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Reisen Ein Abstecher nach Venedig

Lilac
Lilac
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Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Lilac
Am Dienstag fuhren wir kurz nach 7 h vom Wolfgangsee in Österreich ab Richtung Italien.
Da wir nicht gleich in Salzburg auf die Autobahn fahren wollten, ging es über Hof runter nach Hallein - eine wunderschöne Strecke – um dort auf die AB zu stoßen. Wir haben natürlich eine Jahresvignette und so es mich schon geärgert, dass wir für das Stück Tauernautobahn noch 14 Euro extra zahlen mussten. Auf der anderen Seite ist es wirklich überwältigend, wie die Konstrukteure und Arbeiter die Autobahn durch die Berge und über unglaublich hohe Brücken getrieben haben. Ein Wunderwerk der Technik.

Die Taunern sind eine richtige Wetterscheide. So fuhren wir bei Regen in den Tunnel und kamen im Sonnenschein wieder raus.

In Villach sind wir von der Autobahn runter, um noch einmal für österreichische Preise den Tank voll zu pumpen. Dann kam auch gleich die Grenze, die man heute nur noch anhand eines mickrigen Schildes "Italia" erkennen kann.

Es ging weiter durch das Kanal-Tal und dann noch rund 250 km bis nach Jesolo. Angekommen sind wir dort ca. um 14 h.
Zunächst ging der Weg zu einer Pension, die wir aus dem Internet kannten. Ich ging hinein und ließ mir das Zimmer zeigen. Boah.... rückwärts wieder raus. Nee, das war mini-mini im zweiten Stock ohne Lift. Ging also gar nicht.Es ist immer wieder überraschend, wie geschönt alles im Internet präsentiert wird.

Willi und ich beschlossen, erst einmal in Ruhe Essen zu gehen und ja nichts zu überstürzen. Es gab die erste Pasta in Italien. Willi waren die Nudeln zu al dente, ich war sehr angetan und habe das Essen genossen. Wir tranken noch einen Espresso und ich übte mich "grazie" statt das gewohnte "gracias" und "buonasera" statt "hola" zu sagen. Ansonsten kam ich mit Englisch, Spanisch und Deutsch gut durch.

Wir fuhren noch drei, vier Pensionen an - alle mit mehr oder weniger dem gleichen Ergebnis. Um uns orientieren, fuhren wir dann raus zum Anleger der Fähren nach Venedig – unserem Ziel für den kommenden Tag.

Dort gab es viele Campingplätze und ich fragte auf einem, was ein kleines Mobilheim mit Dusche, WC und kleiner Küche pro Nacht kostet. Die Preise waren noch höher als in den Pensionen, außerdem kam noch das Geld für die Endreinigung hinzu. Das war also auch kein Ausweg. Ehrlich gesagt, hätte ich auch nicht gern auf einem Campingplatz gewohnt. Ich wollte mitten ins Städtchen Jesoso, um abends ein wenig bummeln zu gehen.

Also zurück nach Jesolo - eine ganz schön lange Strecke. Dort fuhren wir in eine Pension, die von all den besichtigten noch die angenehmste war: "Albergo Medusa".

Übernachtung/Frühstück pro Person 40 Euro im 2. Stock, allerdings mit Fahrstuhl. Es gab eine Klimaanlage (wie wichtig die war, merkten wir in der ersten Nacht) und ein großes Doppelbett, welches praktisch den Raum ausfüllte. Wollte man vom Mini-Balkon - der gerade geeignet war, die Badehandtücher zum Trocknen aufzuhängen - ins Bad, musste man sich seitlich am Bett vorbei schlängeln. Gegenverkehr war nicht drin. Unser Zimmer ging übrigens nach hinten raus in den Hof.
Und das Bad! Es war so klein, dass man die Beine halb unter das Waschbecken klemmen musste, wollte man sich auf die Toilette setzen. Eine Duschverkleidung gab es nicht. Man duschte halt und alles wurde nass. Daher sollte man tunlichst die Handtücher vorher außerhalb des Bades auf das Bett legen, sonst eigneten sie sich nicht mehr zum Trocknen. Die Dusche selbst war gut und das Wasser warm und reichlich.

Wir brachten unsere Sachen rauf und gingen dann noch ein wenig raus, um uns die Gegend anzuschauen. Bei der Gelegenheit entstand dieses Strandbild.

Heiß war es auch um 20 h immer noch. Bis an das Meer sind wir nicht gegangen, da der Strand so irre breit ist in Jesolo. Ich war eh ziemlich fertig, so dass ich mich das Gehen durch den absolut perfekten Sand nicht mehr zumuten wollte. Schließlich hatten wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen.

Am Mittwoch - unserem ersten richtigen Urlaubstag - gingen wir um 7.30 h runter zum Frühstücken. Es gab eines kleines Buffet mit gekochtem Schinken und Salami, Marmeladen, Müsli und Obstsäfte standen. Auf dem uns zugeteilten Tisch befanden sich bereits für jeden ein Mini-Brötchen, ein klebrig süßes Hörnchen gefüllt mit noch süßerer Marmelade, Zucker und Butter. Ich holte, was wir brauchten und Willi zapfte für uns den Milchkaffee aus der Maschine - endlich wieder richtiger Kaffee!!! Das Frühstück war also okay.

Danach fuhren wir wieder die ganz schön lange Strecke zum Ableger. Vorher hatte ich in der Pension noch einen Schock bekommen, denn dort stand ein Angebot: Venedig einfache Fahrt für 12,50 Euro pro Person. Aber das sollte doch lt. Internet "nur" 7 Euro kosten. Ich war am Boden zerstört. 12.50 € bedeutet für uns zwei hin und zurück 50 Euro!!! Da war natürlich nur eine Fahrt drin. Am Anleger fanden wir dann aber - wie im Internet versprochen - die Tickets für 7 Euro pro Person pro Fahrt. Dem Himmel sei Dank.

Die Überfahrt war nett, aber das Boot sehr voll. Wir fanden noch einen Sitzplatz unten im Boot, da die Touristen sich alle oben auf dem Dach drängten. Die Aussicht auf Venedig allerdings war wunderschön.

Es hieß, wir würden am Markusplatz anlegen, doch das war eine freche Lüge. Bis wir tatsächlich am Platz waren, mussten wir gefühlte 25 Brücken überqueren. Brücken in Venedig bedeutet Treppen hoch, Treppen runter. Ich habe in meinem Leben noch keine so wenig behinderten gerechte Stadt gesehen wie diese. Auch die Menschen, die dort Quartier genommen hatten, mussten ihre Koffer über die Brücken wuchten. Unverständlich, warum man nicht jeweils eine Seite zu einer Rampe umbaut.

Vor jeder Brücke meinte Willi aufmunternd: "Das ist nun aber die Letzte!" Ha, ha, ha! Also wer es unbeschadet zum Markusplatz schafft, ist noch gut zu Fuß. Allerdings ist die Aussicht von den Brücken zum Teil bemerkenswert. Hier zum Beispiel die Seufzerbrücke

Ja, die Gebäude rund um den Platz sind beeindruckend, doch wohl schon millionenfach fotografiert.

Vor dem Markusdom stand eine lange Schlange von Menschen, die auf eine Besichtigung warteten. Wir haben uns natürlich nicht angestellt. Leider war der Dom halb eingehüllt für Restaurierungsarbeiten. Pech, denn er ist absolut sehenswert.

Sehr beeindruckend fand ich auch die Prokuratien

Auf dem Campanile waren wir natürlich nicht

Eigentlich war ich am Markusplatz schon ziemlich fertig, aber wir wollten ja noch ein wenig mehr sehen. So folgten wir den Schildern mit der Aufschrift "Rialto". Das Problem während des Aufenthaltes in Venedig: es gibt keine Möglichkeit, sich auszuruhen. Wir fanden keine einzige Bank, außer denen direkt am Schiffsanleger. Aber da brauchten wir die nun wirklich nicht mehr.
Wollte man sich also einen Moment hinsetzen, blieb nur die Möglichkeit, in eines der zahlreichen Restaurants oder Bars zu gehen und dort natürlich etwas zu verzehren. Genau das ist aber in Venedig nicht angeraten. Einen Kaffee im Stehen bekommt man sogar am Markusplatz für 1 bis 2 Euro. Sobald man sich aber an einen Tisch setzt, kommen 2-6 Euro hinzu. Also entweder ist man sportlich durchtrainiert oder man umgeht die ausgetretenen Touristenpfade und kommt ins Venedig der Venezianer. Dort sind die Preise ziemlich normal.

Mit hängender Zunge und schmerzenden Hüften (vom Rücken ganz zu schweigen) erreichten wir die Rialto Brücke. Es drängte sich eine Traube von Menschen davor. Wir entschieden, uns dort nicht einzureihen.
Die Rialto Brücke, natürlich auch umgeben von Bauarbeiten.

Wir gingen in eine winzige Bar ein wenig abseits und tranken etwas Kaltes, um auszuruhen. Dann machten wir uns am Ufer des Canale Grande langsam auf dem Rückweg zum Anleger.

Ich hatte keine Idee, wie ich das schaffen sollte. Da zog Willi die Erlösung aus dem Zylinder: Wir nahmen die "Straßenbahn". Die sollte zwar wieder 7 Euro pro Person kosten, aber ich hatte ja keine Wahl. Also zwängten wir uns in eine Masse von Menschen auf diesen schwimmenden Linienbus. Mei, war das ein Geschaukel. Wohl dem, der nicht seekrank wird. Vor dem Einsteigen hatte ich einen "Schaffner" am Ufer gefragt, ob wir die Tickets auf dem Boot kaufen können. Er nickte. Doch während der ganzen Fahrt kam niemand zu uns und es war auch kein Kontrolleur zu sehen. Also absolvierte ich die erste Schwarzfahrt in Venedig. Muss man erlebt haben. Wir sparten immerhin 14 Euro. Juhuuuuuu...!!!

Leider legte die Straßenbahn nicht genau an der Ablegestelle der Fähren zum Festland an. Also wieder Brücken, Brücken, Brücken bis wir endlich an Bord gehen konnten. Eine halbe Stunde später ging es zurück auf das Festland, da uns natürlich eine Fähre direkt vor der Nase davon gefahren war.

Unser kleines Autochen stand fast direkt am Anleger, schön unter einem Dach im Schatten. Der Parkplatz kostete 5 Euro für den ganzen Tag, was wir unter den Umständen als Schnäppchen empfanden.

Wir waren so was von kaputt - also eher wohl ich - dass ich darauf bestand, sofort irgendwo an der Landstraße in einem Lokal eine Pizza zu essen. Und das taten wir auch. Durch Zufall fanden wir ein wirklich schönes Restaurant und ich aß die beste Pizza meines Lebens. Willi war dieses Mal mit seinem Essen auch sehr zufrieden.

Wir gingen ins Hotel, um ein wenig auszurasten. Nach einem Gespräch stand dann unser Plan fest: wir verlassen Jesolo und fahren erst einmal am Meer entlang Richtung Triest. In meinem Wahn hatte ich ja von Zuhause aus geplant, evtl. bis Kroatien zu fahren. Doch das legte ich dann sehr schnell zu den Akten.

Am Donnerstag nach dem Frühstück fuhren wir am Meer entlang bis Caorle, dann bogen wir ab Richtung Österreich und planten, irgendwo über Villach am Wörthersee eine Nacht zu verbringen. Doch auch da gab es nichts in unserer Preisklasse. So entschieden wir, die Taunern-Mautstraße zu umgehen, indem wir die Landstraße fuhren.
Auf dem Taunernpass ging mir dann im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus.

Dem Himmel sei Dank hatte ich ja das mobile Sauerstoffgerät hinter mir auf dem Rücksitz.

So ging es dann langsam wieder bergab - und wie steil das war, aber wie schön gleichzeitig.

Wenn man mich im Nachhinein fragt, ob es mir gefallen hat, sage ich: es hätte mir schon gefallen, wenn nicht alles so irre teuer wäre. Meine Preisvorstellungen sind wohl etwas antiquiert, war ich doch das letzte Mal vor 30 Jahr im Urlaub. Die letzten Jahre haben wir höchstens mal im Wohnwagen eine Reise unternommen - nämlich von Österreich nach Spanien und zurück. Und das war vergleichsweise preiswert.
Ich glaube, wir werden dem Rat einer Freundin folgen und unsere nächsten Reisen ins schöne Deutschland machen. Das schönste Ziel für mich wäre Hamburg, meine Heimatstadt. Sicher gibt es viel zu erkunden, da ich Hamburg wohl nach rund 25 Jahren kaum wieder erkennen werde.

Liebe Grüße von Lilac
karl
karl
Administrator

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von karl
als Antwort auf Lilac vom 14.06.2015, 10:25:45
Danke Lilac für den sehr schön bebilderten Bericht. In Venedig war ich erst einmal (mit Margit), sonst immer nur mit Commissario Brunetti.

Karl
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf Lilac vom 14.06.2015, 10:25:45
Liebe Lilac, danke für Deinen schönen Reisebericht und die Bilder. Ich habe das Gefühl, dass sich Venedig nie verändert. Als ich das letzte Mal dort war, habe ich für einen "Schaber" Vanilleeis 5,00€ bezahlt, danach habe allerdings ich mich verändert, etwas blass um die Nase wurde ich bei solch einem Wucherpreis.
Bruny

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Lilac
Lilac
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Lilac
als Antwort auf karl vom 14.06.2015, 15:08:41
Hoffentlich verzeiht mir mein Willi, aber der Brunetti ist auch mein liebster Reisegefährte in Venedig

@ Bruny - Dem Himmel sei Dank sind inzwischen überall die Preise an den Lokalen angebracht. Nur die Gedecke sind halt gepfeffert, wie ich ja schon schrieb. Wir haben in Venedig außer einem Getränk für 2,50 € gar nicht zu uns genommen. Wir waren gewarnt und haben uns außerdem genau die Preislisten angeschaut.

Du hast Recht, Venedig ändert sich nie. Daher reicht mir ein Besuch dort auch völlig.
nasti
nasti
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von nasti
als Antwort auf Lilac vom 14.06.2015, 20:36:19
ICH MIT PHILOS60 haben schon vor 2 Monaten gebucht ein Apartmanet in Venedig für September. Mit eine deutsche Frau war alles telefonisch besprochen, sieht so aus das es alles in Ordnung wird. Welan und alles mögliches ist vorhanden. Wir fahren mit Nachtzug aus München, kostet so viel wie ein Hotelzimmer pro Nacht, wir kommen an Bahnhof direkt in Wenedig .
Hoffentlich das Eißkrem, welcher mein Freund sehr gerne mag wird in Lebensmitelgeschäft nicht so teuer, wir haben Küche mit Kühlschrank und alle pipapo dazu, 2 Zimmer, Balkon in Zentrum der Venedig für 1 Woche. Theoretisch könnte alles gut gehen :)

Nasti
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf nasti vom 14.06.2015, 23:36:37
Na, dann wird auch praktisch alles gut gehen . Setz Dich bloß nicht in ein Straßen Caffee zum Eis essen, da wird es nämlich sauteuer. Am besten schleckst Du es auf einer Brücke, dann kann es auch getrost runter tröpfeln
Bruny

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heide †
heide †
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von heide †
als Antwort auf Bruny vom 14.06.2015, 23:48:14
Entweder man kann sich Venedig leisten – oder bleibt mit dem Hintern zu Hause.

Lilac, Deine Reisebeschreibung ist interessant – die Aufnahmen sehr schön. Danke!

Heide
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf heide † vom 15.06.2015, 00:02:23
Ich finde es schon extrem traurig, dass man anscheinend nicht den kleinsten Scherz machen kann ohne irgendwelche blöde Kommentare zu bekommen.
Bruny
heide †
heide †
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von heide †
als Antwort auf Bruny vom 15.06.2015, 00:07:57
Bruny, wenn Du meinen Einwand als unangebracht oder gar blöde empfindest, dann lass Dir sagen, dass Du mich mit derartigen Aussagen kaum berühren kannst.
Denn wenn ich schon lese extrem traurig...

Übrigens, alles hat seine Kehrseite – nicht nur Venedig.

Lilac, Entschuldigung, dass ich gestört habe.

H
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein Abstecher nach Venedig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf heide † vom 15.06.2015, 00:54:18
Jetzt denk doch mal darüber nach. Antworte doch bitte auf Lilac, wenn Du ihren schönen Reisebericht würdigen möchtest und antworte nicht auf meinen Scherz den ich Nasti schrieb.
Und Dein Satz war und ist hier total unangebracht denn niemand hat geschrieben, dass er sich einen Urlaub in Venedig nicht leisten kann, sondern ICH fand ein Eis in der Waffel, weniger als eine Kugel, für 5,00 € teuer.
Was das mit Deinem " Hintern" Satz zu tun hat erschließt sich mir nicht.

Und deshalb fand ich Deinen Einwand, der natürlich mir gegolten hat (ist ja nicht das 1. Mal) traurig und den Kommentar selbst blöd.
Hauptsache ein harmloser Thread konnte wieder mal verunglimpft werden. Gell! Sich im Nachhinein bei Lilac zu entschuldigen finde ich die berühmte Spitze. Es hat Dich doch niemand gezwungen den Bericht zu stören. Es geschah also in voller Absicht.
Bruny

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