Inkontinenz – (k)ein Tabuthema

Inkontinenz betrifft viele Menschen, doch das Thema wird selten öffentlich gemacht. Wer davon betroffen ist, fühlt sich meist hilflos und hat das Empfinden, die Dinge nicht im Griff zu haben.
Freepik_23237_prostooleh.jpg
©prostooleh | Freepik.com

Hinter einer Stuhl- oder Harninkontinenz stecken konkrete Erkrankungen, die schon in der Kindheit als Auslöser infrage kommen. Nach Schwangerschaften können die inneren Organe stärker auf die Blase drücken. Entzündungsprozesse im Dickdarm beeinflussen die Stuhlkonsistenz. Psychische Traumata verändern die normalen Funktionen des Schließmuskels oder der Blase. Es gibt unzählige Ursachen, die Inkontinenz bewirken, aber das sollte nicht das Ende eines uneingeschränkten Lebens sein.

Wenn sich der Körper verändert

Hat eine Frau mehrere Kinder geboren, sorgt oft ein Niesen oder spontanes Lachen für das unkontrollierte Abgehen einer kleinen Urinmenge. Die Folge? Die Erwartung, dass dieses Malheur wieder passiert, steigt. Auch Übergewicht sorgt dafür, dass die inneren Organe ihre ursprüngliche Lage verändert haben und sich Harndrang dadurch nicht mehr kontrolliert zurückhalten lässt. Für die Betroffenen ist diese Situation sehr unangenehm. Deshalb ziehen sich viele Menschen aus ihrem sozialen Umfeld zurück und verzichten auf sportliche Aktivitäten, Besuche bei Freunden, Urlaub – und werden auch im Berufsleben zu Einzelgängern. Dabei gibt es Hilfe, trotz dieser körperlichen Einschränkung ein normales Leben zu führen.

Hygieneartikel helfen dem Selbstwertgefühl

Freepik_1504_tirachardz.jpg
©tirachardz | Freepik.com
 
Inkontinenzeinlagen und Winden für Erwachsene schützen, ohne optisch aufzutragen. Pants für Erwachsene sind dagegen wie Einmalslips geformt, wesentlich dünner als Babywindeln, oft farblich bedruckt und geben rundum Sicherheit. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Stufen der Saugfähigkeit. Auch bei Durchfallerkrankungen größerer Kinder ist es von Vorteil, eine Packung dieser Hosen vorrätig zu haben. Mit diesen Hygieneartikeln kann sich jeder Betroffene wieder frei bewegen, ohne den eigenen Körper mit permanenter Anspannung beobachten zu müssen.

Inkontinenz kann behandelt werden

Im nächsten Schritt sollte von einem Arzt abgeklärt werden, was die Ursache der Symptome ist. Tumore, Harnsteine, Alzheimer, Multiple Sklerose, Beckenbodenschwäche, Stress oder psychosomatische Ursachen sind mögliche Auslöser, die genau bestimmt werden müssen. Auf dieser Basis lässt sich eine Inkontinenz behandeln und kann zum Abklingen gebracht werden. Es ist nicht nötig, viele Jahre unter den Symptomen zu leiden und sich schlecht zu fühlen. Die Dunkelziffer der Betroffenen ist sehr hoch und umfasst alle Altersstufen. Vielen Menschen kann in dieser Situation geholfen werden, wenn offen darüber gesprochen und Mut gemacht wird.

Das Symptom darf nicht über das Leben entscheiden

Freepik_O6I4K60_pressfoto.jpg
©pressfoto | Freepik.com

Inkontinenz lässt das Gefühl entstehen, ausgeliefert zu sein und seinen Körper nicht aktiv kontrollieren zu können. Infektionskrankheiten heilen aus, Knochenbrüche werden gerichtet – aber Inkontinenz hinterlässt das Gefühl, zu versagen. Kinder lernen mit wenigen Jahren, ihre Blase und den Stuhldrang zu kontrollieren. Sich durch Inkontinenz wieder in diese Lebensphase zurückversetzt zu fühlen, macht große Angst und löst gleichzeitig depressive Gefühle aus. Deshalb ist es wichtig, Inkontinenz als Symptom zu betrachten, der eine andere Erkrankung zugrunde liegt, die behandelbar ist. Wenn klar ist, dass man nicht an einer Unfähigkeit erkrankt ist, stellt sich Hoffnung ein und sorgt dafür, dass der Heilungsprozess aktiv in die Wege geleitet werden kann.
 

Anzeige

Kommentare (1)

Ann-Barbara

Hallo, ich habe Multiple Sklerose und da liegt bei mir der Auslöser, jeh mehr Stress ich habe um so schlimmer wird es. Habe gute Einlagen und ohne diese verlass ich das Haus nicht.
So wie auch nur der kleinste Hinweis von der Blase kommt bin ich schon unterwegs. Schlimm ist sowas wenn man im Kaufhaus ist, sollte für die Tochter was besorgen und musste immer aus dem Kaufhaus raus gehen wenn ich sie was fragen wollte oder ein Bild schicken wollte. Das war purer Stress, als ich dann merkte das ich mal muss habe ich es nicht bis zur Toilette geschafft. Ich stand vor der Tür zum WC und konnte es nicht aufhalten. Das war mega peinlich. Ist aber nicht zu ändern gewesen. Heute zieh ich lieber eine Windel oder gute Einlagen an bevor mir sowas noch mal passiert.


Anzeige