fliegerviertel“. Heldenverehrung pur. Beispiel: Manfred-von-Richthofen-Straße. Die Stadt Berlin hat daran kein Interesse. Ich verfüge diesbzgl. über authentisches schriftliches Material, weil ich das vor Jahren intensiv recherchiert habe.

Zu jeder Zeit mussten sich Juden ducken, zu jeder Zeit waren sie Einschränkungen unterworfen. Aber auch zu jeder Zeit prägten sie das Bild Deutschlands in geistiger wie kultureller Hinsicht. Ich selbst bin mittelmäßig befähigt. Ich kann von allem ein bisschen, nichts richtig gut. Mich begeistert die Familiendynastie der Mendelssohns. Welch vielfältig befähigte Menschen gab es da. Sie prägten das Bild Berlins zu ihrer Zeit, nicht nur durch geistige und künstlerische Leistungen, sondern auch durch ihre finanzielle Großzügigkeit. Ich liebe die großen jüdischen Schriftsteller, die Komponisten….. Sie lassen mich partizipieren an ihren Werken, der wunderbaren Sprache, der Musik. Sie bereichern mein Leben, ich darf von ihnen lernen. Wenn Bildung einen Inhalt erhält, dann auch durch jüdische Familien, die ihren Kindern das mit auf den Weg geben: Bildung. Und das ist mehr als abrufbares Wissen.

So halte ich es mit dem gebildeten Moses Mendelssohn, der da sagte: „ Wahrheit erkennen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun." Ich wünsche mir, dass in der Gegenwart darüber gesprochen wird. Die Beschränkung auf Betroffenheit ist mir zu wenig.

Grüße von Pagena, die nicht bei Facebook, dafür aber kath. Papierchristin ist und an die Existenz der Seele glaubt und die auch hofft, dass für Meinungsfreiheit nicht diese Plattform verlassen werden muss, um sich bei Facebook anzusiedeln.
weserstern
weserstern
Mitglied

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von weserstern
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 30.07.2015, 21:16:40
Bei uns gibt es nur die kleine Region Weserbergland, nicht das Flair einer Großstadt wie München.
Doch auch wir waren bei den Reichserntedanktagen am Bückeberg in das damalige Regiem sehr eingebunden.
Seit vielen Jahren wird in unserer Tageszeitung durch den regionalen Historiker Herrn Gelderblom darüber berichtet.
So werden auch Geschichten über die Lebenswege und Gebäude aller Personen niedergeschrieben und auch regelmäßig als Zeitungsthema veröffentlich.

Jüdische Geschichte

Auch bei uns wurden die Stolpersteine angelegt, dazu noch mit fundierten Berichten des Historikers in der Tageszeitung begründet , der die Angehörigen zuvor informiert hatte und Details veröffentlichen durfte.

weserstern
CharlotteSusanne
CharlotteSusanne
Mitglied

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von CharlotteSusanne
als Antwort auf weserstern vom 30.07.2015, 22:25:40
Ich finde es gut, daß Heigl diesen Thread eröffnet hat. Für mich
hat sich eine neue kritische Sichtweise ergeben. In unserer
eher ländlichen Gegend, in die ich zugezogen bin, ist es so, wie es auch weserstern beschrieben hat. In der örtlichen Presse wird
immer über einzelne Schicksale der damaligen jüdischen Mitbürger
berichtet. Oft in Verbindung, wenn wieder Stolpersteine verlegt
werden. Wenn ich auf dem Gehweg so eine messingfarbene Platte sah,
ließ mich das schon innehalten und an den Lebensdaten erkennen,
ob da jüngere oder ältere Leute aus diesen Häusern geholt worden
waren....
Wenn aber auf Stolpersteinen auch noch vermerkt wurde - nicht
hier bei uns !, was man diesen Menschen als juristischen Vorwand
damals vorgeworfen hat, dann habe ich ein sehr sonderbares Gefühl.
So etwas durfte auf keinen Fall passieren und müßte sofort entfernt
werden. Für mich ist das eine ganz hinterhältige Tour.

Ich sehe das ganze Thema um die Stolpersteine jetzt sehr viel
differenzierter. Einerseits finde ich das Gedenken in dieser
Form gut, aber andererseits kann ich jetzt auch verstehen, daß
sich Nachfahren der Opfer dagegen wehren.

Der "Künstler" hatte diese Idee, aber sollten alle Aktionen
wirklich ihm überlassen bleiben? Geht das nicht schon lange
über den Begriff KUNST hinaus? Er könnte es doch in andere
Hände geben und sich neuen künstlerischen Ideen widmen......
oder lebt er etwa davon???
C.S.
JuergenS
JuergenS
Mitglied

Re: Stolpersteine, verlegt für Holocaust-Opfer
geschrieben von JuergenS
Ich danke euch im Namen aller Juden, die auch in München trotz aller Kritikhinweise sehr gerne an Verwandte, die Opfer von Deutschen im 3. Reich waren, mit Stolpersteinen erinnern möchten, was der Münchner Stadtrat abgelehnt hat.

Wen es interessiert, ich diskutiere weiter mit als Jürgen Schmidbauer unter:

STOLPERSTEINE München

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