4 Persönliche Blockaden, die mich im Alter nicht mehr tangieren


Seit frühester Kindheit wurde mir eingeredet, meine Ziele zu erreichen. Ich musste erfahren, dass dies nicht immer Freude und Zufriedenheit bedeutete.

Die Autorin Barbara J. Braham hat diese Blockaden, die unsere Sinnerfüllung beeinträchtigen, beschrieben. Ich habe sie während meiner Arbeit als Coach gern eingearbeitet und stelle nun selbst fest, dass wir als ältere Menschen uns endlich von diesen Blockaden befreien können. Das hilft uns, ein erfülltes und entspanntes „Drittes Lebensalter" zu genießen.
 
Blockade 1
Immer beschäftigt sein.
 
Im beruflichen Leben waren wir erfolgreich, weil wir ständig beschäftigt waren. Ich persönlich war so sehr engagiert, dass ich keine Zeit hatte für die Dinge, die ich wirklich gerne getan hätte. Ich steckte im Alltagstrott und konnte meine Talente und Fähigkeiten neben der beruflichen Kompetenz nie ausleben. Im Alter habe ich nun die Chance, dieses Defizit auszugleichen.
 
Blockade 2
Was werden die andern von mir denken?
 
Im Ruhestand habe ich mich von dieser Blockade befreit. Der innere Zwang, so zu sein, wie „man" sein sollte schränkte bisher mein kreatives Handeln ein. Für  mich besteht der einzige Weg zum Glücklichsein, allein zu entscheiden, was ich für richtig halte. Das mag manchen Menschen nicht gefallen, doch ich kann nun die Meinung anderer ignorieren und endlich den Sinn meines Lebens verwirklichen.

Innere Zwänge wie:
Was ich haben soll, was ich tun soll und wie ich sein soll gelten fortan nicht mehr für mich.
 
Blockade 3
Sich ständig mit andern vergleichen

Wir vergleichen uns täglich bewusst oder unbewusst mit anderen; mit ihren Erfolgen, ihrem Besitz oder ihren Fähigkeiten.
Wir vergleichen uns, weil wir Informationen über uns und unsere derzeitige Situation benötigen.
 
Erst im Alter kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir einzigartig sind und akzeptieren uns mit all unseren Stärken und Schwächen. Wir fürchten keine Konkurrenz und wir akzeptieren, dass manche Menschen anders denken, ohne dies negativ zu sehen.
 

„Die Jugend ist die Zeit,
die Weisheit zu lernen.
Das Alter ist die Zeit,
sie auszuüben.“
 
Jean-Jacques Rousseau
 
Blockade 4
Mehr haben wollen
 
In seinem bekannten Buch „Haben oder Sein" beschreibt Erich Fromm ein weitverbreitetes Missverständnis.
 
Er sagt, dass jeder Mensch in seinem Leben versucht,
 
…genug zu haben (Geld, Besitz, Dinge),
…damit er tun kann, was er möchte, (Freizeit),
…um schließlich glücklich zu sein.
 
Die meisten Menschen erreichen nur die erste Stufe, denn sie haben niemals genug. Es ist verlockend sich im Leben auf das „Haben" zu konzentrieren, doch ich stelle fest, dass sich meine Prioritäten im Alter gewandelt haben.
 
Das „Sein" ist wesentlich beständiger, denn ich lebe nach meinen persönlichen Wertvorstellungen. Ich habe mich von den „ich sollte" Botschaften befreit, und fühle mich wesentlich zufriedener.
 


Anzeige

Kommentare (6)

Muscari


Liebe Eva Maria,

Deinen Worten und Erkenntnissen schließe ich mich voll und ganz an. Vor allem auch der Blockade 1.
Ich habe das einmal folgendermaßen formuliert:

"All die Jahre ging mein ICH neben mir her, kaum dass ich wusste, wer dieses ICH eigentlich war ..."

Danke, dass Du all das hier ausgesprochen hast.

Es grüßt Dich herzlich
Andrea

Juttchen

Hallo Eva Maria,
einige Punkte kann ich so unterschreiben, andere gelten für mich persönlich nicht. Was andere Menschen oder die Nachbarn über mich denken, war und ist mir relativ egal. Gemeckert und geredet wird doch immer, egal wie man lebt und was man lebt. Und es allen Recht machen zu wollen, davon habe ich mich auch schon lange verabschiedet. Zum vierten Punkt kann ich schreiben, dass es nicht das "Mehr" ist, welches ich anstrebe, sondern ich persönlich möchte mehr Qualität. Ob es nun das Biogemüse und -Obst, oder Fleisch von glücklichen Kühen oder die "bessere" Kleidung ist, das ist das was ich anstrebe. Ich brauche nicht das hundertste T-Shirt in Billigqualität (ist nur ein Beispiel), das ich nach drei Wäschen in den Altkleidercontainer entsorge.😉
Liebe Grüße von
Jutta

Eva Maria

Hallo Juttchen, ich gebe dir in allen Punkten recht. Sei froh, dass du dir auch während deines Berufslebens einige Freiheiten erlauben konntest. Das können viele Menschen nicht. Um berufliche Anerkennung zu bekommen, tun sie alles, um der Erwartungshaltung zu entsprechen. Daher sind sie zufrieden, im Ruhestand endlich ihre persönlichen Wünsche und Neigungen auszuleben.

kleiber

Mir gefällt was du geschrieben hast...

mach so weiter !!!

Herzliche Grüsse Margit Graugänse...DEZEMBER 2012 005.JPG

Eva Maria

Danke Margit und schönes Wochenende!
LG Eva 

JuergenS

klar, dabei hilft natürlich auch die zunehmende Steigerung der kleinen physischen und auch psychischen Einschränkungen, die mein Alter nach und nach mit sich bringt, alles gut.😐


Anzeige