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Soziales Magst Du es, getröstet zu werden?

Leonore
Leonore
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von Leonore
als Antwort auf erafina vom 10.04.2012, 13:23:28
Ja, ich mag es, wenn mir jemand seine Anteilnahme zeigt, wie neulich beim Tod meines Hundes. Jeder Beitrag hat fuer eine kleine Weile so etwas wie eine Atempause des Leidens gebracht.
Und ich hoffe sehr, dass ich andere auch so troesten kann.
Herzlich,
Leonore
Waltraud47
Waltraud47
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von Waltraud47
als Antwort auf bongoline vom 09.04.2012, 14:10:29
Ich persönlich ziehe mich zurück, wenn mich was bedrückt oder quält. Wie kann ich von Anderen verlangen, sich in meine Situation hineinfühlen zu können/müssen und nur irgend ein Gefasel will ich mir in der Situation nicht anhören. Wenn ich dann wieder auf der Bildfläche erscheine, geht es mir auf Nachfrage "wie immer, gut".


Genauso bin ich auch, ich spreche über Dinge die mich betrüben oder ängstigen auch nur mit Leuten wo ich weis die verstehen mich.
Wenn ich gute Bekannte oder Freunde trösten soll, nehm ich die einfach in den Arm und sage wenn du jemand zum Reden brauchst, ich bin da, jederzeit oder wenn ich dir was abnehmen kann dann laß es mich wissen...
aber die üblichen Sprüche sage ich nicht, weil sie mir selbst auch zuwider sind, ich lese dann aber gern tröstende Gedichte oder höre Musik die ich gern mag...
Jeder hat eine anders Weise mit Trauer umzugehen...
LG Waltraud
LG Waltraud
Felide1
Felide1
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von Felide1


Schwere oder schwierige Zeiten hat wohl jeder irgendwann gehabt. Mir persönlich hat in meiner für mich schwierigsten Zeit kein: ach du Arme, du das tut mir aber leid etc. geholfen, ich habe bemerkt es war nicht ehrlich gemeint sondern Neugierde.Die Person die mich aufgerichtet hat, hat mich in den A.r.s.c.h. getreten und ist heute noch nach fast 30 Jahren eine meiner besten Freundinnen. (apropos beste Freundinnen habe ich nur 5, der Rest sind Bekannte)

Felide

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olga64
olga64
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Leonore vom 10.04.2012, 13:50:48
Es gibt natürlich viel, viel schlimmere Dinge als der Tod eines Tieres, wo Menschen Trost benötigen. Ich persönlich gehöre zu denen, die - wie ein Tier - ihren Schmerz im ersten Stadium lieber mit sich allein abmachen; wenn es mir dann besser geht und ich den Schmerz auch artikulieren kann, wende ich mich an Menschen meines Vertrauens. Hier machte ich aber in meinem Leben oft die Erfahrung, dass gerade die, von denen ich es nie erwartet hätte (und umgekehrt) wirklich zu den Helfern gehören - andere nicht. Es ist also auch eine gute Gelegenheit, den Freundes- und Bekanntenkreis wieder mal "auszumisten".
Persönlich bin ich, wie andere auch, hilflos, wenn ich Trost spenden soll (helfen kann ich ja nicht oder nur sehr bedingt). Weniger Worte, auch das Offerieren leiblicher Genüsse oder einfach nur präsent sein - so sehe ich meine Rolle. Aber temporär - es gibt ja auch Menschen, die ansonsten ihr Schicksal dann oft jahrelang immer wieder zum grossen Thema machen - auch wenn sich längst alles gebessert hat. Da ziehe ich mich dann gerne wieder zurück. Olga
Leonore
Leonore
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von Leonore
als Antwort auf olga64 vom 10.04.2012, 16:46:56
wie gut, dass mir diesen Satz "es gibt viel Schlimmeres als den Tod eines Tieres" niemand in meiner akuten Trauerphase gesagt hat.
Leonore
heide †
heide †
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von heide †
Inwieweit ich nun tatsächlich durch Worte oder auch nur durch Gesten in der Lage bin, Herzeleid zu mildern, kann ich nur dann erkennen, wenn das Echo des Trostsuchenden mir auch entgegenschlägt. Allerdings sind mir in meinem bisherigen realen Leben auch nur wenige Menschen begegnet, deren Kummer und Schmerz ich auf Anhieb richtig einzuschätzen verstand und ich mich fast glücklich schätzen konnte, für sie da zu sein.

Vielleicht liegt es an meiner Mentalität, dass ich selbst nicht Jeden mit meinen Wehwechen behelligen will, denn meist gehören ‘hochaktuelle‘ Fürze am nächsten Tag doch schon wieder der Vergangenheit an.
Zu viel Nähe kann ich ohnehin nicht gut ertragen, von daher schweige ich lieber und trage meine Päckchen mit mir allein aus.

Diejenigen jedoch, die mir hier im ST lieb und nett geworden sind, dürfen sich meines - wenn denn erforderlich - Trostes auch übers Netz hinaus sicher sein. Ich bin in - fast jeder - Beziehung hilfsbereit, kann fantastisch gut zuhören und auch nur mal Händchen halten, wenn es wirklich gewünscht wird.

Grüsse an alle, die ich so gerne mag...

Heide

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yuna
yuna
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von yuna
Getröstet zu werden ist okay. Aber ich mag nicht in den Arm genommen werden, den Kopf getätschelt oder gestreichelt oder fragwürdige Phrasen zu hören bekommen.
Die meisten Probleme mache ich mit mir selbst aus. Erst, wenn ich merke, dass ich es alleine wirklich nicht schaffe, wende ich mich an Menschen, denen ich wirklich vertraue.
Wenn ich weinen muss, tue ich das nur alleine. Da hilft auch trösten nichts.
Wenn es mir nicht gut geht, verlasse ich den Raum. Wenn ich gerade daheim bin, krieche ich ins Bett unter die Decke, weil ich dann einfach nur Ruhe möchte.
Manchmal kommt mein Mann dazu, wenn er merkt, dass ich längere Zeit abwesend bleibe. Früher hat er versucht mich aufzumuntern, wollte mich in den Arm nehmen, hat Dinge gesagt wie "Heeeeeey, nicht weinen..."
Inzwischen hat er gemerkt, dass mir das nicht hilft. Jetzt legt er sich einfach ein Weilchen dazu, reicht mir ab und zu ein Taschentuch unter die Decke und ist einfach nur da um zu zeigen, dass er gemerkt hat, dass es mir gerade nicht gut geht.
Dann geht er wieder. Meist habe ich mich dann wenige Minuten darauf beruhigt. Wir reden auch nicht darüber. Wenn ich wieder aus dem Schlafzimmer komme, läuft das Leben normal weiter.
Kein Ausfragen oder ähnliches. Das ist toll.

Ich selbst kann nicht so trösten, wie es andere vermutlich von mir erwarten. Ich kann sie nicht in den Arm nehmen, ich komme mir dabei ungelenk/komisch vor und ich glaube das fühlen die zu tröstenden. Und mir fällt nie was ein, was ich sagen könnte, was die Personen auch wirklich trösten oder ihnen helfen könnte.
Deshalb mache ich es einfach so, wie es mir hilft: Ich setze mich dazu, dass sie wissen, dass sie nicht alleine sind. Wenn sie Nähe wollen, halte ich ihre Hand. Aber ich sage nichts, ich antworte nur, wenn ich gefragt werde.
Wenn sie allein gelassen werden wollen, lasse ich sie alleine, aber ich gehe nicht weit weg.

Und manchmal, je nach Situation, kann die richtige Bemerkung, die zu tröstende Person sogar zum Lachen bringen.

Seitenweise psychologisches Geplapper, kann meiner Meinung nach, nicht annähernd so tröstend sein, wie einfach nur da zu sein - ohne ein Wort. Und die zu tröstende Person wissen/fühlen zu lassen, dass man da ist, wann immer sie Halt braucht. Ohne kluge Ratschläge oder leere Phrasen.
Und das Gefühl zu vermitteln, dass man den Schmerz, den die Person spürt, ernst nimmt, so ernst, wie er es auch für diese Person ist.

Ich glaube oft, die Menschen haben verlernt leise zu sein. Und in Situationen wie solchen, in denen sie z.B. versuchen anderen Trost zu spenden, zeigt sich dieser "Mangel" am deutlichsten.
ingo
ingo
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von ingo
als Antwort auf yuna vom 11.04.2012, 13:55:06
heide hat etwas beschrieben, was heute wohl viele empfinden; nämlich: "Ich mache Probleme in erster Linie mit mir alleine aus."
Yuna sagt das noch deutlicher; aber einen Satz von Dir, Yuna, würde ich nicht unterschreiben: "Das ist toll." Ich weiss nicht, ob ich richtig liege, wenn ich sage: Dein Mann, der Dich ja früher immerhin mal trösten wollte, tut mir leid. Denn dieses Gefühl musste er sich nach Deinen Reaktionen wohl abschminken.
olga64
olga64
Mitglied

Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Leonore vom 11.04.2012, 12:20:02
Na sehen Sie, Leonore. Aber Sie sollten mir schon zustimmen,dass evtl. der Tod eines Kindes oder eines langjährigen Lebenspartners, ein Verkehrsunfall mit schlimmen Ausgang u.v.m. für Menschen oft noch viel schwerer zu ertragen ist als der Tod eines Tieres. Tiere kann man ersetzen, in dem man sich neue anschafft - bei Menschen ist dies unmöglich. Olga
erafina
erafina
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Re: Magst Du es, getröstet zu werden?
geschrieben von erafina
als Antwort auf ingo vom 11.04.2012, 15:30:29

Es ist aber schön, ingo, wenn der Mann trotzdem "da" bleibt.
Es ist nicht so oft zu erfahren, dass Männer Frauen trösten - lieber "verschwinden" sie.
Wenn Du einer bist, der das tut, finde ich das wunderbar.

Dann bist Du nach meiner Meinung schon allein deshalb "etwas Besonderes".


erafina

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