Eigentlich wollte ich zum Blog mit den Kühen  von Manfred etwas erwidern. Aber das Beispiel mit den Kühen halte ich für sehr ungeeignet, darum will ich eine Phantasiegeschichte schreiben, wie man Kommunismus und Kapitalismus in einer Gesellschaft vereinigen kann, aber sehr stark vereinfacht.

Also stellen wir uns folgendes vor:

Es gab da eine Insel auf der Menschen durchaus überleben könnten - frei von Medien und Zivilisation, aber den Jahreszeiten ausgesetzt.
Und es gab 5 Menschen, die sich eine bessere Welt, ein gerechteres Zusammenleben wünschten.

Mann A war der Denker, der Träumer wie es sein könnte und werden sollte ...

Frau B bewunderte ihn dafür, wurde inspiriert von seinen Plänen und entwickelte eigene Ideen, unverständlich für die anderen ...

Mann C war eine Frohnatur. Er machte keine Pläne, legte sich in die Sonne, wenn sie schien und verkroch sich in Höhlen, wenn es regnete ...

Mann D war praktisch und ein Macher. Er wollte sein Haus fertig haben bevor der Winter kam ...

Frau E war ohne Träume; freundlich und willig tat sie alles was man ihr sagte, ohne zu murren und ohne zu hinterfragen ...

5 verschiedene Charaktere - wie ging die Geschichte weiter,   wenn nach 7 Monaten der Winter kommt?

 Auf den ersten Blick hat Mann D die größten Überlebenschancen, jedenfalls über den Winter zu kommen. Wenn er sich noch mit Frau E zusammentut, wird er es leichter haben. Mann A, Frau B und Mann C werden vielleicht verhungern oder erfrieren. Aber das wäre ein Verlust für D und E, denn ohne die anderen würde das Inselleben trist werden und kaum (über)lebenswert.
Mal sehen, wie sich die Geschichte entwickelt, ich werde die fünf mal lebendig machen.
Wenn es ein Märchen werden soll, sollte man von diesen abstrakten Bezeichnungen Mann A, Frau B, usw. abgehen und ihnen schöne Namen geben, damit sie Leben bekommen und handeln können.
Also führe ich die folgende Namen ein:

Mann A heißt Christian ( in Anlehnung an Jesus Christus, den "kommunistischen" Träumer, der lieber am Kreuz starb, als seine Visionen und seine Liebe zu allen Menschen aufzugeben)
Frau B heißt Magdalena (die Büßerin, die Liebende, die Jesus verehrte und begleitete, bis über den Tod hinaus)
Mann C heiß Franz (eine Mischung aus dem heiligen Franziskus und Francois Villon, dem dichtenden und lebensfrohen Vagabunden)
Mann D ist Thomas (nach dem "ungläubigen" Jünger Jesu, der vernünftige praktische sachliche "Kapitalist", der nicht an die Auferstehung Jesu glaubte, bevor er nicht die Narben an seinem Körper als Tatsachen sah.)
Frau E heißt Maria (die Mütterliche, Verzeihende, Demütige,Treue, Liebende)

Ein Schiffsunglück warf diese fünf auf eine kleine beschauliche Insel, die ein Überleben garantieren könnte, wenn man sich entsprechend verhalten würde. Es gibt also Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Vegetation.
Jeder rettete sich noch vor dem Schiffsunglück ein charakteristisches Mitbringsel.
Christian ein Büchlein der Ilias von Homer.
Magdalena einen Stapel Zeichenpapier und Farbstifte.
Franz eine Flasche Whisky und seine Gitarre.
Thomas eine Axt, einen Spaten und ein Maßband.
Maria ihr Nähzeug.

Die Insel

Die fünf sind also auf der Insel angelangt, und machen sich mit ihrer Lage und den Mitbewohnern vertraut. Es bilden sich sofort Antipathien und Sympathien. Aber noch keine Auseinandersetzungen, das werden erst die kommenden Handlungen erbringen. Christian wird sich mehr auf die Schönheiten der Insel konzentrieren, und einen Rundgang unternehmen, begleitet von Magdalena, die an seinen Lippen hängt und ihn bewundert. Als praktisch denkender und handelnder Mensch wird Thomas sofort die Überlebenschanchen beurteilen. Er schaut sich die Trinkwasserquelle an, begutachtet die Vegetation, untersucht den Boden zwecks Anbau von Nutzpflanzen, und sucht sich schon einen Platz zum Bau eines wetterfesten Hauses aus. Maria ist beeindruckt von seiner Vernunft und Zielstrebigkeit und schließt sich ihm wohlwollend und helfend an. Franz springt erst einmal ins Wasser, genießt ein frisches Bad, und sucht sich dann schon mal etwas Essbares auf der Insel, was sich so an Früchten finden läßt.
Bis dahin gibt es keine Auseinandersetzungen. Erst als Thomas einen Zaun setzt, um seinen Anbaugarten und sein Wohnhaus abzugrenzen, kommt es zum Konflikt. Franz rebelliert. Wie kann jemand es wagen, ein Stück der Insel, die allen oder keinem gehört, einzugrenzen?
Thomas argumentiert: "Hier baue ich mein Haus und pflanze meine Nahrung an. Und deshalb gehört mir diese Fläche. Ich kam als erster die Idee, ihr könnt euch auch etwas eingrenzen."
Aber Franz kontert, es ist auch der beste Platz, das übrige Gelände ist weniger geeignet und weniger wert. Franz sucht Unterstützung bei Christian und Magdalena. Christian gibt ihm recht, denn das, was Thomas macht ist eine unberechtigte Aneignung. Der schießt aber zurück: Schließlich war ich als erster aktiv, hab an die Zukunft gedacht, während ihr euch hier vergnügt, gebadet, spazierengegangen und geträumt-säuselt habt.
Franz wettert gegen diese Anmaßung. Christian und Magdalena diskuttieren über Recht und Unrecht. Einerseits ist es Unrecht, sich ein Stück Land anzueignen, das keinem oder allen gehört. Andererseits sehen sie auch ein, daß etwas zu tun ist, um die heranziehende kalte Jahreszeit und den Nahrungsmangel zu überstehen. Franz möchte sie zu einem Kampf gegen Thomas überreden, der Aussicht auf Erfolg hätte, denn sie wären in der Überzahl. Aber Christian lehnt Gewalt ab. Er möchte mit Thomas im Gütlichen auskommen und eine akzeptable Lösung für alle finden. Also besucht er Thomas, um mit ihm zu reden. Thomas fühlt sich bei der Arbeit gestört. Aber Christian fragt ihn, wie er sich das denke, wenn der Winter kommt. Thomas antwortet, ihm ist es egal, was die anderen machen, er baut in seinem Garten Kartoffeln an, die er für den Winter erntet, und das Haus wird stabil und warm. Maria wird bei ihm wohnen, weil sie ihn bei der Arbeit unterstützt.
Christian fragt, und wir können verhungern und erfrieren? Thomas zuckt mit den Schultern, das ist nicht sein Problem.
Christian berichtet den anderen beiden, Magdalena und Franz, vom Ergebnis der Unterredung.
Als Franz sich das anhört, kocht er vor Wut. Er fordert den offenen Kampf gegen Thomas. Christian und Magdalena versuchen ihn zu besänftigen. Man könne ja noch mit Maria reden, sie ist eine herzensgute Frau und wird eventuell Thomas zum Einlenken überzeugen.
Na gut, Franz setzt eine Frist von drei Tagen, dann wird er das Haus in Brand stecken und den Zaun ausreißen, was auch komme. Christian fragt, was damit gewonnen wäre, das brächte uns kein Stück über den nächsten Winter.
Christian und Magdalena reden mit Maria. Maria möchte keinem wehtun, sie sitzt zwischen zwei Stühlen. Die anderen sind ihr nicht egal, aber den Thomas mag sie auch. Sie verspricht mit Thomas zu reden.
Thomas ist erbost, er denkt, alle sind gegen ihn. Maria mag seine Vernunft, seinen Fleiß, sein Geschick, aber sie verabscheut seinen Egoismus, seine unromatische Ader, seine Sturheit, seine Ungeselligkeit. Sie mag keinen Streit, niemals, aber diesmal muß es sein, es geht um fünf Menschen, nicht nur um sie und ihn allein.
Sie sagt, wenn er sich nicht mit den anderen einige, dann wird sie ihn verlassen. Er reagiert hart: "Dann geh doch!"
Sie geht zu den anderen. Die vier sitzen und beraten, und Thomas arbeitet verbissen weiter.
Christian, Magdalena und Maria überlegen weitere Lösungen. Für Franz steht fest, es gibt einen Kampf Mann gegen Mann, und er wird Thomas und seinen Besitz vernichten, sobald seine gesetzte Frist verstrichen ist.
Thomas arbeitet bis zur Erschöpfung, er hat keine Hilfe mehr. Dann fragt er sich, wozu das alles, für wen?
Er hat Maria so geliebt. Für sie wollte er auch alles aufbauen. Er wirft den Hammer weg, geht zu den anderen und fragt sie: "Also, wie soll es weitergehen? Macht Vorschläge!"
Maria freut sich. Christian und Magdalena sind erstaunt, aber angenehm überrascht. Franz ist skeptisch, etwas ärgerlich, weil ihm ein spannendes "Feuerwerk" durch die Lappen gehen könnte.
Magdalena ist die bessere Diplomatin und sie legt Thomas ihre Vorschläge dar. Thomas hört sie sich stirnrunzelnd an, immer wieder zu Maria schauend, die ihn freundlich und erwartungsvoll, auch etwas ängstlich zulächelt.
Magdalena sagt: "Der Zaun muß weg. Die ganze Insel wird gemeinsam bewirtschaftet. Das Haus wird weitergebaut, aber größer, so daß wir alle fünf darin wohnen können. Im Garten und am Haus wird täglich gearbeitet, jeder ist verpflichtet eine bestimmte Anzahl von Stunden zu arbeiten, wer möche kann auch mehr Arbeit investieren. Arbeitstage sind von Montag bis Freitag. Am Sonnabend wird die Arbeit für die Nächste Woche geplant, am Sonntag ist Ruhe und Feiertag. Jeder trägt entsprechend seinen Kenntnissen und Fähigkeiten zum Wohl aller fünf bei. Jede Entscheidung wird von allen fünf beraten. Möglichst sind alle Aktionen im gegenseitigen Einvernehmen zu treffen.. In der Freizeit kann jeder tun, was er will, seine Hobbies pflegen. Die Ergebnisse der Arbeit stehen allen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zur Verfügung. Es werden keine "extra ordinäre Extrawürste" gebraten. Es gilt das Prinzip der gegenseitigen Hilfe und Rücksichtsnahme. Sollten in der Gemeinschaft Kinder geboren werden, werden sie gemeinsam versorgt und erzogen."
Thomas überlegt lange. Er schaut Maria an, sie nickt ihm zu. Er sagt: "Einverstanden!".
Magdalena ruft Franz an, der abseits steht: "Machst du mit, oder willst du dich ausschließen?"
Franz eiert herum. Christian fordert ihn auf: "Gebt euch die Hand! ...Nur gemeinsam werden wir überleben. Ohne Thomas geht es nicht, er weiß wie man Häuser baut und den Garten bestellt. Und ohne dich Franz geht es auch nicht, du wirst uns sonntags zum Singen und Tanzen aufspielen und uns zum Lachen bringen."

... vorläufiger Schluß, vielleicht fällt mir noch was ein.
 

 


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Kommentare (3)

Manfred36


Thomas
meint, Vorsorge ist überlebensnotwendig, Nichts ergibt sich gerade so.
Franz
meint, die Tiere schaffen es in Freiheit und Würde doch auch, und wenn mal eins draufgeht, ist das so schlimm? Ich denke an mich und niemand anders, auch mit Gewalt.
Christian
glaubt auch, dass die Insel es hergeben kann und versucht Thomas' pragmatischen Pessimismus auszutreiben, den er als nur seinen Vorteil sehenden Kapitalisten betrachtet. Er ist dagegen, jemandes (auch Besitz-)Recht zu beschneiden. Er versucht mit
Maria
auf Thomas einzuwirken. Die ist doch mütterlich aufgeschlossen, ausgleichend und vielleicht erfolgreich. Sie versucht, nachdem auch Christian und Magdalena mit ihr geredet haben, Thomas sein „Besserwissen“ auszutreiben, doch der reagiert verstoßend trotzig impulsiv. Sie redet mit
Magdalena
die zwar auch wie Christian träumt,, aber pragmatisch diplomatisch den Frieden ganz nach vorne rückt, um Schlimmeres zu vermeiden. Sie schlägt das Gemeinwesen vor, in dem jeder seine Pflicht und Freiheit innerhalb dieses Rahmens hat und seine Art leben kann.

Wenn Magdalenas Plan aber an den Charakteren zerbricht, wird sicher auch der Anfangskonsens
…................................Franz – Christian – Magdalena
nicht bleiben. Wo sich Maria einordnet, ist offen (vor allem wenn es um die gemeinsame Errungenschaft mit Thomas geht); sie wird ihm wahrscheinlich treu bleiben.
Franz wird Christians Träume von „alles wird gut werden“ zerstört/unerfüllt sehen und ihm die Freundschaft kündigen.
Magdalena, die Schlüsselfigur, wird sich bemühen, einen Kompromiss zwischen bäuerlicher und jagdbeutend-sammlerischer Lebensweise zu finden, aber latenten Krieg nicht verhindern können.

Es erinnert an die Anfänge der Menschheit und die Tatsache, dass die Frage unterschwellig immer noch die gleiche ist.

Manfred
 

Distel1fink7

Bloß nicht weiterschreiben,
das dicke Ende kommt unweigerlich.

Sehr skeptisch schau ich da in die Zukunft
Distel1fink7 Renate


Frag nicht warum ?
Die Antwort gibt es bis heute nicht, darf sie nicht geben

dunkelgraf

@Distel1fink7  Aber etwas spinnen darf man doch. 😉


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