Es sind die eher ungewöhnlichen Vorfälle, die unserer Erinnerung Nahrung geben. Wenn sie dann noch glimpflich, d. h. ohne Personenschäden abgelaufen sind, dann sind sie ein Ereignis, dem wir im Nachhinein noch manches Lächeln abgewinnen.

Wir lebten damals noch in Würzburg und hatten im Hinteren Steinbachtal als junge Familie ein nach dem Krieg schwarz erbautes, inzwischen aber behördlicherseits anerkanntes Häuschen wegen seiner wunderbaren Lage direkt am Waldrand und wegen seines großen Gartens erworben. Renovierung war vor dem Einzug angesagt und da galt es selbst Hand anzulegen. Man stelle sich vor, ich mit der Maurerkelle und dem Malerpinsel, welche Mühe, welch ein Aufwand! Gut dass es meine praktisch veranlagte Frau hatte, die dafür sorgte, dass alles zu einem guten Abschluss kam.

Die Einweihungsfeier fand im Rahmen der Großfamilie statt. Großeltern, Brüder und ein Neffe waren angereist. Wir übergaben stolz die frisch getünchte Küche den beiden Omas zu besten Händen und begaben uns mit dem Rest der Familie auf einen ausgedehnten Morgenspaziergang. Heimkehrend freuten wir uns auf den versprochenen Eintopf und uns schlug auch schon im Vorgarten ein vielversprechender Duft in die Nase. Jedoch, wieso das? Zwei verweinte, bleiche Omas öffneten die Tür, beide ungewohnt sprachlos, mit den Händen zur Küche deutend. Was war passiert? Die beiden Lieben hatten, auch im Alter dem Neuen aufgeschlossen gegenüber, unseren Dampfkochtopf entdeckt und ausprobiert. Sie hatten den Topf bis zum Rand gefüllt und wohl das Sicherheitsventil verstopft. Alles war explodiert. In jede Ritze war Erbseneintopf eingedrungen. Die frisch geweißten Wände, der gewienerte Boden, die neuen Küchenmöbel, alles war mit einer pappigen Eintopfmasse beschichtet.
Was für ein Stein fiel uns vom Herzen, dass beide Omas dieses Desaster unverletzt überlebt hatten. Wir erzählen deshalb noch immer gern davon, allerdings nicht in Gegenwart der noch lebenden Schwiegermutter, weil sie bei dieser Erinnerung auch noch im Nachhinein vor Schreck erblasst.

Karl

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Kommentare (4)

astrid Aber sicher war es ein großer Schrecken und die Arbeit danach wieder ALLES sauber
zu bekommen. Kann es also gut nachvollziehen, was Das nacher noch für Mühe machte.

Bitte gebt den Töpfen nicht die Schuld, der Mensch ist es, Der damit nicht richtig umgeht.

So voll darf man diese Töpfe nun mal nicht machen.
Wenn man sich genau an die Beschreibung hält, passiert nichts.

@
Auch bei Dir Meli, wenn man runterschaltet auf eine kleine Stufe,
nachdem vom Topf das Ventil oben rauskommt, dann passiert garnichts.
Und man kann getrost was Anderes machen, solange bis das Essen fertig ist.

Das ist meine langjährige Erfahrung (35 Jahre) mit einem Fissler-Schnellkochtopf,
wo ich auch noch diese kleine Pfanne von hatte, der Deckel passte auf beides.

Lieben Gruß, Astrid

pepa ... obwohl ich ganz gewiss nicht altmodisch bin. Aber im Umfeld wird immer wieder von ähnlichen Vorfällen, wie von Karl berichtet, erzählt und ich kann mich mit diesem Ungeheuer nicht anfreunden. Allerdings habe ich so einen Schnellkochtopf meiner Tochter zur Hochzeit geschenkt und mein Schwiegersohn kocht sehr begeistert damit und ist noch unverletzt.
Eine schöne Geschichte!
pepa
meli ich weiß schon, warum ich das Ding auf dem Herd nie aus den Augen lasse. In der Klinik habe ich fürchterliche Verletzungen gesehen, die auf diese Weise entstanden sind. Besser nochmal streichen und längere Putzorgien und die Freude, dass sonst nichts passiert ist.
Schönen Tag noch sacht dat Meli
susannchen von Glück reden dass niemanden etwas passiert ist. Materiellen Schaden kann man ersetzen, die Gesundheit ist ein hohes Gut!
Ich hoffe es hat damals die Einweihungsparty nicht zu sehr eingeschränkt.
Susannchen

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