Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Nun schweigen die Frauen in Aghanistan

Internationale Politik Nun schweigen die Frauen in Aghanistan

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Karl vom 26.12.2021, 08:20:16

@karl, dass Bias der Unterschied zwischen Taliban und IS bekannt ist und es diesbezüglich keiner Aufklärung bedarf, dessen bin ich mir ganz sicher.

Darüber hinaus halte ich in dieser Angelegenheit, die Zuordnung "infam"  für mehr als überzogen. Könnte man doch tatsächlich daraus schließen, es hätte keine Menschen aus Afghanistan gegeben, welche die chaotische Situation innerhalb des Truppenabzugs erfolgreich nutzen konnten um außer Landes zu kommen.

Wer aber sind diese Leute, die unter so dramatischen Umständen nach Deutschland gekommen sind? Wie ergeht es ihnen hier? Können die Behörden sicherstellen, dass keiner von ihnen eine Gefahr darstellt?

Quelle

war u.a. in einen Zeit-Artikel zu lesen. Darunter auch ein Kommentar eines Leser, der u.a. die Frage stellt:

Interessant wäre, wie denn konkret "Ortskräfte" definiert werden.

Bei aller Kritik an dem was Bias zum Ausdruck gebracht hat, hast du etwa Wissen über konkrete Interna in der Angelegenheit oder was berechtigt dich anderen Sachkenntnis abzusprechen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiß hier in diesem Forum keiner der Schreibenden mehr als das was uns die Medien vorsetzen und was wir in unseren Köpfen daraus machen...

So gesehen, wir haben die übermittelten, überwiegend schrecklichen Bilder dieser Rettungsaktionen während des Truppenabzuges im Kopf - und weitergehend halten wir uns mit Vermutungswissen auf, resp. arbeiten uns daran ab!

Edita
Edita
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von Edita

Zitat Moira: "Interessant wäre, wie denn konkret "Ortskräfte" definiert werden."

Da gibt es schon eine eindeutige Definition, eine Ortskraft ist ein Mitarbeiter einer staatlichen oder privaten Einrichtung des Inlandes, der im Ausland zur Tätigkeit in diesem Land eingestellt worden ist.
Sie stellt Kontakte zur Bevölkerung her oder erleichtert sie, sie leistet Übersetzungsarbeit und liefert wichtige Informationen, in Afghanistan nahm auch die Bundeswehr Ortskräfte in Anspruch, und die von den Taliban so verhaßten Bildungsinstitutionen für Frauen und Mädchen .......

Edita
RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Edita vom 26.12.2021, 11:17:00

Alles gut! Um jedoch etwaigen, weiteren Irritationen vorzubeugen stelle ich mal den kompletten Leser-Kommentar ein... 
 
Interessant wäre, wie denn konkret "Ortskräfte" definiert werden. Relativ klar ist das bei Leuten, die vertraglich bei der Bundeswehr oder deutschen Einrichtungen angestellt bzw. fest vertraglich gebunden waren (z.B. Dolmetscher oder Kontaktleute). Weniger klar ist das bei Afghanen, die allenfalls partiell oder indirekt für die Bundeswehr gearbeitet haben.
Bei allem Verständnis für den Wunsch der Afghanen, der Lage im Heimatland zu entkommen, aber allein, weil man z.B. Lebensmittel auch ab und an in ein Feldlager geliefert hat oder vor zwei Jahren beim Bau einer Brücke mitgearbeitet hat, kann man keinen Anspruch ableiten, mitsamt der Familie die Fürsorge des deutschen Staates zu bekommen.


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aixois
aixois
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von aixois
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 26.12.2021, 11:58:16

weil man z.B. Lebensmittel auch ab und an in ein Feldlager geliefert hat oder vor zwei Jahren beim Bau einer Brücke mitgearbeitet hat

Das wäre nur dann korrekt, wenn die Bundeswehr darauf die  (nicht vertaglich an die Bundeswehr gebundenen) Afghanen auch deutlich hingewiesen hätte: 'Hört zu, wenn ihr uns helft bei Liefern von Obst und Lebensmitteln oder bei sonstigen Arbeiten (wie beim Bauen von Straßen, Häusern usw.), dann tut ihr das ganz allein auf eigene Gefahr und Verantwortung und im Wissen, dass dies von den Taliban als Kollaboration mit dem Feind angesehen wird und  üblicherweise die Todesstrafe zur Folge hat. Von uns könnt ihr keinen Schutz erwarten und schon gar nicht eine Ausreise nach Deutschland. Also, was ist ? "

Ich denke, ich liege nicht völlig falsch, dass die Bundeswehr dann hätte 'einpacken' können oder sich nur aus Dosen bzw.per Luftbrücke mit Waren aus Deutschland hätte ernähren können. Auch ihre 'Brücken' , Straßen, Apotheken, SChulen für Mädchen, Brunnen usw. hätten dann wohl RekrutInn(en) aus Deutschland bauen müssen, mit ebenfalls importierten Baumaterialien ...

Fazit :
1. (und Botschaft an die Einheimischen in Mali o.a.O.) : Ihr seid schön blöd, wegen ein paar Euro jetzt, euer Leben und das eurer Familie in der Zukunft zu risikieren !
2. (für die Politik und Bundeswehr): Wenn der Einsatz nur durch das Leben von unschuldigen Einheimischen durchgeführt werden kann: bleiben wir besser zuhause !

aixois
Lenova46
Lenova46
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von Lenova46
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 26.12.2021, 10:40:36

Rettungsaktionen müssen manchmal im Verborgenen ablaufen.

Deswegen sollte Verständnis dafür aufgebracht werden, wenn nicht alles in den Medien steht,

Bias
Bias
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von Bias
als Antwort auf aixois vom 26.12.2021, 13:00:29

Zum letzten Punkt, Aixois:
WIr, wir bleiben eh zu Hause.
Dem Leben und der Unversehrtheit von Soldaten der deutschen Verteidigungsarmee aber, die zur Erledigung einer Aufgabe nach Mali oder sonst wohin in der Welt geschickt werden, dem sollte von vornherein zumindest die gleiche Fürsorge gelten, wie Du sie hier für unschuldigen Einheimische dort reklamierst, meine ich.

Würde mich je wer danach fragen, wäre meine Antwort:
Ja klar - sie sollten zu Hause bleiben und hier im V-Fall kämpfen oder im Winter zweckentfremdet meinetwegen auch Unterkünften für Obdachlose bauen.
Schon um zusätzlich zu ihrem Dienst im Krisengebiet sich nicht auch noch die Kritik an demselben anhören zu müssen und Verantwortung über ihren Auftrag hinaus aufgeladen zu bekommen, falls Mal etwas schief geht.
Geschichtlich gesehen ist die Dimension vom Etsch bis an den Belt für eine wirksame Verteidigung schon ein paar Nummern zu groß gewesen.
Hat das nicht  die Erfahrung gezeigt?


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RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf aixois vom 26.12.2021, 13:00:29

Wie falsch du mit deinen Annahmen in Sachen Versorgung der Bundeswehr mit Lebensmitteln  liegst, kann ich dir nicht sagen.  Vielleicht hilft dir diesbezüglich das Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg weiter, denn auch von dort werden die Truppen in Auslandseinsätzen versorgt.

In einem Bericht aus 2013 gabs dazu bspw. einen Artikel... 

Zuständig für guten Geschmack

Daraus geht auch hervor, wie in Zeiten als der Transport via Pakistan außer Kraft gesetzt war, dennoch die Lieferungen aufrecht erhalten wurden. Das sind logistische Meisterleistungen...

In 35 Tagen von Oldenburg nach Masar-i-Scharif

und was diese, deine nachstehende Aussage anbetrifft, halte ich selbige irgendwie für abstrus!!

Auch ihre 'Brücken' , Straßen, Apotheken, SChulen für Mädchen, Brunnen usw. hätten dann wohl RekrutInn(en) aus Deutschland bauen müssen, mit ebenfalls importierten Baumaterialien ...

Was dein Fazit anbetrifft,  sehe ich das genau so wie Bias es dargelegt hat.  

olga64
olga64
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 26.12.2021, 11:17:00
Zitat Moira: "Interessant wäre, wie denn konkret "Ortskräfte" definiert werden."
Da gibt es schon eine eindeutige Definition, eine Ortskraft ist ein Mitarbeiter einer staatlichen oder privaten Einrichtung des Inlandes, der im Ausland zur Tätigkeit in diesem Land eingestellt worden ist.
Sie stellt Kontakte zur Bevölkerung her oder erleichtert sie, sie leistet Übersetzungsarbeit und liefert wichtige Informationen, in Afghanistan nahm auch die Bundeswehr Ortskräfte in Anspruch, und die von den Taliban so verhaßten Bildungsinstitutionen für Frauen und Mädchen .......

Edita
Das alles hätte man auch schon wissen und begreifen können als noch reichlich Tränen in Sachen Afghanistan geflossen sind. Diese waren aber erwartbar schnell getrocknet wie das oft bei heuchlerischen Aktionen derFall ist.
Und dann erwacht das berühmte,deutsche Misstrauen wieder, das eigentlich die Basis darin hat,d ass die alle dort bleiben sollen, wo sie sind, bzw. andere Staaten das übernehmen sollen. Verhält sich ebenso, wenn - wie hier zu lesen - die Bundeswehr nur für innerdeutsche Katastropheneinsätze verwendet werden soll und Auslandseinsätze innerhalb der Nato natürlich von anderen Staaten durchgeführt werden müssen, inkl. des Blutzolls, der dann auch auf deren Kosten geht.
Wir Deutsche sollen hier nicht belästigt werden - es sei denn, jemand greift uns als Nation an, dann erwarten wir selbstverständlich auch den militärischen und persönlichen Hilfseinsatz anderer Staaten. Ist doch wohl klar, oder? Olga
aixois
aixois
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von aixois
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 26.12.2021, 08:05:37


1. USA hatten den Bündnisfall ausgerufen und die Natopartner mussten mitziehen.

Afghanistan war keine Brutstätte von Terroristengruppen. Erst als die USA  sich der streitenden Mudjahiddin Faktionen bedienten und sie mit Hilfe Pakistans mit erheblichen Mitteln an Militärhilfe finanzierten, um sie gegen die russischen Besatzungssoldaten einzusetzen, entstanden international agierenden Terrorbewegungen, die viele Kämpfer aus dem meist arabischen Ausland anlockten.

Da die Frage war nach der Verantwortlichkeit für das Schicksal das Afghanistan zuteil wurde, muss diese von aussen (den USA ) kommende Instrumentalisierung und Einmischung aufgezeigt werden, die sich um das, was dies dem LAnd antat, kaputt machte, nicht kümmerten. Ohne die Unmengen selbst modernster Waffen der USA wäre es zu keiner 'Militarisierung' gekommen.
Weder Afghanen noch ihre Taleban waren an 9/11 in irgendeiner Weise beteiligt. Ben Ladens hätte man auch ohne 'Bündnisfall' habhaft werden können, wenn man nur gewollt hätte. Ende 2001 war aber auch Ben Laden ausgeschaltet und Afghanistan (schon gar nicht die Taleban)  kein Land, von dem eine ernsthafte Bedrohung der USA oder der NATO Staaten ausging. Allerspätestens 2004/2005 wäre ein Abzug der Besatzungssoldaten überfällig gewesen. Der Bündnisfall hatte ja nicht zum Ziel , den Frauen ihre unter den Sozialisten erreichten Verfassungsrechte wieder einzuräumen, oder die urbanen Zentren zu entwickeln.

2. den ausgebeuteten Thaimädchen hast Du die Sicht eines Europäers

Ich habe weder von Ausbeutung noch von - auf buddhistischen Wertehaltung fussenden - Einstellungen sexueller Freizügigkeit der thailändischen Kultur geschrieben. Wobei mE. die Stundenhotels der Soldaten wenig mit 'Nächstenliebe', sehr viel aber mit ein paar hundert Baht Einkommen zu tun hatten.
Mir selbst wurden diese (üblichen) Dienste nach einer anstrengenden Arbeitswoche im Kreise der thailändischen Kollegen zur Entspannung auch angeboten.

Mein Punkt war der ökonomische Kollateralschaden. Denn die meisten der in den R&R (rest / recuperation) oder 'soft-service' Bereichen arbeitenden Frauen waren Migrantinnen aus armen ländlichen Gebieten, die nach dem 'Ausfall' der US Militärs weitgehend von heute auf morgen arbeitslos geworden waren. Nur wenige der Damen (die nicht nur Prostituierte, waren, sondern iwS im Unterhaltungsbereich arbeiteten) konnten zurück in ihre armen Familien auf dem Land, die sie bislang von ihren US military Einnahmen unterstützt hatten. Auch der 'five mile strip', die New Pethchaburi oder Banglumpoo roads usw. die selbst im (vorübergehenden) wirtschaftlichen Niedergang  waren konnten auf die Schnelle tausende soft service workerinnen aufnehmen.

Ich jedenfalls kannte Programme (z.T. von US NROs mitfinanziert), um diesen Frauen eine Ausbildung anzubieten und damit Möglichkeiten für ihr Auskommen. Dass diese Frauen alle von ihren Familen 'aufgefangen' worden wären, ist mir nicht bekannt,  ebensowenig , dass die Kosten von den  Kriegsauswirkungen von den USA berücksichtigt worden wären.

Das hat mit Scham oder Moralvorstellungen aus westlicher Sicht nicht das Geringste zu tun, sondern eben mit der Frage, was haben wir mit unseren kriegerischen Eingriffen dem Land, anderen Länderen und ihren Menschen angetan, wozu z.T. das Neuentstehen von militanten , zu Terror breiten Gruppen gehört, quasi selbst 'herangezogen' ? Vielleicht auch wieder in Afghanistan mit deutscher Bündnishilfe ?

aixois


 
olga64
olga64
Mitglied

RE: Nun schweigen die Frauen in Aghanistan
geschrieben von olga64
als Antwort auf aixois vom 26.12.2021, 18:01:42

Es ist völlig richtig, was Sie über die "Thai-Mädchen" schreiben, die ja nicht die einzigen waren, die in Kriegssituationen den Soldaten vor Ort "Freude" spenden sollten und mussten.
Die Japaner haben dies mit koreanischen Mädchen gemacht.
Die grosse Problematik war u.a., dass aus solchen "Freudenbesuchen" nicht selten Kinder entstanden, die dann die Problematik weiter verschärften.
Es ist der übliche Trophäen-Gedanke tapferer Krieg den Frauen eines besiegten Landes gegebenüber, wobei Thailand hier anscheinend auch noch geografischer Anhang für Vietnam genommen wurde (das sie Amerikaner ja auch nicht besiegen konnten).
In Thailand hat sich diese Kultur bis zum  heutigen Tage gehalten. Nicht wenige, auch deutsche Männern, reisen gezielt in dieses schöne Land und mieten sich eine Thaifrau,die sie dann während ihres Aufenthaltes "unterhalten" soll.
Ich fand es auf meinen diversen Reisen nach oder durch Thailand mehr als beschämend, wenn ich in den bekannten Hotspots in Pattaya, Phuket und auch Bangkok schwergewichtige, deutsche Männer sah, die an der Hand zierliche, puppenhafte, junge und hübsche Thaifrauen führten.
Und das in Friedenszeiten - .
Oft geht diese Ausbeutung dieser Frauen noch weiter, wenn so ein Mann ihr vorlügt, wie gut es ihm z.B. in Deutschland ginge und diese Frau dann zu ihm zieht und unter schlimmsten Bedingungen, ohne Sprachkenntnisse usw., hier ein unwürdiges Dasein leben muss, bis ihr hoffentlich irgendjemand hilft, da rauszukommen.
Die Frage ist sehr berechtigt, sollte aber aktualisiert werden: was tun wir diesen Ländern an, wenn wir teilweise mit unseren verrotteten Vorstellungen auf Verfügbarkeit solcher Frauen für solche Zwecke deren Kultur zerstören und irgendwann auch ihr Leben.
In Italien sind es übrigens oft geflohene Nigerianerinnen. Da gibt es sog. Treffpunkt, wo sich diese Frauen prostituieren, weil sie keine andere Möglichkeit zum Überleben haben, wenn sie ohne Papiere nach einerFlucht dort unterkriechen. Olga


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